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    Conjuring 3: Im Bann des Teufels
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Conjuring 3: Im Bann des Teufels

    Aller gruseligen Dinge sind drei

    Von Karin Jirsak
    Das Unheimliche wird im Unbekannten geboren. Es gedeiht in dem, was wir nicht sehen, sondern nur ahnen. Es wächst in der Stille vor dem Klopfen in der Dunkelheit, aus der wir das Grauen herannahen fühlen. Ein bemerkenswertes Verständnis für diese alten Gruselweisheiten bewies James Wan, als er mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ dem Haunted-House-Film neues Leben einhauchte, ohne sich dabei bahnbrechend neuer Mittel zu bedienen. Mit diesem von uns damals zum „gruseligsten Film des Jahres“ gewählten Meisterstück legte der „Saw“-Schöpfer zugleich auch den Grundstein zur lukrativsten Horrorfilmreihe aller Zeiten, schließlich folgten auf den Gruselhit nicht nur direkte Sequels, es entstand stattdessen ein ganzes Conjuring Cinematic Universe.

    Rund um das verfluchte Panoptikum des (real existierenden) Dämonologen-Ehepaares Ed und Lorraine Warren haben inzwischen sieben Filme ihr Publikum gefunden. Keinem ist es bisher gelungen, die Magie des ersten Teils wieder heraufzubeschwören – auch nicht dem einzigen von Wan selbst inszenierten und durchaus gelungenen „Conjuring 2“. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nun ausgerechnet dem Wan-Ersatz Michael Chaves mit „Conjuring 3 – Im Bann des Teufels“ gelingen würde, war also von Beginn an nicht sonderlich hoch. Mit „Lloronas Fluch“ hat der Jungregisseur bereits an den „Conjuring“-Kosmos angedockt und damit James Wan offenbar so sehr überzeugt, dass er nun sein Erbe fortführen oder, wie Dämonenzungen zischeln würden, seinen alten Hut auftragen darf…

    Die Warrens werden imer das Herz und die Seele von "Conjuring" bleiben - aber so richtig viel Neues gibt es über as Ehepaar diesmal leider nicht zu erzählen...


    Ein neuer Fall für die paranormalen Ermittler Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga): Beim Exorzismus des kleinen David (Julian Hilliard) geht etwas schief – der Dämon springt auf einen anderen menschlichen Wirt über. Ein Ereignis mit schwerwiegenden Folgen: Als ein Verbrechen geschieht, müssen Ed und Lorraine dem Gericht beweisen, dass die Tat nur aufrgund der Beteiligung des übernatürlichen Bösen geschah, während sie gleichzeitig den Dämon aufhalten und so weitere Leben vor der Auslöschung zu bewahren versuchen. Der Auftrag wird nicht einfacher, als der hellsichtigen Lorraine klar wird, dass auch ihr geliebter Ed diesmal selbst in unmittelbarer Gefahr schwebt…

    Spiegel, Schatten, das Gesicht der wunderbaren Lili Taylor, wenn sie in „Conjuring“ die Augenbinde abnimmt und an ihrem Verstand zweifelt – es sind die Reflexionen dessen, „was da ist“, die wirklich Angst machen, nicht das Böse in konkreter Gestalt. Echtes Grauen entsteht im Kopf des Rezipienten, nicht auf der Leinwand, daher ist es so wichtig, der menschlichen Fantasie Raum zu geben, damit es sich entfalten kann. Jemand wie James Wan hat dieses Wissen vollkommen verinnerlicht – so und mit einem exakten Gespür für die Verortung seiner Mittel in Raum und Zeit schuf er 2013 mit „Conjuring“ einen Instant-Klassiker des Haunted-House-Genres. Dank seiner der Realität entsprungenen Helden Ed und Lorraine Warren war das Exorzismus-Thema in Teil 1 bereits präsent, wenn auch nicht so dominant wie nun in „Conjuring 3“. Mit dieser Fokussierung ist sicherlich auch ein gewisses Risiko verbunden, schließlich wurde die Teufelsaustreibung im Kino ja schon 1000-fach in allen Qualitätsstufen beackert. Aber das gilt auch für das Spukhaus-Motiv – und das hat „Conjuring“ schließlich auch nicht geschadet.

    Die Warrens vor Gericht


    „Conjuring 3“ mit dem abgestandenen deutschen Untertitel „Im Bann des Teufels“ erzählt nun also von einem Warren-Fall aus dem Jahr 1981, zu dem auch tatsächliche Gerichtsakten existieren: Ein junger Mann namens Arne (Ruairi O'Connor) wird des Mordes angeklagt und muss mithilfe der Warrens vor Gericht darlegen, dass er unter Einfluss eines Dämons gehandelt hat, um der Todesstrafe zu entgehen. Dazu muss allerdings zunächst mal bewiesen werden, dass das Paranormale überhaupt existiert, was dank Lorraines allzeit abrufbarer Fähigkeiten allerdings kein großes Problem darstellt. Wer also eine prickelnde Verhandlung von Realitätsebenen à la „Der Exorzismus von Emily Rose“ erwartet, ist auf der falschen Fährte. Hier steht ganz klar die Geister-und-Dämonen-Action im Vordergrund – und die spielt sich außerhalb des Gerichtssaals ab, den wir tatsächlich kaum von innen zu sehen bekommen.

