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    211 - Cops Under Fire
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    211 - Cops Under Fire
    Von Asokan Nirmalarajah

    Nicolas Cage gilt schon seit einiger Zeit als notorischer Vielfilmer. Auch 2018 wird er in insgesamt sechs verschiedenen Rollen zu sehen sein. Der nächstliegende Grund für diese Hyper-Aktivität: Der oscarprämierte Schauspieler (für „Leaving Las Vegas“) mit der prominenten Stirn und dem einnehmenden Hang zum enthusiastischen overacting braucht das Geld. Schon vor Jahren ist er durch seinen verschwenderischen Lebenswandel in finanzielle Schwierigkeiten geraten, nachdem er seltene Comics, Elvis-Andenken, edle Autos und Yachten, einen Dinosaurierschädel, zwei Schlösser, eine Insel und andere Luxusanwesen gekauft hatte und zugleich Millionen Dollar Steuern schuldig geblieben war.

    Inzwischen hat der exzentrische Schauspieler große Teile seines Besitzes aufgeben oder verkaufen müssen und nimmt offenbar jeden Job an, den er kriegen kann. Nur so ist zu erklären, dass er in York Alec Shackletons amateurhaftem „211“ sein Gesicht in die Kamera hält. Der chaotisch zusammengeschusterte Polizei-Thriller gehört zu jenen Produktionen, die ohne den großen Namen ihres Stars in Geldnöten keinerlei Interesse hervorrufen würden. Es bleibt nur die Hoffnung auf einen von Cages berühmt-berüchtigten schauspielerischen Parforce-Ritten, doch selbst die wird wie zuletzt schon in „The Humanity Bureau“ oder „Vengeance - Pfad der Vergeltung“ enttäuscht. Statt verrückt-genialische Gaga-Einlagen zu liefern, spielt Cage hier nur teilnahmslos seinen Stiefel herunter.

    Nicolas Cage verkörpert Mike Chandler, einen dieser kurz vor dem Ruhestand stehenden, desillusionierten Polizisten, deren letzter Einsatz ihr Leben verändern wird. Eigentlich soll es ein ruhiger Tag werden für den vereinsamten Witwer, der von seiner Tochter Sarah (Amanda Cerny) so entfremdet ist, dass er die frohe Kunde über ihre erste Schwangerschaft nur aus zweiter Hand erfährt – von seinem Partner Steve (Dwayne Cameron), der zufälligerweise auch sein Schwiegersohn ist. Doch bevor Mike die Nachricht verarbeiten kann, sitzt der afroamerikanische Junge Kenny (Michael Rainey, jr.) auf dem Rücksitz, der als Schulstrafe für eine Gewalttat gegen einen Mitschüler einen Tag mit auf Streife fahren soll. Die Spannungen im Polizeiauto werden zur Nebensache, als die Cops ein „211“ erreicht – das ist der Polizeicode für einen Raubüberfall. Fünf schwer bewaffnete Militärschützen wollen sich in einer Bank das holen, was ihnen ihrer Meinung nach für ihren unterbezahlten Nahosteinsatz zusteht. Mike stellt sich ihnen mutig in den Weg…

    York Shackletons spannungsfreie, kuriose Mischung aus lakonischem Polizeidrama und effekthascherischen Kriegsfilm auf den Straßen einer US-Kleinstadt basiert angeblich auf wahren Begebenheiten, die sich 1997 in Los Angeles ereigneten, als sich gewöhnliche Streifenpolizisten einer militärisch ausgebildeten Räuberbande entgegenstellten. Ehe es zu der Konfrontation kommt, die sich schließlich in einem Schusswechsel entlädt, nimmt die langatmige, dialoglastige Vorbereitung mit der Einführung der Figuren von insgesamt 87 Minuten Laufzeit ganze 40 Minuten ein. Trotzdem erfahren wir in dieser Zeit nicht viel über unsere Protagonisten. Stattdessen wird alles, was die Charaktere tun, denken oder fühlen in gruselig ungelenken Dialogen überdeutlich ausbuchstabiert.

    Schon die Holzhammer-Dialoge lassen kaum etwas anderes zu als schablonenhafte Figuren und die Schauspieler setzen noch einen drauf, indem sie jedes Wort mit so viel Betonung aussprechen, dass auch das letzte Krümelchen Glaubhaftigkeit verloren geht. So wird dann auch überhaupt nicht klar, warum wir so viel Zeit mit Nebenfiguren wie Mikes jungem Partner Steve, Kennys Krankenschwester-Mutter oder einer besonders eifrigen Interpol-Agentin auf der Fährte der kriminellen Bankräuber verbringen müssen. Auch ein wenig Action und der bleihaltige 08/15-Showdown schaffen da keine Abhilfe, dafür sind auch sie zu konfus geraten.

    Bei dieser absolut beliebig wirkenden Mischung aus zugleich bedeutungsschwangeren und belanglosen Szenen bleibt auch das inhaltliche Potenzial vollständig auf der Strecke, obwohl hier vom Krieg als Spielfeld für skrupellose Konzerne und Geschäftemacher bis zum Rassismus bei der Polizei allerlei heiße Eisen angefasst werden. Doch es bleibt bei reiner Phrasendrescherei und auch Nicolas Cage bietet da weder Abhilfe noch Ablenkung, denn von ihm ist enttäuschend wenig zu sehen. Vielleicht lag es daran, dass er sich beim Dreh in Bulgarien (das hier für Amerika und Afghanistan einstehen muss) einen Knöchel brach und ausfiel, sodass der Regisseur kurzerhand mehr Szenen mit dem Rest der Besetzung drehen musste. Und wenn der Star auftaucht, versteckt er sich hinter einer Sonnenbrille, hinter dem Steuer seines Autos oder seinen Nebendarstellern. Sein offensichtliches Desinteresse an allem, was um ihn herum passiert, ist manchmal grotesk komisch.

    Fazit: York Shackletons langweiliger Polizei-Actioner „211“ ist ein weiterer profilloser Rohrkrepierer in der ausufernden Filmografie von Hauptdarsteller Nicolas Cage, der sich mit leerer Miene durch das Geschehen quält.

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