Captain America bekommt eine filmische Identität und überzeugt mit toller Action!
Als ich das erste Mal „Captain America“ (2011) sah, war ich nicht gerade begeistert von ihm. Der Film war in meinen Augen nicht mehr als ok. Doch über die Zeit hat der erste Teil mich mehr und mehr überzeugt. Kein großartiger Film, aber unterhaltsam und ich mag das Setting. Zudem ist der Film bis heute einer der blutigsten MCU-Filme. Doch nach „Avengers“ tauschte Marvel die Regisseure ihrer großen Solofilm-Reihen aus. „Iron Man 3“ und „Thor 2“ wurden von frischen Gesichtern inszeniert, der erste besser, der andere deutlich schlechter. Doch es war „Captain America 2“, der das MCU wieder auf den richtigen Kurs bringen sollte. Dieses Mal gab es ein Regie-Duo: Anthony und Joe Russo oder auch die Russo Brothers. Wie Joss Whedon („The Avengers“) kamen die beiden vor allem aus dem Fernsehen, bekamen nun aber die Chance für ihr erstes, großes Projekt. Und 2014 war es soweit und „Captain America – The Winter Soldier“ kam in die Kinos. Und ja, der deutsche Titel („Return of the First Avenger“) ist absolut dämlich und so viel uncooler!
Der zweite Teil von Cap interessierte mich damals überhaupt nicht, war aber letztendlich der Grund, warum mir Marvels Filme wieder richtig Spaß machten. Ein schicker Espionage-Thriller mit toller Action und guten Figuren. Der bis dato düsterste Marvel-Film, der ohne Zweifel an Christopher Nolans Arbeit bei den „Dark Knight“-Filmen erinnerte. Doch mittlerweile ist „Winter Soldier“ über zehn Jahre alt und der Hype ist heute deutlich abgeschwächter. Dennoch gilt er unter vielen Fans als einer der besten Filme im MCU. Ist das so?
Auch nach den Events in New York, hat Captain America alias Steve Rogers seinen Platz in der Welt noch nicht gefunden. Und ., unter der Führung von Nick Fury und dem Politiker Alexander Pierce, scheint dubiose Geheimnisse zu haben. Steve und Natascha (alias Black Widow) kommen diesen Geheimnissen schließlich auf die Spur und eine gefährliche Jagd auf die beiden beginnt. Und zwischen all dem Chaos steht ein mysteriöser, vermummter Soldat…
Selten wirkten die Figuren im Marvel-Universum so echt und menschlich. Und ohne Hulk oder Thor ist nur noch Captain America als übernatürlicher Avenger ein Indiz für die fantastische Welt der Superhelden. Der Rest des Films ist überraschend geerdet in seiner Atmosphäre und wirkt eher wie ein schicker Thriller mit ebenso schicker Action. Die Kämpfe wirken brutaler, echter, die Story ist dabei wirklich spannend inszeniert und dennoch verliert der Film nie wirklich den Charme eines Captain America-Films. Doch es war die absolut richtige Entscheidung Steve und Co in diese Richtung zu bringen, mit mehr Tiefe, mehr Spannung und mehr Anspruch. Denn inmitten des Ganzen steht ein wirklich guter Konflikt, der zwar am Ende des Tages in einem klassischen „Gut gegen Böse“-Szenario endet, doch die ersten, wichtigen Schritte hin in Richtung „Civil War“ macht. Zudem ist dieser Teil für Steve Rogers ein wirklich wichtiges Kapitel in seiner Story. Während Tony Stark und Thor in ihren Fortsetzungen in Phase 2 fast schon pure Filler-Filme bekamen, ist „Winter Soldier“ wirklich essentiell für die späteren MCU-Sequels.
Was mir jedoch nicht ganz so zusagt, sind einige Dialoge, denn manchmal scheint es so, als ob der Film zwanghaft wieder zur alten, augenzwinkernden Marvel-Formel zurück will. Einige der Witze wirken etwas zu aufgesetzt, besonders die Szene im Apple Store ist extrem unangenehm und nicht nur, weil es offensichtliche Werbung für den Konzern ist. Auch der Wechsel zu den dramatischen Momenten ist nicht immer perfekt gelungen. Besonders das Finale hat ein paar Momente, die deutlich emotionaler hätten sein können, aber die teils kitschigen Dialoge nehmen großen Szenen ihre Kraft. Hier sieht man sehr gut, dass die Russo Brothers im Laufe der Jahre deutlich besser wurden mit ihren Dialogen bzw. die Dialogautoren Christopher Markus und Stephen McFeely.
„Winter Soldier“ leidet zudem unter demselben Problem, wie „Iron Man 3“ oder „Thor 2“: Wo sind die anderen Avengers? Müssen wir davon ausgehen, dass all diese Filme zur selben Zeit passiert sind und deswegen alle verhindert waren? Entweder das oder die Autoren waren zu faul, um die restlichen Avengers mit in die Story einzubinden. Auch dieses Problem wurde zum Glück in den späteren Filmen besser gelöst.
Der Cast ist durchweg gut, Chris Evans und Scarlett Johansson sind die Stars hier und tragen den Großteil des Films. Aber auch Anthony Mackie (The Falcon) als neues Mitglied bringt frischen Wind in den Film.
Besonders stark ist die Action! Sicherlich der beste Actionfilm im MCU bis dato mit eindrucksvollen Kampfchoreografien und vielen, echten Special Effects. Und trotz einiger sehr verwackelten Action-Szenen, ist „Winter Soldier“ sehr schick gefilmt (Kamera: Trent Opaloch).
Der Score wurde von Henry Jackman komponiert, der bis dato einige tolle Filmmusiken abgeliefert hatte (beide „Kick-Ass“-Teile und „X-Men – Erste Entscheidung“). Trotz einiger guter Motiv-Ideen, bleibt seine Musik jedoch erstaunlich blass. Schade, denn Alan Silvestri hatte dem ersten Film und Cap selbst eine wirklich gute Musik verpasst…
Fazit: „Captain America – The Winter Soldier“ war mit „Iron Man“ und „The Avengers“ der bis dato beste Marvel-Film! Perfekt? Nein, aber wirklich unterhaltsam. Vor allem bekam Cap hierdurch eine eigene, filmische Identität, die ihn zu einem der besten Avengers in der Reihe machte. Eine tolle Fortsetzung, die den Weg für eine glorreiche MCU-Zukunft ebnete.