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    Gregs Tagebuch 3 - Ich war's nicht
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Gregs Tagebuch 3 - Ich war's nicht
    Von Robert Cherkowski

    Alle erfolgreichen Reihen mit Protagonisten im Kindes- und Jugendalter haben ein Problem gemein: Diese verdammten Kinderdarsteller altern einfach schneller, als die Studios mit den Kinofilmen hinterherkommen. Da gilt es, schnell zu handeln und den Franchise-Euter zu melken, solange er Milch gibt – schließlich ist der Erfolg nur so lang gewährleistet bis erster Bartwuchs, ein übel tönender Stimmbruch oder die „Skandale" pubertärer Identitätsfindung einen jugendlichen Star zum Kassengift machen. So ungefähr war es damals im Falle von „Kevin" Macaulay Culkin. Der Junge reifte während der Dreharbeiten zu „Richie Rich" zum Manne und der Film wurde prompt zum Superflop. Wer keine Schauspieler austauschen will, der muss sich also sputen, die Produzenten der Kinderfilmreihe nach Jeff Kinneys Comic-Romanen um den Jungen Greg bringen daher einen Film pro Jahr heraus. Mit dem dritten Serienteil „Gregs Tagebuch – Ich war's nicht" dürfte der Spaß allerdings auch schon wieder vorbei sein: Greg-Darsteller Zachary Gordon ist mittlerweile schlicht zu „alt" und zu fesch für die Rolle geworden. Außerdem merkt man dem sprunghaften und weitgehend witzlosen Film von Regisseur David Bowers überdeutlich an, mit welch heißer Nadel er gestrickt wurde.

    Die großen Ferien stehen an – und es versteht sich von selbst, dass Greg (Zachary Gordon) seine Freizeit ausgiebig dazu nutzen will, möglichst lang vor der Glotze zu hängen und Videospiele zu zocken, mit seinem vollschlanken Freund Rowley (Robert Capron) abzuhängen sowie der Schulschönheit Holly (Peyton List) näherzukommen. Das Leben könnte so einfach sein – wenn nicht immer etwas dazwischen käme. Diesmal macht Greg nicht sein halbstarker Bruder Rodrick (Devon Bostick) zu schaffen, sondern sein etwas linkischer Vater Frank (Steve Zahn), der sich Sorgen um seinen müßiggängerischen Sohn macht und ihn auf die militärisch organisierte Ganztagsschule „Spag Union" schicken will, wo man einen soldatischen Mann aus ihm machen möge. Um das zu verhindern, gibt sich Greg die größte Mühe, nicht über die Stränge zu schlagen. Leichter gesagt als getan...

    Der episodischen Natur der Vorlage geschuldet wirkten bereits „Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt!" und „Gregs Tagebuch 2: Gibt's Probleme?" wie filmische Comic-Strips, die nur lose von einer übergreifenden Handlung zusammengehalten wurden und die in erster Linie als Bühne für alberne Gags dienten. Ein wenig mehr erzählerische Konzentration hätte es beim dritten Teil dann aber dennoch sein dürfen. „Gregs Tagebuch 3" gleicht einem Kindergeburtstag, bei dem zu viel Cola ausgeschenkt wurde: Kopflos und aufgekratzt wird im Minutentakt von Sommer-Episode zu Sommer-Episode gesprungen, ohne dass auch nur eine davon einem roten Faden folgen würde. Ständig wird der ohnehin holprige Erzählfluss für kleinere „Attraktionen" unterbrochen, die den hastig entworfenen und bestenfalls mäßig lustigen Film in die Länge strecken, ohne inhaltlich etwas beizutragen. So steigt etwa bei Gregs und Rowleys Besuch im Vergnügungspark erst einmal eine scheinbar endlose Achterbahnfahrt, ehe wieder lose Handlungsfetzen aufgegriffen werden.

    Bei der hier vorherrschenden erzählerischen Sprunghaftigkeit ist es kein Wunder, dass auch die Beziehungen zwischen den Figuren nie in die Gänge kommen. Wo im zweiten Teil noch ein gewisses Augenmerk auf das nicht immer ganz harmonische Verhältnis zwischen Greg und Rodrick gelegt wurde, verschwindet der ruppige Bruder hier fast völlig und bekommt lediglich eine Alibi-Nebenhandlung spendiert. Im Vordergrund steht stattdessen dieses Mal die Beziehung zwischen Greg und seinem etwas tölpelhaften Vater, aber auch die bleibt deutlich unterbelichtet. Immerhin ist es dennoch eine der wenigen klaren Stärken des Film, dass der spielfreudige Steve Zahn („Sahara", „Rescue Dawn") hier so viel Leinwandzeit eingeräumt bekommt – er schafft es kraft seines Charismas, der unterentwickelten Figur des Vaters Frank eine gewisse Fallhöhe zu verleihen.

    Weniger überzeugend treten die Jungdarsteller auf und der Versuch, einen zum Teenager gereiften Hauptdarsteller mit mäßigem Comedy-Timing als neunmalkluges Kind auftreten zu lassen geht voll nach hinten los. Auch Robert Capron als Gregs Kumpel Rowley oder Peyton List („27 Dresses") als bewunderte Holly können keine Akzente setzen, das ist aber weniger den Nachwuchsschauspielern anzulasten als Regisseur Sam Bower („Flutsch und weg") sowie dem Drehbuchduo Maya Forbes und Wallace Wolodarsky („Monsters vs. Aliens"), denn in ihrer ungeheuer unfokussierten Erzählung haben Freundschaft und Liebe ohnehin kein Fundament, sie bleiben pure Behauptung. Hier werden große und kleine Konflikte lediglich mechanisch abgehakt und auch das Finale bietet bloß einen letzten lahmen Sketch mehr.

    Fazit: „Gregs Tagebuch – Ich war's nicht" ist ein eilig heruntergekurbeltes Franchise-Produkt ohne jede erzählerische Linie und mit einem Hauptdarsteller, der seiner Rolle bereits entwachsen ist - nur Steve Zahn sorgt für etwas Belebung.

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