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    Horns
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Horns
    Von Tim Slagman
    Unter dem Künstlernamen Joe Hill veröffentlicht ein Schriftsteller seine Werke, der auf diese Weise aus dem Schatten seines berühmten Vaters treten will, was ihm aber schwer fällt, da er nicht nur äußerlich an diesen erinnert, sondern vor allem in seinen Büchern sehr ähnliche Weg geht. Joe Hill ist der Sohn von Horror-Legende Stephen King. Wie sein Vater schreibt auch Hill Geschichten, in denen er gerne das Übernatürliche mitten im scheinbar so gewöhnlichen amerikanischen Alltag platziert. Auch sein 2010 erschienener Roman „Teufelszeug“, den der französische Splatter-Experte Alexandre Aja („High Tension“) nun unter dem Originaltitel „Horns“ für die große Leinwand adaptiert hat, passt in dieses Muster. Schon Hills Vorlage, mehr „dark fantasy“ als Horror, ist eine Spur zu wild und überdreht. Diese Schwäche belastet auch Ajas flott inszenierte, aber atmosphärisch sehr unausgewogene Filmversion.

    Ig (Daniel Radcliffe) hat seine Freundin Merrin (Juno Temple) durch ein furchtbares Verbrechen verloren. In seinem Heimatkaff wird er zum Paria, der Mob hält ihn für den Täter. Nur sein Sandkastenfreund Lee (Max Minghella) und sein Bruder Terry (Joe Anderson) halten noch zu ihm. Dann wachsen Ig plötzlich Verknöcherungen aus dem Schädel, die bald als waschechte Teufelshörnchen zu erkennen sind. Doch damit gehen auch besondere Fähigkeiten einher. So kann er den Menschen ihre tiefsten Geheimnisse entlocken, denn in seiner Umgebung entpuppen sie sich plötzlich als schonungslos offen – und so verkommen, wie sie wirklich sind: Der Arzt fällt lieber über seine Arzthelferin her, als Ig mit seinen Wucherungen zu helfen und nicht einmal seine Eltern glauben ernsthaft an die Unschuld ihres Sohnes. Da fällt ihm eine Möglichkeit ein, wie er sein neues Talent einsetzen kann, um den Mörder von Merrin zu finden – oder sollte er es doch tatsächlich selbst gewesen sein?

    Alexandre Aja inszeniert die düstere Geschichte von „Horns“ mit so viel Pathos, dass sie teilweise darin zu ertrinken droht. Um das zu verhindern, schiebt er immer wieder leichte Zwischenmomente zur Auflockerung ein. Doch viele der humorvoll gemeinten Szenen funktionieren nicht. Wenn in neuer Ehrlichkeit sich ein Polizistenduo das lange versteckt gehaltene homosexuelle Begehren gesteht, ist dies billigster Humor, in seiner Plattheit an der Grenze zur Homophobie. Überzeugen können dagegen die Szenen, in denen Igs zerrissene Seele ihr Leid gewaltsam nach außen projiziert: Mal lässt er eine Bar in Flammen aufgehen, mal die karrieregeilen Mitglieder einer nach saftigen Geschichten gierenden Reportermeute aufeinander losgehen. Die folgende Massenschlägerei ist genüsslich in Szene gesetzt und artet in ihrem Verlauf vom slapstickhaften Kampf zur beinahe apokalyptischen Schlacht aus. Der Mann mit den Hörnern scheint tatsächlich dabei zu sein, ein Inferno zu erschaffen.

    Für „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe, der den ursprünglich vorgesehenen Shia LaBeouf („Transformers“) ersetzte, ist diese Rolle natürlich auch ein weiteres bewusst gewähltes Extrem, um das alte Image abzulegen und seine Vielfalt zu beweisen. Auch wenn Radcliffe schon wiederholt unter Beweis stellen konnte, dass er mindestens ein ordentlicher Schauspieler ist, überzeugt er hier nicht ganz. Er überzeichnet die verschiedenen Facetten seiner Figur, die boshaft und leidend ist, aber durch ihre tollpatschige Orientierungslosigkeit auch eine humorige Seite hat, zu stark. Mit verschiedenen  Facetten hat auch Regisseur Alexandre Aja seine Probleme, dem es zu selten gelingt, die Übergänge vom Humor in das Abgründige und zurück fließend zu gestalten. Die gelegentlichen Ausflüge in puren Kitsch inszeniert  er gar so hemmungslos, dass sie beinahe wie eine Parodie auf die Kinoschwüre von ewiger Liebe wirken. Die gekonnt verschachtelte Geschichte von rätselhafter Mördersuche und übernatürlichen Schockeffekten ist zwar fesselnd, aber gerade atmosphärisch ist „Horns“ allenfalls Flickwerk.

    Fazit: Düster, schwarzhumorig und dann auch noch mit ganz großem Gefühl – mit „Horns“ inszeniert Alexandre Aja eine originelle Geschichte von einem jungen Mann unter Mordverdacht, dem plötzlich Hörner wachsen, verzettelt sich aber in allzu vielen unterschiedlichen Stimmungslagen.

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