Bei “Noah” von Darren Aronofsky handelt es sich nicht um eine detailtreue Nacherzählung der biblischen Geschichte, sondern vielmehr um ein episch angelegtes Fantasy-Spektakel, das etwas an die Kapitel 6 bis 9 im 1. Buch Mose angelehnt ist. Das bekommt man vor allem in der ersten Hälfte zu spüren, in denen die Fantasy-Aspekte deutlich überwiegen. Die sehr cool designten Wächter (entsprechen vielleicht den Seraphim aus der Bibel), die sich in lässigem 50er Jahre-Stop-Motion-Style bewegen helfen Noah beim Bau seiner Arche. Dann kommen da irgendwelche Räuber daher, die auch mit an Bord wollen, die dabei aufkommenden “Herr der Ringe”-Vibes sind wahrscheinlich beabsichtigt. Dieser erste Teil hat mir tatsächlich sehr gut gefallen und vor allem auch viel mehr als der etwas dröge zweite Teil.
Denn wenn Noah und seine Familie erstmal mit der Arche unterwegs sind, wechselt nicht nur der visuelle Style, sondern auch die Tonart der Erzählung. Draußen ist halt nur (eher schlecht CGI-animiertes) Meer zu sehen, mal stürmisch, mal sanft, in dem Schiff drinnen ist alles einfach nur dunkel, so dass man sowieso kaum etwas erkennt. Erstaunlicherweise ist auch von den Tieren an Bord nicht viel zu sehen, außer hier und da mal ein Vogel. Und auch ist die Geschichte jetzt weniger fantasymäßig, dafür deutlich ernster und finsterer. Noahs Konflikt ob der übrigen (nicht geretteten) Menschen wird allenfalls nur kurz angedeutet, warum er plötzlich so verbittert und böse ist, wird nicht gut hergeleitet, tatsächlich kommt die Wandlung ziemlich plötzlich und kaum nachvollziehbar.
Schauspielerisch ist das alles solide, Russel Crowe spielt den brummeligen Anführer in gewohnt stoischer Manier, Jennifer Connelly hat nur wenig Gelegenheit ihr durchaus vorhandenes Talent zu zeigen, da sie vom Drehbuch überwiegend zur Stichwortgeberin degradiert wird. Emma Watson tritt eigentlich auch erst im letzten Drittel so wirklich in Erscheinung, zeigt aber ein weiteres Mal, dass sie durchaus mehr kann als nur Hermine Granger sein.
FAZIT: Zu Beginn stark visionäres Fantasy-Epos, das leider im zweiten Teil einer langweilig finsteren Szenerie weichen muss. Die CGI-Effekte sind nicht immer überzeugend, schauspielerisch passt das aber im Wesentlichen. Kann man sich auch als Nicht-Bibel-Interessierter durchaus mal anschauen.