((ACHTUNG! Mögliche SPOILER!!))
„Logan“ ist der dritte Wolverine-Solofilm und bricht radikal und extrem konsequent mit dem bunten MARVEL- und X-Men-Comic-Look. Es ist im Grunde gar kein Superheldenfilm, sondern ein Spätwestern, sowohl vom Look her als auch vom Inhalt. Logan ist alt, krank, seine Wunden heilen nur noch langsam, er ist gebrechlich, chronisch depressiv (ja, noch mehr, als er es sonst auch schon ist!) und will eigentlich nur in Ruhe sterben. Er lebt in der Wüste zusammen mit dem ebenfalls alten (er selbst sagt mal, er sei 90) und gebrechlichen Charles Xavier, der offenbar seine Fähigkeiten nicht mehr kontrollieren kann. Um mentale Ausbrüche, die Menschen verletzen oder gar töten, zu verhindern, besorgt Logan ihm ständig irgendwelche Pillen, die er regelmäßig schlucken muss. Zudem hat er irgendeine schlimme Tat begangen, was aber im Film niemals ausformuliert wird, aber offenbar hat er eine große Anzahl an Menschen getötet. Und auch sind alle X-Men oder vielleicht sogar alle Mutanten verschwunden (tot? Durch Xavier?), seit Jahren wurden auch keine Mutanten mehr geboren. Auch das bleibt alles unklar und wird niemals richtig aufgeklärt. Das mag als toller Drehbuch-Kniff gedacht sein, hat mich aber extrem genervt!
Was ist denn mit dem alten Xavier? Was hat er für eine Krankheit? Warum muss er diese Pillen schlucken? Was hat er so Schlimmes getan? Warum heilt Wolverine nur noch so langsam? Wer ist der Albino, der mit ihnen zusammen auf der Farm wohnt? Was soll das alles? Fragen über Fragen, von denen keine wirklich beantwortet wird. Stattdessen gibt es ewig lange Dialoge, sinnloses Gefasel, depressives Gejaule, alle sehen scheiße aus, fühlen sich scheiße und sind mies drauf. Die ganze Atmosphäre des gesamten Films trieft nur so vor Depressivität, Melancholie, Todeswünschen, Düsternis, Zerfall, Tod und Nihilismus. Das ist kaum auszuhalten und hat mir gehörig den Spaß verdorben! Es ist eine Qual, sich das ganze Gejammer über 2 Stunden lang anzuschauen.
Einziger Lichtblick ist die kleine Laura, toll gespielt von Dafne Keen, die ähnliche Fähigkeiten hat wie Wolverine und für die ganz wenigen Highlights im Film sorgt. Wenn sie im Kampf loslegt, dann bleibt kein Auge trocken, da wird gemetzelt und geschlitzt, sie wirbelt wild durch die Luft und ist einfach saucool, so wie man es sich von Wolverine eigentlich wünschen würde. Ihre Beziehung zu Logan wirkt allerdings ziemlich konstruiert und wenig glaubhaft. Logan hasst alle Menschen und will mit niemandem etwas zu tun haben, dann plötzlich entwickelt er vater-ähnliche Gefühle für ein 11-jähriges Mädchen, das kein Wort spricht und nur grimmig schaut und knurrt… Das glaubt doch kein Mensch! Und wenn sie dann am Ende „Daddy“ zu ihm sagt, kommt das so komplett random, dass es fast schon lächerlich ist. Da wird dann nochmal deutlich, dass sie im Drehbuch künstlich hinzugefügt wurde, um Wolverines Tod zumindest ein kleines bisschen (künstliche) Tragik zu verleihen.
FAZIT: Extrem düsterer, nihilistischer Spätwestern, der absolut nichts mit den vorherigen X-Men-Filmen zu tun hat. Die finstere Atmosphäre nervt total, dazu werden zahlreiche Fragen aufgeworfen, die nicht beantwortet werden. Ein halbtoter Patrick Stewart und ein ewig jammernder, latent suizidaler Hugh Jackman zehren gewaltig an der Geduld und Ausdauer der Zuschauer. Dazu kommt eine sehr lässige Dafne Keen, die kann da aber auch nix mehr retten. „Logan“ ist kein Film für den Popcorn-Abend, eher ein Film für Depressive Emos mit passiven Todeswünschen. Aus meiner List ein absoluter Reinfall, ein Anti-X-Men-Film, der wirklich keinen Spaß macht.