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    100% Wolf
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    100% Wolf

    Der erste Werwolf-Pudel der Welt

    Von Helena Sattler
    Der junge Wolf Freddy (deutsche Stimme: Patrick Baehr) hat einen großen Traum: Er will der mächtigste aller Werwölfe werden, genauso wie sein Vater, Anführer des Lupin-Rudels. Schon als Dreikäsehoch begleitet er deshalb die erwachsenen Wölfe, wenn diese mal wieder Menschen aus brennenden Häusern retten oder aus gecrashten Autos befreien. Eine knifflige Aufgabe, da niemand die Werwölfe im Einsatz sehen darf – denn was der Mensch nicht versteht, das vernichtet er.

    So kommt es auch, dass Freddys Werwolf-Papa eines Nachts von dem einsamen Eisverkäufer Foxwell Cripp (Kurt Krömer) von einem Felsen gestoßen wird, wobei er den bedeutsamen Mondsteinring verliert. Sechs Jahre später darf Freddy an seinem 13. Geburtstag endlich in die Tatzen seines Vaters treten. Aber dann verwandelt er sich nicht wie erwartet in einen Werwolf, sondern in einen Hund – und zwar ausgerechnet in einen niedlichen weißen Pudel! Freddy bleibt nur ein Tag Zeit, um den Mondsteinring wiederzufinden und so den Fluch zu brechen…

    Damit hat Freddy nicht gerechnet: Nach seiner ersten Verwandlung ist er plötzlich ein niedlicher Pudel statt eines schrecklichen Werwolfs...


    Im neuen Film von „Die Biene Maja – Der Kinofilm“-Regisseur Alexs Stadermann geht es direkt mit Karacho los. Dabei lockt einen der Film zunächst mal auf eine völlig falsche Fährte: Beim Auftakt dominieren schnelle Bilder, Musikeinlagen und eine Art Nacherzählung von „Der König der Löwen“, wenn der Vater wie Mufasa in die Tiefe stürzt und sich Freddy daraufhin wie einst Simba ebenfalls neue Freunde außerhalb des goldenen royalen Käfigs suchen muss. Aber was in den ersten Minuten wie eine actionreiche Werwolf-Erzählung anmutet, entwickelt sich bald zu einer ebenso witzigen wie schlauen Geschichte mit treffenden Parallelen zur menschlichen Gesellschaft.

    Der eigentliche Clou des Films beginnt nämlich, sobald die verhassten Hunde ins Spiel kommen. Wofür Werwölfe und Hunde auch stehen mögen: „100% Wolf“ erzählt die Geschichte von zwei Gruppen, die eigentlich nichts voneinander wissen, aber trotzdem nur schlechte Vorurteile gegeneinander hegen. Wie soll da ein Wesen, halb Hund, halb Wolf, in diese Welt hineinpassen? Der Film schafft es, Kindern auch in dieser Fantasiewelt wichtige Thematiken näherzubringen und sie zum Miteinander zu ermutigen.

    Starke Story, solide Technik


    Aber auch ohne die pädagogischen Pluspunkte überzeugt die australischen Produktion, die auf dem gleichnamigen Buch von Jayne Lyons basiert, als ebenso spannendes wie kurzweiliges Familien-Abenteuer. Freddys Erlebnisse in der Hundewelt sind lustig, aufregend und nicht zu vorhersehbar. Trotz Gute-Laune-Feeling fiebert man bei der Handlung mit und entwickelt nebenbei ein Gespür für die Ungerechtigkeiten in der fantastischen wie in der realen Welt. Dass die Tiere mit menschlichen Attributen ausgestattet werden, um den einen oder anderen Lacher abzusahnen, kennt man aus dem Genre zur Genüge, ist hier aber tatsächlich ziemlich amüsant. Die Bilder sehen unterdessen mitunter zu sehr nach Plastik aus, animationstechnisch fehlt es „100% Wolf“ insgesamt an einer eigenen Note.

    Aber zurück zu den Charakteren: Da gibt es zum Beispiel einen Psychologie-Hund, der seine Kumpanen zu Anti-Stress-Mantras bewegen will, oder eine winzige Hündin (Alina Freund), die das Wort „klein” nicht mehr hören kann. Besonders nennenswert ist der von Kurt Krömer grandios (!) gesprochene Eisverkäufer, der zeigt: Bösewichte können auch gute Absichten haben. Ein schöner, moderner Ansatz, wenngleich der Film an anderen Stellen in alte Muster verfällt. So sind die großen, starken Werwölfe männlich, es gibt die dicke Oma auf dem Motorrad und der größte Traum der einzigen zentralen Frau in der Geschichte ist es… Perücken herzustellen. Na klar, denn jede Frau liebt Beauty und alle Teenager sind handysüchtig. Hier hätte sich der Film weniger an Klischees orientieren können und auch bei der Jugendsprache checken sollen, ob die Zielgruppe tatsächlich so spricht (sagt man checken überhaupt noch?).

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    Punktgenau und zeitlos ist hingegen die Moral, dass es egal ist, wie man aussieht - sei es klein, groß, sportlich, schmächtig, mit pinken oder ungefärbten Haaren. Ein gutes Herz und die Fähigkeit, offen für Neues zu sein - das ist am Ende doch des Pudels Kern…

    Fazit: Spannende und humorvolle Geschichte, die sich auch durch ihre treffende Moral für Groß und Klein... oder lieber: Alt und Jung als tierischer Spaß erweist. Und wer danach noch immer nicht genug hat: „100% Wolf“ soll nach dem Kino-Abenteuer auch noch als TV-Serie fortgeführt werden.

     



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