    Mal begleiten wir die Warrens bei ihren dämonologischen Ermittlungen, mal den jungen Besessenen, der mit seinem Besatzer ringt. Gerade der Kampf mit dem Dämon ist verglichen mit dem, was es in den vergangenen Jahrzehnten im Kino so alles in diesem Feld zu sehen gab, allerdings weder besonders noch besonders gut. Die eingesetzten Effekte (verdrehte Glieder, Schaum vor dem Mund, fluoreszierende Kontaktlinsen...) schaffen es in ihrer Vertrautheit nicht mehr wirklich, das Publikum zu schockieren – und das gilt auch für die restlichen Grusel-Taktiken. Einige hübsche Einfälle – etwa eine scheinbar von Geisterhand aus dem Regal gezogene Schachtel mit bunten Frühstücksflocken, die sich auf dem Küchenboden verteilen und einen überraschenden Gast offenbaren – machen schon Spaß, dringen aber nie bis zum Mandelkern vor, um den Alarm wirklich zum Schrillen zu bringen.

    Ein Leinwand-Exorzismus, wie man ihn fast genauso schon zu oft im Kino gesehen hat...


    Das größte Problem liegt aber nicht auf der paranormalen, sondern auf der menschlichen Seite: Den gepeinigten Dämonenopfern gelingt es diesmal einfach nicht, uns an ihrem Schicksal emotional Anteil nehmen zu lassen, was auch an den Darstellern liegt. Ruairi O'Connor („The Spanish Princess“) und Sarah Catherine Hook sind nett anzusehen und spielen okay, aber Lili Taylor und Ron Livingston, die in Teil 1 das heimgesuchte Paar gegeben haben, sind eben doch noch mal ein ganz anderes Kaliber in Sachen Charisma und Klasse. Ein Format von Schauspieler, das es auch hier gebraucht hätte, um die Story näher an den Rezipienten heranzuholen.

    Was bleibt, sind die Warrens. Regisseur Michael Caves und seinem Co-Autor James Wan (der übrigens nicht selbst den ersten Teil geschrieben hat) war offenbar bewusst, dass es nur diese beiden schillernden Erscheinungen sind, die ihre Story vom sonstigen Exorzisten-Einheitsbrei abheben. Wohl auch deshalb haben sie die private Seite der Dämonologen (wieder) deutlich stärker in den Fokus gerückt. An sich ein super Ansatz, denn wer wollte nicht mehr darüber wissen, wie sich die Dämonenjagd mit dem Alltag als Ehepaar verbinden lässt? Die Erste-Sahne-Gelegenheit, in dieser Hinsicht mit gewitzten Offenbarungen aufzutrumpfen, lässt das Drehbuch allerdings verstreichen und serviert stattdessen eine Kennlernstory von der Stange, die, so viel sei verraten, aber auch gar nichts mit Geistern und Dämonen zu tun hat. Seltsam und schade auch, dass Warren-Tochter Judy (Sterling Jerins) so gut wie gar keine Rolle mehr spielt – wir erinnern uns, wie zentral ihre Existenz in Teil 1 noch für den Work-Life-Konflikt von insbesondere Lorraine war.

    Was erwartet man sich von einer Trilogie?


    All diese kleinen Versäumnisse gewinnen an Schwere, rufen wir uns die magische Zahl 3 vor Augen, die ja auch in den Filmen nicht ohne Bedeutung ist. Inzwischen zu einer Trilogie herangewachsen, hätte sich der dritte Teil mit dem „Conjuring“-Titel aufgedrängt, um (gern auch selbstironische) Rückverweise zu streuen, Querverbindungen zwischen den bisherigen Fällen zu erhellen und den Erzählkosmos damit zu verdichten und abzurunden. Möglichkeiten, von denen kein oder nur sehr oberflächlich Gebrauch gemacht wird. Am Ende bleibt also die Frage: Wird es eine vierte Heimsuchung geben? „Wahre“ Geschichten“, so deutete Chavez jedenfalls schon an, gibt es über die Warrens jedenfalls noch genug zu erzählen…

    Fazit: Der Bann ist gebrochen – Teil 3 der „Conjuring“-Reihe ist solide Grusel-Unterhaltung, mehr aber auch nicht. Michael Chaves tut zwar gut daran, sich in Anbetracht der ansonsten ziemlich beliebigen Exorzismus-Story ganz auf seine beiden Protagonisten zu konzentrieren – aber die eigentlich spannenden Fragen über Ed und Lorraine Warren stellt er dabei nicht mal.

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