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    Terminator 6: Dark Fate
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Terminator 6: Dark Fate

    Ein Schritt in die richtige Richtung

    Von Björn Becher
    Mit „Terminator“ und „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ schuf James Cameron zwei der größten Action-Klassiker der Filmgeschichte. Einen eigentlich geplanten dritten Teil setzte er hingegen nie um: Nach durchaus etwas komplexeren Streitigkeiten um Filmrechte, Budgets und einer daraus resultierenden zerbrochenen Männerfreundschaft mit Produzentenkumpel Mario Kassar war die Saga für den Regisseur erst mal Geschichte. Stattdessen setzten andere das Franchise fort (und dabei mit „Terminator: Die Erlösung“ und „Terminator: Genisys“ gleich mehrfach in den Sand).

    Aber nun ist Cameron, der zwischendurch mit „Titanic“ und „Avatar“ gleich zwei Mal den jeweils bis dato erfolgreichen Film aller Zeiten gedreht hat, endlich wieder zurück: Bei „Terminator: Dark Fate“ nahm er zwar nicht selbst auf dem Regiestuhl Platz, ist aber als Mitentwickler der Story und als Produzent das erste Mal wieder direkt involviert. Passend zu dieser Rückkehr ignoriert der von „Deadpool“-Regisseur Tim Miller inszenierte Sci-Fi-Action-Film die drei zwischenzeitlich entstandenen Nachfolger und knüpft stattdessen direkt an „Tag der Abrechnung“ an. Das Ergebnis ist eine Hommage mit vielen Höhen und Tiefen – und einem sensationellen Arnold Schwarzenegger!

    Arnie ist nicht der einzige Rückkehrer aus dem Original.


    Sarah Connor (Linda Hamilton) hat – wenn auch zu einem hohen Preis - den „Tag der Abrechnung“ verhindert! So ist die einzige Angst der Menschen im Jahr 2020, dass die Maschinen sie am Arbeitsplatz ersetzen – wie es gerade etwa in einer mexikanischen Autofabrik geschieht. Dort arbeitet auch Dani (Natalia Reyes), als ein aus der Zukunft geschickter Terminator (Gabriel Luna) auftaucht, um sie zu töten. Nur dank der Hilfe der ebenfalls aus der Zukunft gekommenen, zwar immer noch menschlichen, aber mechanisch hochgezüchteten Soldatin Grace (Mackenzie Davis) kann Dani entkommen. Als die Flucht der jungen Frau und ihrer Beschützerin schon nach wenigen Metern auf einer Autobahnbrücke jäh zu enden droht, taucht aus dem Nichts Sarah Connor auf. Zu dritt geht die Flucht weiter, doch es bleiben viele Fragen. Vor allem natürlich: Wie kann der hochentwickelte Killer-Roboter aus der Zukunft gestoppt werden?

    Rückbesinnung auf zwei Klassiker


    Schon die mit einer altbekannten Filmszene in VHS-Optik verwobenen Logos der Produktionsfirmen machen deutlich, wie sehr sich Tim Miller mit „Terminator: Dark Fate“ auf die ersten beiden Teile von James Cameron bezieht. Der folgende, im Jahr 1998 spielende Einstieg knüpft dann auch an das Finale von „Tag der Abrechnung“ an. Und die eigentliche Handlung im Jahr 2020 verweist wiederum direkt auf „Terminator“ von 1984: Ein Mensch und eine Maschine werden aus der Zukunft zurückgeschickt, um eine junge Frau zu beschützen bzw. zu töten. Dass die von fünf Autoren entwickelte Story im Kern fast eins-zu-eins dem allerersten Film entspricht, mag auf den Blick einfallslos wirken, es hat aber nach den teils verquer-komplizierten Ideen der vorherigen Teile (ja, wir meinen dich, „Terminator: Genisys“) auch etwas Erfrischendes.

    Vor allem gerät der im Zentrum stehende, simpel zugespitzte Kampf einer übermächtigen Maschine gegen völlig unterlegene Sympathieträger auch 35 Jahre nach dem ersten Teil noch mitreißend. So ist „Terminator: Dark Fate“ eine größtenteils spannend in Szene gesetzte, atemberaubende Hatz, bei der – wie in den beiden übergroßen Vorbildern - auch einige tiefergehende Fragen aufgeworfen werden. Regisseur Miller und sein Team sind zugleich aber auch so sehr auf ihre Geradlinigkeit bedacht, dass sie eine Menge möglicher Mysterien allzu leicht herschenken. Warum hat Grace übermenschliche Kräfte? Warum kommen trotz der Zerstörung von Skynet wieder Killermaschinen aus der Zukunft? Woher weiß Sarah von Danis Notlage und taucht plötzlich aus dem Nichts auf? All diese Fragen werden recht schnell, nachdem sie sich stellen, auch schon breit beantwortet. Da hätte man viel mehr Spannung rausholen können.

    Zwei der neuen Gesichter.


    Nicht nur den Plot hat Miller von „Terminator“ übernommen, auch sonst zitiert er Camerons Originalfilme immer wieder mehr oder weniger deutlich. Einige Anspielungen sind natürlich fast schon Pflicht, aber Miller findet oft nicht das rechte Maß. Nicht nur die Zeitlupen, die Cameron einst so wohlüberlegt nutzte, um Momente unglaublich effektiv zu unterstreichen, streut der „Deadpool“-Regisseur nun etwas zu beliebig in seinen Film. Auch das berühmte „I’ll Be Back!“ wirkt diesmal einfach nur erzwungen. Immerhin verkneifen sich die Macher gen Ende ein „Hasta La Vista, Baby“, obwohl es so überdeutlich vorbereitet wird, dass man es schon fast hört, selbst wenn es nie ausgesprochen wird. Zum Glück: Denn es hätte einen emotionalen Moment nur unpassend-komisch gemacht. Viele andere Referenzen funktionieren aber auch – allen voran die Rückkehr des ikonischsten Schauspielers der Reihe.

