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    Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster Urlaub
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster Urlaub
    Von Andreas Staben

    Als die Verantwortlichen bei Sony entschieden haben, den deutschen Start von „Hotel Transsilvanien 3: Ein Monster Urlaub“ auf den 16. Juli 2018 und damit auf den Montag direkt nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu verlegen, da haben sie wie wir alle wahrscheinlich noch gehofft, dass die Mannschaft von Joachim Löw im Finale stehen und es hoffentlich auch gewinnen würde. Angesichts des überraschend frühen Ausscheidens der deutschen Elf wird Teil 3 der Animationsreihe um Drakula und seine Monsterfreunde nun aber eben nicht zur Titel-Party, sondern zum willkommenen Stimmungsaufheller nach dem letzten Schlusspfiff in Moskau: Pünktlich zum Ferienbeginn im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen können sich Jung und Alt mit einer spaßigen Monsterkreuzfahrt in Urlaubslaune bringen. Regisseur Genndy Tartakovsky setzt erfolgreich auf einen Tapetenwechsel und so halten sich die für einen dritten Teil üblichen Ermüdungserscheinungen in Grenzen.

    Der verwitwete Vampir Drakula (Stimme im Original: Adam Sandler / deutsche Stimme: Rick Kavanian) fühlt sich einsam und sucht auf der Monster-Dating-Plattform Zingr vergeblich nach einer Partnerin. Seine Tochter Mavis (Selena Gomez / Janina Uhse) führt seine düstere Stimmung auf den Stress mit dem Betrieb des familieneigenen Monsterhotels zurück und verschafft ihm eine Auszeit: Sie schenkt ihm eine Kreuzfahrt in Begleitung aller seiner Lieben. Und so begeben sich der Graf, seine Tochter, sein Schwiegersohn Johnny (Andy Samberg), sein Enkel Dennis (Asher Blinkoff), Frank (Kevin James), der unsichtbare Mann Griffin (David Spade), die Werwölfe Wayne (Steve Buscemi) und Wanda (Molly Shannon) mit ihrer vielköpfigen Kinderschar sowie viele weitere Monster-Freunde zum Bermuda-Dreieck, wo ein luxuriöses Dampfschiff auf sie wartet. Als Drakula die Kapitänin Ericka (Kathryn Hahn / Anke Engelke) erblickt, macht es sofort „Tsching“ und er verliebt sich in die Menschenfrau. Da ahnt er allerdings noch nicht, dass sie die Urenkelin seines alten Feindes Abraham Van Helsing (Jim Gaffigan) ist…

    Wenn Herbergsbetreiber Drakula sich beim Betreten des Kreuzfahrtschiffs, das optisch ein wenig an die Titanic erinnert, etwas widerwillig darüber beklagt, dass die Legacy auch nichts anderes sei als ein schwimmendes Hotel und den begeisterten Mit-Monstern entgegenbrummelt, dass sie alles, was sie dort machen, auch bei ihm in Transsilvanien tun könnten, dann verweist das nicht nur auf altbekannte Tücken der Urlaubsplanung, sondern auch auf die Situation der Filmemacher. Ihnen gelingt die Balance aus entspannter Unterhaltung mit vertrauten Figuren und aufregender Abwechslung recht gut. Das beginnt beim actiongeladenen Prolog 1897 in Transsilvanien: Auf einer Zugfahrt nach „Budapescht“ wird der olle Monsterjäger Abraham Van Helsing eingeführt, der Drakula und seine mehr schlecht als recht verkleideten Monsterkumpel (köstlich: die Mumie mit Stöckelschuhen) unter den menschlichen Passagieren ausfindig macht, dem Vampir jedoch hoffnungslos unterlegen ist.

    Auch nach dem Wechsel in die Gegenwart setzt Genndy Tartakovsky immer wieder auf visuelle Witze und landet dabei zahlreiche Volltreffer. Von zwei vor der Hochzeit stehenden Stachelmonstern, deren piksender Körperschmuck sich bei all der Aufregung in pfeilartige Geschosse verwandelt, über Fische mit Füßen (und Taucherflossen beim Schwimmen) bis zu einigen genialen Gags mit dem glibbrigen Blobby, der hier wie schon in „Hotel Transsilvanien 2“ erneut so manche Szene stiehlt, gibt es auch dieses Mal wieder eine Menge komischer Details und absurder Einfälle zu bestaunen. Dabei lässt der „Dexters Labor“-Regisseur seiner Lust am Abgefahren-Überdrehten hier sogar noch etwas mehr freien Lauf als in den Teilen zuvor.

    Achtung: Der nächste Absatz enthält Spoiler zum Finale des Films

    Seinen Höhepunkt findet das skurrile Spektakel beim Finale in der versunkenen Stadt Atlantis, das sich als eine Art Las Vegas der Meere entpuppt. Hier versucht der fiese Greis Van Helsing den Monstern mit einer durch Techno-Mucke aufgebrachten Riesenkrake den Garaus zu machen, trifft aber auf musikalischen Widerstand durch den dösigen Gute-Laune-DJ Johnny, der mit „Good Vibrations“ und „Don‘t Worry, Be Happy“ dagegenhält. Schließlich tanzen das Tentakeltier, alle Monster und Menschen zu „Macarena“ und es kommt zur großen Versöhnung über alle Unterschiede hinweg. Hier sind wir genau wie schon beim Vater-Tochter-Konflikt zwischen dem verliebten Drakula und der misstrauischen Mavis dann wieder auf vertrautem Adam-Sandler-Terrain.

    Mit Augenzwinkern und viel Herz geht es in „Ein Monster Urlaub“ einmal mehr um Familie und Liebe. Trotz sympathischer Toleranzbotschaft und einiger origineller Auflockerungen (Stichwort: Knoblauch) ist die zentrale Monster-Menschen-Romanze zwischen dem Fürsten der Finsternis und der Kreuzfahrtschiffskapitänin allerdings auch eines der weniger gelungenen Elemente des Films, der gerade im zweiten Drittel einige Längen aufweist. Die verzückt-verzogenen Grimassen des verliebten Vampirs werden ähnlich überstrapaziert wie die ohnehin arg konstruierten Gewissensbisse der doppelgesichtigen Ericka und die Bedenken der besorgt-eifersüchtigen Tochter. Am besten ist „Hotel Transsilvanien 3“ eben immer dann, wenn der Plot gerade mal (fast) gar keine Rolle spielt. So wie bei der urkomischen Flugreise mit Gremlin Air, wenn Kobold-Bruchpiloten die Monster in ihrer klapprigen Maschine zum Bermudadreieck befördern.

    Fazit: Auch in ihrem dritten Abenteuer sorgen Drakula und seine Monsterfreunde wieder für jede Menge spaßiger Gags. Erzählerisch gibt es allerdings gewisse Verschleißerscheinungen.

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