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    Hop - Osterhase oder Superstar
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hop - Osterhase oder Superstar
    Von Annemarie Havran
    Der Osterhase pupst Ostereier. Und sein Sohn Jelly Beans. So der so ähnlich will es uns der neueste Animations-Streich von Regisseur Tim Hill („Alvin und die Chipmunks") weismachen. Zum Glück ist das aber auch die einzige Anwandlung von Fäkalhumor, mit der die kindgerechte Aufarbeitung der Rebellion im Osterhasen-Land aufwartet. Der Rest der Familienkomödie aus dem Hause Universal ist quietschend clean, knallbunt und erfrischenderweise nicht in 3D. Pünktlich zur Osterzeit schickt die „Ich - Einfach unverbesserlich"-Schmiede diese Mischung aus Realfilm und Animation ins Rennen, um die Herzen all derer Familien zu erobern, die die Feiertage zum Anlass nehmen, mit Kind und Kegel mal wieder ins Kino zu gehen. Eine angenehme Abwechslung zu dem üblichen Weihnachts-Einerlei ist die Osterkomödie allemal. Und sowohl Eltern als auch Kinder werden nicht enttäuscht sein: Für Kinder unter Zwölf bietet „Hop" grandiosen Spaß in optischer Bestform und auch die Eltern kriegen zumindest keine grauen Haare wie bei manch anderem, unter „Familienunterhaltung" firmierenden Leinwand-Verbrechen.

    E.B. (Stimme: Alexander Fehling) ist der Sohn des Osterhasen (Stimme: Wolfgang Stumph). Dieser leitet auf der Osterinsel eine riesige Süßigkeitenfabrik und bereist in der Osternacht die ganze Welt, um Kinder zu beschenken. Als einziger Spross des Osterhasen ist E.B. dazu auserkoren, das magische „Ei des Schicksals" zu übernehmen und seinem Vater auf den Osterhasen-Thron zu folgen. Doch E.B. hat ganz andere Pläne: Er möchte viel lieber Schlagzeuger werden und so reißt er in der Nacht vor der Krönungszeremonie aus, um sich in Hollywood als Drummer durchzuschlagen. Dort trifft er auf den arbeitslosen Taugenichts Fred (James Marsden) und richtet sich häuslich bei ihm ein. Das passt Fred gar nicht, denn der kleine Hase verbreitet nur Chaos und bringt Freds Leben gehörig durcheinander. Doch schlussendlich raufen sich die beiden zusammen, denn Gefahr ist im Anmarsch: Das eifersüchtige Osterküken Carlos (Stimme: Detlev Buck), die rechte Hand des Osterhasen, möchte die Macht auf der Osterinsel an sich reißen. Fred und E.B. eilen zur Rettung des Osterfestes und lernen, was es heißt, Verantwortung zu tragen...

    Der Film eröffnet mit gleich zwei optischen Knallern: Baby-Hase E.B. ist zum Glucksen niedlich und hervorragend animiert und die Oster-Fabrik versetzt das Publikum mit altmodischer Steampunk-Maschinerie, clever-witzigen Süßigkeitenproduktions-Ideen und bonbonbunten Farben in Erstaunen. Visuell macht „Hop - Osterhase oder Superstar" alles richtig und auch den künstlerischen Leitern und Set-Designern Richard Holland, Charles Daboub Jr. – beide arbeiteten schon für „Alvin und die Chipmunks" mit Regisseur Tim Hill zusammen - und Don Diers („Beverly Hills Chihuahua 2") ist ein Lob für ihren Ideenreichtum auszusprechen. Die Mischung aus Real- und Animationsfilm ist gelungen und die Übergänge zwischen den technischen Ebenen fließend. Da wird sich der ebenfalls in Animations-Realfilm-Manier erscheinende Familienfilm „Die Schlümpfe" (Kinostart: 4. August 2011) an einem starken Gegner messen lassen müssen.

    Neben dieser optischen Brillanz fällt die Story deutlich ab: Die Einfälle bezüglich des Osterfestes und der Existenz der Osterhasenfamilie sind zwar witzig, inhaltlich dreht sich die Geschichte in „Hop – Osterhase oder Superstar" aber sehr konventionell um die üblichen Themen der jugendlichen Rebellion, den Wert der Freundschaft und das Erkennen und Übernehmen von Verantwortung. Die Entwicklung der Figuren ist ebenso vorhersehbar wie der Ausgang der Geschichte. Doch anders ist es von einem amerikanischen Familienfilm wohl kaum zu erwarten. Immerhin transportiert die Geschichte ihre Botschaften auf amüsante Weise: E.B. ist ein cooles Häschen mit dem Traum, in einer Rock-Band zu spielen und Alexander Fehling verpasst ihm in der deutschen Fassung den entsprechend flapsigen Ton. Und der von James Marsden gespielte Fred ist eigentlich auch nur ein kleiner Junge im Körper eines erwachsenen Mannes, der sich wünscht, der erste menschliche Osterhase zu werden. Für Kinder ist das einfach nur cool, für Erwachsene lässt das Raum zum Schmunzeln und Träumen.

    Auch nur im Ansatz so boshaft-satirisch wie „Ich – Einfach unverbesserlich" wird es hier freilich nie. Lediglich ein Beinahe-Hasenmord und ein gefaktes Kaninchen im Kochtopf appellieren an die niederen, schadenfrohen Instinkte des erwachsenen Zuschauers. Dabei macht Tim Hill mit seiner Geschichte auch vieles richtig, beispielsweise indem er sie nicht mit überflüssigen Nebenhandlungen überfrachtet. Es gibt keine aufgesetzte Liebesgeschichte, weder für den Menschen Fred, noch für den kecken Jung-Osterhasen E.B. - die beide in der Blüte ihrer männlichen Jugend stehen. Die weiblichen Figuren im Film beschränken sich auf Freds Schwester Sam (Kaley Cuoco), der im Leben stehenden Blondine, und eine Bande Ninja-Häsinnen, die auf der Suche nach dem entflohenen E.B. einige sehenswerte Anspielungen auf Action-Filme abliefern. Ansonsten orientiert sich die Erzählweise straight nach vorne und verzichtet auf nennenswerte Schlenker aus. Mit Küken Carlos ist ein unfreiwillig komischer Bösewicht am Start, dessen unbeholfene Putsch-Versuche garantiert für Lacher sorgen.

    Für die erwachsenen Begleiter quietschend-aufgeregter Mini-Kinobesucher sind dankenswerterweise einige amüsante „Ostereier" versteckt, etwa ein selbstironischer Auftritt von David „The Hoff" Hasselhoff und ein Besuch in der Playboy-Mansion – was die mit Hasen zu tun hat, sollte jüngeren Zuschauern zumindest pädagogischem Common Sense folgend noch ein Rätsel sein. Worauf sich Jung und Alt jedoch einigen werden, ist der nostalgische Flair des Oster-Zaubers, der den gesamten Film umweht. Da fällt es leicht, über die etwas zu klassisch geratene, überraschungsarme Narration voller üblicher Familienfilm-Klischees hinwegzusehen. Eines noch: Dass Wolfgang Stumphs Osterhase sympathisch-urig sächselt, funktioniert - zum einen ist es die natürliche Sprachnuance des ostdeutschen Schauspielers, zum anderen passt der gemütliche Ton zu Vater Hase. Warum aber eine Berühmtheit wie Detlev Buck als Küken Carlos engagiert wurde, nur um dann mit einem halsbrecherischen, teilweise schwer verständlichen spanischen Akzent zu sprechen, wird wohl auf ewig ein Geheimnis des Verleihs bleiben.
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