    Endlich wurde ein inhaltlich interessanter Kniff gefunden, um Arnold Schwarzenegger trotz grauer Haare (und massivem Vollbart) in einer prägenden Rolle zurück zur „Terminator“-Reihe zu bringen. Wir wollen aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber so viel können wir sagen: Schwarzeneggers Beteiligung ist umfangreich (nicht nur ein Mini-Cameo), großartig gespielt und saulustig. Ja! Saulustig! Das meinen wir ernst. Denn der Humor passt als konsequente Weiterentwicklung seiner trockenen Oneliner in „Tag der Abrechnung“ perfekt. Vor allem setzt es Schwarzenegger aber auch mit dem nötigen Ernst und Charisma um, weshalb seine Figur zu keinem Zeitpunkt ins Alberne abgleitet.

    Starke Darsteller


    Neben der weiteren Rückkehrerin Linda Hamilton als getriebene, vom Leben gezeichnete Einzelkämpferin steht zudem ein neues Darstellertrio im Vordergrund, das überzeugen kann – auch wenn Shootingstar Natalia Reyes („Birds Of Passage“) ein wenig darunter zu leiden hat, dass das Drehbuch etwas zu nervig mit dem „Jungfrau in Nöten“-Rollenklischee spielt und eine Vorblende ihr unglaublich platte Dialoge beschert. Die stark auftrumpfende Mackenzie Davis („Blade Runner 2049“) ist eine überzeugende Action-Amazone – auch wenn einer der vielen Kleinigkeiten, die immer wieder verhindern, dass „Terminator: Dark Fate“ nicht nur ein solider, sondern ein großartiger Film wird, ihre Rolle betrifft: Denn dass ihr die Technik-Verbesserungen in ihrem Körper nicht nur Superkräfte verleihen, sondern auch Nebenwirkungen haben, wird nur genutzt, um partiell die Spannung zu erhöhen, aber darüber hinaus nicht wirklich ergründet.

    Gabriel Lunas Killermaschine erinnert mit der stoischen Geradlinigkeit und völligen Fokussierung auf sein Ziel zu Beginn an Robert Patricks T-1000 in „Tag der Abrechnung“ – verfügt aber gleich über zwei technische Weiterentwicklungen. Gelungen ist dabei vor allem jene, die vielen Zuschauern vielleicht gar nicht so auffällt, weil sie nur unterschwellig Thema ist und nie geradeheraus erklärt wird: Ein Terminator ist bekanntlich neben dem Töten perfekt dafür ausgebildet, die Umgebung zu infiltrieren. So konnte schon der T-1000 das Antlitz anderer Menschen annehmen und Stimmen imitieren kann sogar schon der T-800. Doch Lunas REV-9 geht weiter. Als er das allererste Mal einen anderen Menschen kopiert, agiert er noch unglaublich steif, findet nicht die richtigen Worte. Im späteren Verlauf macht er dann aber plötzlich lockeren Small-Talk und sogar Witzchen mit Kollegen des kopierten Menschen. Schön subtil.

    Luna als doppelter Terminator.


    Offensichtlicher, aber weniger gelungen eingesetzt ist die andere Weiterentwicklung: Der neue Terminator kann sich nämlich aufspalten, indem er seine menschlich-wirkende Hülle von seinem Roboter-Skelett trennt und sich so quasi im Doppelpack seinen Feinden gegenüberstellt. Das erhöht natürlich die Gefahr für Dani, Grace und Sarah, aber eben auch nicht mehr. Es ist ein reines Gimmick, um Action-Szenen beeindruckender zu machen und die Spannung zu erhöhen. Doch zu mehr wird es nicht genutzt. Ähnlich wie bei den erwähnten Kräften von Grace geht es immer nur um den einzelnen Effekt, interessante inhaltliche Ansatzpunkte darüber hinaus bleiben auf der Strecke. Ihr Superkörper und seine Zwillingsfähigkeit sind so am Ende reine Vehikel, um dem üblichen Sequel-Mantra zu folgen: Alles muss noch eine Spur größer sein!

    Das trifft natürlich auf die gesamte Action zu: Dabei sind die Kämpfe (mit der Wiederholung einiger aus den Vorgängern bekannter Szenarien) erst einmal erfrischend geradlinig, kompromisslos und so angemessen blutig, wie es gerade für den jeweiligen Moment nötig ist. In der zweiten Hälfte schlägt dann aber doch der übertreibende Gigantismus zu. Eine ausufernde Sequenz rund um ein Militärflugzeug läuft gleich aus mehreren Gründen aus dem Ruder. Zum einen fehlt dieser Szene mit ihrem absoluten CGI-Overkill jegliches Herz. Zum anderen geht teilweise auch die Übersichtlichkeit flöten, so dass man sich als Zuschauer mehr als einmal wundert, woher diese Figur denn jetzt plötzlich gerade wieder herkommt. Und schließlich ist der Moment so langgezogen, dass er irgendwann langweilig wird.

    Fazit: „Dark Fate“ hat sicherlich seine Schwächen. Aber die überzeugenden Darsteller und eine Rückbesinnung auf die Stärken der beiden Originalteile sorgen für einen immerhin soliden Actionfilm, der die Weichen für eine bessere „Terminator“-Zukunft stellt.

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