Der Film hat mittlerweile mehr als ein Viertel Jahrhundert auf dem Buckel, ist aber aktueller denn je. Mithin liefert er ein starkes Statement zum Thema Rassendiskriminierung in den USA, ist aber zumindest von der Sache her durchaus auf Europa bzw. Deutschland übertragbar. Dabei regt der Film im Gegensatz zu so vielen anderen seiner Art sehr aktiv zum Mit- und Nachdenken an. Dereks Hasstiraden bleiben in der Regel unkommentiert stehen und es bleibt uns selbst überlassen, wie wir dazu stehen und was wir damit machen. Dabei ist es sehr erstaunlich, wie nur wenige kurze, aber sehr eindringliche Szenen genügen, um die Figuren auf dem Spielplan zu positionieren und deren Situation, Gesinnung und Beziehung zueinander zu etablieren.
Die Geschichte läuft nicht linear, sondern wird auch immer wieder durch Rückblicke in Schwarz-Weiß-Optik unterbrochen, was zwar die Spannungskurve immer wieder unterbricht, sich dennoch aber organisch und kohärent in die Story einfügt. Bemerkenswert ist hier vor allem Edward Norton, der hier ziemlich deutlich sein enormes Talent zeigt und sich vor allem körperlich ziemlich eindrucksvoll präsentiert. Das überpräsente Hakenkreuz so prominent auf der muskulösen Brust hinterlässt in jedem Fall einen bleibenden Eindruck. Wenn er dann anfängt, gegen Schwarze und Juden zu schwadronieren und selbst vor Gewalt gegenüber seiner Familie nicht zurückschreckt, bekommt man es schon ordentlich mit der Angst zu tun.
Für uns Deutsche besonders gruselig ist, mit welcher Selbstverständlichkeit und wie aufdringlich in der Szene mit Nazi-Symbolen und Nazi-Devotionalien umgegangen wird. In Dereks Zimmer hängen neben einer übergroßen Hakenkreuz-Reichsadler-Flagge noch mehrere Fotos von Adolf-Hitler, Plakate von der Waffen-SS, Danny hat eine Kiste mit zahlreichen Nazi- und S-Devotionalien. Auf der “Party” hängen ebenfalls prominent überall Hakenkreuz-Flaggen und Hitler- oder Soldatenbilder, manche Partygäste laufen gar in Wehrmachts- oder SS-Uniform auf und es wird gemeinsam “Heil Hitler” gerufen. Das ist schon alles ziemlich krass, fällt aber bekanntlich in den USA unter freie Meinungsäußerung.
“Deep Space Nine”-Captain Avery Brooks spielt seinen Captain Sisko mit bekannter starrer Mimik und intellektueller Hybris, das ist nicht besonders originell, passt hier aber ganz gut in die Rolle, wenngleich sein immenser Einfluss auf die Jugendlichen an seiner High School doch etwas unglaubwürdig wirkt. Edward Furlong war und wird niemals ein guter Schauspieler sein, hier bekommt er aber auch vom Drehbuch nicht allzuviel Tiefgang und auch nur wenig Screentime, so dass seine schwache Performance nicht so sehr ins Gewicht fällt.
FAZIT: Ein erschreckender Einblick in die US-amerikanische Neonazi-Szene, die nichts an Aktualität verloren hat. Ein überragender Edward Norton trägt diesen Film locker über die gesamte Laufzeit, wobei insbesondere seine Hassreden zum Nachdenken anregen und man wird danach auch sicher über die eine oder andere Szene reden. Eine absolute, uneingeschränkte Empfehlung von mir für diesen zeitlosen Klassiker!