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    Dirty Grandpa
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Dirty Grandpa
    Von Carsten Baumgardt
    Eine ernstgemeinte Warnung vorweg: Dan Mazers Komödie „Dirty Grandpa“ ist absolut geschmacklos. Darüber kann es keine zwei Meinungen geben. Doch das muss nicht das Todesurteil für den Film sein: Wer spätpubertär-anzüglichen Humor nicht pauschal als Teufelswerk geißelt und schmutzigen Gags zumindest aufgeschlossen gegenübersteht, kann nämlich mit Robert De Niro als sexbesessener Opa auf Spring-Break-Tour einigen Spaß haben. Von Schwarzmalern wurde „Dirty Grandpa“ als Tiefpunkt in der großen Karriere des zweifachen Oscarpreisträgers ausgemacht, doch ist sein herzhafter Auftritt hier vielmehr der Beweis dafür, dass De Niro mit Charisma, Selbstironie und Klasse auch in solch einer Brachialbombe alles an die Wand spielen kann, was sich ihm in den Weg stellt. Erzählerisch ist die Gross-Out-Komödie nicht der Rede wert, aber zumindest in der Berliner Pressevorführung wurde herzhaft und oft gelacht – selbst wenn es hinterher keiner gewesen sein will.

    Rentner Dick Kelly (Robert De Niro) hat die 70 gerade überschritten, als seine Frau stirbt. Die Trauer verwandelt sich schnell in Aktionismus:  Nachdem der ehemalige Elite-Soldat in den vergangenen 15 Jahren keinen Sex mehr hatte, will er nun in Florida beim Spring Break die Sau rauslassen. Der führerscheinlose Vietnam-Veteran überredet seinen superspießigen Anwalts-Enkel Jason (Zac Efron), ihn von Georgia nach Boca Raton zu fahren, indem er vorgibt, dass er einen alten Kameraden (Danny Glover) besuchen will. Das ungleiche Gespann strandet in der Partyhochburg Daytona Beach, wo sie auf Jasons ehemalige Mitstreiterin, die Friedensaktivistin Shadia (Zoey Deutch), und deren Freundin Leonore (Aubrey Plaza) treffen, an der Dick besonderen Gefallen findet. Er setzt alles daran, Sex mit der aufgeschlossenen Studentin zu haben, doch ehe es dazu kommt, bricht das totale Partychaos aus: Jason wacht nach einer wilden Nacht im Knast auf – weniger als eine Woche vor seiner Hochzeit mit der snobistischen Meredith (Julianne Hough).


    Regisseur Dan Mazer ist ein Mann, der gern das ganz grobe Comedy-Korn schrotet. Schon sein Regiedebüt „Das hält kein Jahr…“ stattete er mit Fremdschämgarantie aus und bürstete das Genre der Romantik-Komödie dabei kräftig gegen den Strich. Die rabiaten Methoden hatte er zuvor in seiner Zusammenarbeit mit Humor-Terrorist Sasha Baron Cohen ausführlich erprobt, als einer der Drehbuchautoren war er an „Brüno“, „Borat“ und „Ali G in da House“ beteiligt. Und nun bläst Mazer erneut zum Frontalangriff auf den guten Geschmack, allerdings fehlt ohne den satirischen Esprit der Cohen-Filme das Feigenblatt, um all die humoristischen Entgleisungen irgendwie zu rechtfertigen: „Ich möchte ficken bis die Lunte qualmt. Ficken, ficken, ficken!“ Mit dieser kleinen Ansprache macht der mopsfidele Rentner Dick nicht nur seinem schleimigen Spießer-Enkel die Prioritäten klar, sondern erklärt dem Zuschauer auch gleich, in welcher Sorte Film er gerade sitzt. Wer da pikiert zu Boden blickt, sollte diskret den Saal verlassen, denn in dieser Gangart geht Dick Kellys „Fickfeldzug“ weiter. Regisseur Mazer feuert eine derbe Zote nach der anderen ab und dabei landet gewiss nicht jeder Gag im Ziel, aber das geneigte Publikum bekommt einiges zu grölen.

    Die Karriereentscheidungen von Schauspielikone Robert De Niro mögen nicht immer glücklich gewesen sein und es mag leicht fallen, sich darüber zu mokieren, dass er sich „für sowas“ hergibt. Doch ein guter Komiker kennt keine Schmerzgrenze, für eine zündende Pointe würde er alles geben. De Niro hat schon bei der „Focker“-Trilogie gezeigt, dass er sich nicht zu schade ist, auch dahin zu gehen, wo es weh tut. Das toppt er in „Dirty Grandpa“ noch einmal. De Niro ist der Platzhirsch, der Rest der Besetzung ist dazu verdammt, Gags zuzuliefern und einige stehen mit voller Absicht blöd da – so persifliert Zac Efron („Bad Neighbors“) wieder einmal sein braves „High School Musical“-Image, indem er sich als lebende Spaßbremse vorführen lässt. Als Jason verkörpert er ein genüsslich überzeichnetes Spießertum: Wie das Klischee eines in Steifheit und Verstocktheit erstarrten Menschenschlags von der Kleidung bis zu den Ritualen wie der großen staatstragenden Hochzeit auf die Spitze getrieben wird, hat durchaus auch Pfiff. Julianne Hough („Safe Haven“) übernimmt dabei als Spießer-Furie und Jasons Verlobte die undankbarste Aufgabe, aber auch sie steckt die Breitseiten auf Kosten ihrer Figur tapfer ein. Die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen Jason und der idealistischen Friedensaktivistin Shadia ist dagegen nur eine reine Pflichtübung und bleibt wie die gesamte absurde Story nur Mittel zum zwerchfellmalträtierenden Zweck.  

    Fazit: Die prüden amerikanischen Kritiker ließen sich von dem Sperrfeuer an Geschmacklosigkeiten in Dan Mazers derber Zoten-Komödie in die Knie zwingen, aber wer sich darauf einlassen mag, bekommt in dieser von einem entfesselten Robert De Niro angeführten Senioren-Variante von „Hangover“ einiges zu lachen.
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