Technisch faszinierender Zombie-Horror, dem der Fokus fehlt
Das ausgelutschte Zombie-Franchise hatte 2002 einen frischen Newcomer mit „28 Days Later“, unter der Regie von Danny Boyle. Ein simpler und doch effektiver Horrorfilm, der mit einer Handkamera und kleinem Budget (8 Millionen Dollar) gedreht wurde. Seitdem ist der Streifen ein moderner Klassiker im Genre geworden und war einer der ersten großen Hits für Cillian Murphy. 2007 gab es dann das Sequel „28 Weekes Later“, welches zwar mit viel Zombie-Action aufwartete, aber logisch ganz schön löchrig war. Boyle und sein Drehbuchautor Alex Garland waren an der Fortsetzung zudem auch nicht beteiligt. Seitdem sind viele, viele Jahre ins Land gezogen und viele hatte die Hoffnung auf einen dritten Teil aufgegeben. Doch dann kam 2025… Fast 20 Jahre nach „Weeks“ erschien „28 Years Later“. „Years“? Jep, die „Months“ wurden direkt übersprungen. Warum? Keine Ahnung, aber wen juckt´s? Die Filme haben außer den Zomies eh nicht viel miteinander zu tun. Doch dieses Mal waren Boyle und Garland wieder mit dabei und starteten gleich eine neue Trilogie in dem Filmuniversum. Und ich spreche hier nicht von einer Trilogie, die mit „Years“ endet, sondern startet. „Years“ ist der erste von insgesamt drei Filmen, die erscheinen werden. Teil 2, „The Bone Tempel“ ist gerade heraus gekommen (Stand Frühjahr 2026) und Teil 3 wird vermutlich 2027 oder 2028 erscheinen.
Doch bevor wir unsere Köpfe verlieren, konzentrieren wir uns auf den ersten Film, „28 Years Later“. Und ja, das heißt, dass man sich auf einen Cliffhanger gefasst machen muss.
Wie der Titel vermuten lässt, spielt die Handlung 28 Jahre nach dem ersten Film (was in Echtzeit sogar beinahe hinhaut, bis auf 5 Jahre): Auf einer kleinen Insel an der Küste Englands hat eine kleine Zivilisation überlebt und sich ein Leben aufgebaut. Alles ist sehr rustikal gehalten, die Menschen versuchen sparsam, aber zufrieden zu leben. Einige Jäger*innen verlassen jedoch ab und zu die Insel, um Fleisch und andere Ressourcen zu finden. Eines Tages wird es auch für den 12-jährigen Spike Zeit mit seinem Vater Jamie aufs Festland zu gehen…
„Years“ hatte mich ehrlich gesagt nicht groß interessiert, doch die Kritiken waren überaus positiv, weswegen ich dem Ganzen eine Chance geben wollte. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich jetzt von diesem Film halten soll. Einerseits gibt es viele dumme und klischeehafte Momente, auf der anderen Seite ist dieser Film technisch wirklich interessant gemacht und beeindruckt mit einigen starken Szenen.
Erstmal die Story: Diese fängt recht simpel an, entwickelt sich dann aber im Laufe des Films zu einer recht interessanten Handlung mit erstaunlich viel Emotionalität. Zudem ist die Welt in „Years“ äußerst faszinierend. Während die enttäuschende Serie „The Walking Dead“ keine Ahnung hatte, was sie mit ihrer Zombie-Apokalypse anstellen soll, ist Boyles „Years“ deutlich authentischer. Die Idee, dass sich die Infizierten wie Tiere und Neandertaler entwickelt haben, ist ziemlich cool.
Auf der anderen Seite ärgert es mich dann aber, dass einige Figuren und Handlungen so dämlich sind, dass man sich an den Kopf fassen will. Zudem sind einige Dialoge der Figuren wie aus dem verstaubten Lehrbuch der Filmklischees. Das hat mich schnell daran gehindert in den Film wirklich einzutauchen, denn es gibt viel Potential hier. Dem Ganzen fehlt auch ein guter roter Faden und Tempo. So rasant manche Szenen auch sind, so holprig wirken andere. Und es fehlt irgendwie ein richtiges Finale, das als Absprung für den nächsten Teil fungiert. „Years“ endet einfach irgendwann, so wie „Dune - Part I“.
Schauen wir auf den Cast, sehen wir ein paar große Namen wie Aaron Taylor-Johnson und Ralph Fiennes und alle geben eine wirklich gute Performance ab. Auch der junge Alfie Williams als Spike macht seine Sache gut.
Worin der Film auf jeden Fall punktet, ist der technische Aspekt: Sowohl Kameraarbeit (Anthony Dad Mantle) als auch Schnitt (Jon Harris) geben dem Streifen einen eigenen Charakter. Die hektischen, aber eindrucksvollen und teilweise künstlerischen Actionszenen machen viel Spaß. Hinzu kommt ein wirklich interessanter und kraftvoller Soundtrack von den Young Fathers, einer schottischen Hip Hop-Band. Boyle und sein Team kreieren hier eine unterhaltsame Mischung aus Videospiel, Splatter und Kunstfilm.
Fazit: Hätte „Years“ diese wilde Energie auch in seine intimeren Momente gesteckt, hätte dies sicherlich einer der besten Filme des Jahres werden können. Aber die schwachen Dialoge und der fehlende Fokus in der Story rauben dem blutigen Trip etwas an Spaß. Und so ganz weiß ich nicht wirklich, was ich von dem Film halten soll, denn irgendwie wirkt er halt nicht komplett. Und es ist egal, ob das hier ein erster Teil einer Trilogie ist! Schau ich mir Filme wie „Star Wars – Episode IV“, „Kill Bill Vol. 1“ oder „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ an, dann ist klar, dass man eine runde Geschichte erzählen kann, auch wenn man noch nicht das große Ganze kennt. Mal sehen, was Teil 2 der „Years“-Filme so zu bieten hat...