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    Hangover 3
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hangover 3
    Von Christoph Petersen

    Wenn eine brillante Idee auf die nötige Portion Mut zum Risiko trifft, dann geschehen selbst im sonst so kühl kalkulierenden Hollywood noch Zeichen und Wunder. Todd Phillips‘ Meisterwerk „Hangover“ ist eines davon – nicht von ungefähr hat die FILMSTARTS-Redaktion das absurd-zotige Las-Vegas-Happening zur zehntbesten Komödie aller Zeiten erkoren!  Aber wie bei den durchzechten Nächten des Wolfsrudels beginnen auch im wahren Leben die Probleme meist erst am Morgen danach… denn dann stellt sich nach einem weltweiten Einspiel von mehr als 450 Millionen Dollar (bei einem Budget von 35 Millionen) nämlich plötzlich die Frage: Wie zum Teufel soll man einen solch raren Volltreffer bloß wiederholen? Der erste Ansatz war naheliegend, hat aber nur bedingt funktioniert: „Hangover 2“ ist praktisch eine Eins-zu-Eins-Kopie vor exotischer Kulisse – aber ohne den Überraschungseffekt des Originals zündeten auch die Gags nur noch halb so krachend. Die Idee für „Hangover 3“ ist da deutlich radikaler. Regisseur Todd Phillips und sein Schreibpartner Craig Mazin haben den dramaturgischen Kniff der Vorgänger kurzerhand über Bord geworfen und scheuchen das Wolfsrudel stattdessen durch eine – je nach Sichtweise – klassische bzw. ausgelutschte Thriller-Handlung. Auf diese Weise ist eine Rückkehr zur brüllend-komischen Brillanz des ersten Teils zwar von vorneherein so gut wie ausgeschlossen, aber zumindest verhindert das Duo einen weiteren Absturz und führt die zur Trilogie umgedeutete „Hangover“-Reihe so zu einem würdigen Abschluss.

    Zwei Jahre nach den Geschehnissen in „Hangover 2“ ist bei den Mitgliedern des Wolfsrudels langsam wieder Normalität eingekehrt: Zahnarzt Stu (Ed Helms) hat sich sein unfreiwilliges Gesichts-Tattoo entfernen lassen und alle Videoaufnahmen jener verhängnisvollen Nacht in Bangkok sind längst gelöscht. Aber die Ruhe ist trügerisch! Während Troublemaker Leslie Chow (Ken Jeong) in Thailand aus dem Gefängnis ausbricht, köpft Alan (Zach Galifianakis) aus Versehen seine frisch erstandene Giraffe. Damit ist klar: So kann es mit Alan nicht weitergehen! Doch beim Road Trip zu einer privaten psychiatrischen Klinik wird das Wolfsrudel plötzlich von bewaffneten Gangstern mit Schweinemasken von der Straße gedrängt. Hinter der Attacke steckt Drogenbaron Marshall (John Goodman), dem Chow einst Gold im Wert von 21 Millionen Dollar gestohlen hat. Alan, Stu und Phil (Bradley Cooper) bleiben nun genau drei Tage, um  Chow aufzustöbern - ansonsten will Marshall den als Geisel einbehaltenen Doug (Justin Bartha) erschießen…

    Wir haben es schon vor einiger Zeit im Bericht zu unserem Besuch am Set in Las Vegas verraten: In „Hangover 3“ gibt es tatsächlich keinen Hangover! Stattdessen stolpert das Wolfsrudel ohne eigenes Zutun (und ohne von Alan induzierten Drogenrausch) in ein Thriller-Abenteuer, das die Kumpels in James-Bond-Manier erst nach Tijuana und schließlich zurück ins verhasste Las Vegas (Stu: „Wann reißt diesen Ort endlich jemand nieder!“) führt. Dabei gibt es einige gut getimte Action-Szenen (vor allem die auf dem Dach des Caesars Palace), etliche trockenhumorige Kabbeleien und immer wieder herrlich-sinnlose Oneliner von Alan und Chow („Ich liebe Kokain!“). Dieses schnelle Abhaken der Schauplätze lässt zwar der Langeweile kaum eine Chance, aber einen durchgängigen Spannungsbogen gibt es nicht. Was vor fünf Minuten passiert ist, interessiert schon in der nächsten Szene niemanden mehr. War es also die richtige Entscheidung, die übliche Filmriss-Dramaturgie im dritten Teil aufzugeben? Während es darauf natürlich keine eindeutige Antwort gibt, bietet der Abspann (unbedingt sitzenbleiben!) aber zumindest einen Lackmustest: Nach der völlig abgedrehten Mid-Credit-Sequenz stellt sich nämlich jedem Zuschauer unweigerlich die Frage, ob er den hier angerissenen Film (mit dem typischen „Hangover“-Twist) nicht vielleicht lieber gesehen hätte.

    Neben dem dramaturgischen Aufbau ist auch die Rollenverteilung eine andere als in den Vorgänger-Filmen: Nach der geköpften Giraffe und einer lieblich geschmetterten Arie zu Beginn kehrt Zach Galifianakis nicht etwa zu seinem Part als Wolfsrudel-Sidekick zurück, sondern bildet diesmal allein das emotionale Zentrum, während Stu und Phil gar keine Entwicklung mehr durchmachen und so zwischenzeitlich zu bloßen Stichwortgebern in ihrem eigenen Film degradiert werden. Zudem steigt Ken Jeong vom chaosstiftenden Gaststar zum inoffiziellen fünften Mitglied des Wolfsrudels auf. Wer bisher froh darüber war, den Anarcho-Terror von Alan und Chow nur in bekömmlichen Dosen serviert zu bekommen, dürfte daher mit „Hangover 3“ definitiv so seine Probleme bekommen. Für Freunde dunkelschwarzer Pointen liefert das Chaos-Duo hingegen immer wieder fies-derbe Gags, mit denen sie die Grenzen des Mainstream-Humors durchaus selbstbewusst ausloten (auch wenn sich der Giraffenkopf in der Windschutzscheibe inklusive „Final Destination 2“-artiger Massenkarambolage natürlich später nur schwer toppen lässt).

    Todd Phillips hat sich im FILMSTARTS-Interview klar dazu bekannt, dass er erst nach dem zweiten Teil überhaupt auf die Idee gekommen ist, aus der „Hangover“-Reihe nachträglich eine echte Trilogie zu formen. Dementsprechend überrascht es kaum, dass die Rückverweise in „Hangover 3“ nun auch eher beliebig als zwingend geraten sind. Trotzdem ist es zumindest ein nettes Zugeständnis an die Fans, liebgewonnene Figuren noch einmal zurückzubringen. Allerdings sind einige der Wiedersehensfeiern deutlich überzeugender geraten als andere: Während die Stippvisiten von Drogendealer Black Doug (Mike Epps) und Ex-Stripperin Jade (Heather Graham) ohne jeden Gag vergeudet werden, bietet das Aufeinandertreffen zwischen Alan und dem „Hangover“-Baby (das wohl ikonischste Bild der gesamten Reihe!) pures Comedy-Gold - trocken, böse, aber auf eine verquere Weise trotzdem liebenswürdig: So lieben wir „Hangover“!

    Für die herbste Enttäuschung in „Hangover 3“ sorgt ausgerechnet jener prominente Neuzugang, bei dem wir eigentlich sicher davon ausgegangen waren, dass er seine Szenen selbst im Schlaf noch rocken wird. Aber entgegen jeder Wahrscheinlichkeit entpuppt sich Nebenrollen-Gott John Goodman („Argo“, „Flight“) als stinklangweiliger Bösewicht! Allerdings gewähren die Autoren dem „Roseanne“-Star auch nicht den Hauch einer Chance: Seine Figur Marshall ist einzig und allein dafür da, die Handlung voranzutreiben sowie die Querverweise zu den ersten beiden Teil zu erläutern – und das zu allem Überfluss auch noch in furztrockenen Monologen. Ganz anders hingegen der zweite Gaststar: Obwohl die „subtile“ Erotik in ihren Szenen mit Zach Galifianakis schnell groteske Züge annimmt, reichen zwei Blicke von Melissa McCarthy („Brautalarm“, „Taffe Mädels“), um das Knistern zwischen den beiden glaubhaft zu machen. Das ist eine szenenstehlende Leistung, die einmal mehr unterstreicht, dass es an Bald-Superstar McCarthy in den kommenden Jahren im Komödienfach absolut kein Vorbeikommen mehr geben wird.

    Fazit: Ein ordentlicher Abschluss für die Trilogie – „Hangover 3“ ist zwar nicht ansatzweise so innovativ oder abgefahren wie das Original, aber immer kurzweilig und manchmal richtig schön böse.

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