Der wahre Star ist immer noch das Faultier!
Von Julius VietzenMit einem weltweiten Kino-Einspielergebnis von mehr als einer Milliarde Dollar gehört „Zoomania“ zu den größeren Disney-Animationsfilm-Hits der jüngeren Vergangenheit. Dass es nun trotzdem stolze neun Jahre gedauert hat, bis mit „Zoomania 2“ ein Sequel in die Kinos kommt, ist wohl einerseits der Tatsache geschuldet, dass es zwischendurch noch die Spin-Off-Serie „Zoomania+“ auf Disney+ gab – und andererseits dem Umstand, dass Animationsfilme dieser Budgetklasse (bei Teil 1 waren es damals kolportierte 150 Millionen) einfach ihre Zeit brauchen.
Macht aber nichts, denn in der Welt von „Zoomania 2“ ist seit den Ereignissen von Teil 1 erst eine Woche verstrichen und auch inhaltlich, thematisch und vor allem qualitativ knüpft die Fortsetzung direkt an das Original von 2016 an: Der Film bietet eine Reihe turbulenter, äußerst abwechslungsreicher Verfolgungsjagden, eine ungeheure Gag-Dichte sowie erneut einige pointierte Botschaften über ein verträgliches Miteinander und die Unterschiede, die uns ausmachen.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Zwar haben Häsin Judy Hopps (Stimme im Original: Ginnifer Goodwin / deutsche Stimme: Josefine Preuß) und ihr Fuchs-Partner Nick Wilde (Jason Bateman / Florian Halm) in „Zoomania“ eine Verschwörung aufgedeckt und die Tier-Metropole gerettet. Doch das bedeutet nicht, dass sie bei der Zoomania-Polizei nun tun und lassen können, was sie wollen. So sollen sie bei einer Operation am Hafen eigentlich nur den erfahreneren Kolleginnen und Kollegen zuschauen und von ihnen lernen. Doch natürlich haben Judy und Nick sich schon auf eigene Faust zum Hafen aufgemacht, um dort undercover zu ermitteln.
Eine wilde Verfolgungsjagd durch die Stadt und eine Reihe von Unfällen später werden die beiden von Polizeichef Bogo (Originalstimme: Idris Elba) auf die Ersatzbank befördert, doch Judy lässt eine Sache keine Ruhe: Bei der schief gelaufenen Hafen-Operation hat sie ein Stück Schlangenhaut gefunden. Dabei wurden alle Reptilien doch eigentlich vor langer Zeit aus Zoomania verbannt. Hat die ganze Sache womöglich etwas mit einer Ausstellung der Luchs-Familie zu tun, die Zoomania einst gegründet und die Wettermauern gebaut hat, die die verschiedenen Klimazonen der Stadt ermöglichen?
„Zoomania“ hat, wie einleitend erwähnt, schon neun Jahre auf dem Buckel, doch das haken die Verantwortlichen hinter „Zoomania 2“ mit einer kurzen Montage ab, in der das Ende des ersten Teils nochmal kurz zusammengefasst und mit ein paar neuen Szenen ergänzt wird. Anschließend drücken die Regisseure Byron Howard (der zusammen mit Rich Moore schon Teil 1 verantwortet hat) und Jared Bush (der auch das Drehbuch zu Teil 2 verfasst hat) so richtig aufs Gaspedal und lassen dem Publikum kaum einen Moment zum Atmen:
Nach der Auto-Verfolgungsjagd durch Zoomania geht es direkt weiter zu einer Infiltration der erwähnten Ausstellung, bei der die für die Handlung äußerst wichtige Schlange Gary De'Snake (Ke Huy Quan / Rick Kavanian) erstmals auftritt und für Panik sorgt, weswegen haufenweise Kronleuchter von der Decke krachen. Anschließend schlittern Judy und Nick einen verschneiten Abhang hinab, wobei sie ein Gemälde (!) als Snowboard zweckentfremden, bevor sie der nächste Hinweis auf den bisher noch nicht gesehenen Marsh Market führt, wo sich wasserliebende Säugetiere wie Seelöwen, Walrosse und Delfine tummeln (und es direkt die nächste wilde Hatz gibt).
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Doch nicht nur ist das Tempo vor allem in der ersten Stunde von „Zoomania 2“ wahnsinnig hoch, Jared Bush und Byron Howard streuen auch derartig viele Gags ein, dass man beim ersten Durchgang kaum eine Chance hat, alle davon wahrzunehmen. Noch dazu ist die Trefferquote ziemlich beachtlich – egal, ob etwa ein Stachelschwein verwendet wird, um eine Straßensperre zu errichten, eine Reihe von Gnus mit ihren Zungen an einer Eissäule festkleben oder Nick und Judy bei der Partnertherapie auf andere skurrile Tier-Cop-Duos treffen, darunter eine Maus und einen Elefanten.
Mal ganz zu schweigen von den auch dieses Mal wieder zahlreich vertretenen Popkultur-Anspielungen und Filmzitaten, von den auch schon bei Teil 1 gesehenen abgewandelten Filmtiteln („Wrangled“ statt „Tangled“, also „Rapunzel – Neu verföhnt“) bis hin zu einem ausführlichen (aber natürlich familienfreundlichen) Bildzitat ausgerechnet aus Stanley Kubricks Horror-Meisterwerk „Shining“. Und natürlich darf auch Faultier Flash nicht fehlen, der schon bei Teil 1 den besten Gag des Films lieferte und auch hier wieder für einen grandiosen Lacher sorgt, wenn er den Hauptfiguren an entscheidender Stelle aus der Patsche hilft.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Neben der temporeichen Action und der hohen Humor-Schlagzahl kommt in „Zoomania 2“ jedoch auch der thematische Unterbau nicht zu kurz. War Teil 1 noch eine große Parabel über Rassismus und Vorurteile, geht Teil 2 mit der fast komplett aus den Geschichtsbüchern getilgten Reptilien-Population von Zoomania sogar noch einen Schritt weiter. Und das große, den Film bestimmende Thema von den (wichtigen!) Unterschieden zwischen den verschiedenen Tierarten wird auch im Kleinen in der (Arbeits-)Beziehung zwischen Nick und Judy durchgespielt, in die sich wie in zahlreichen Polizei-Serien langsam ein romantischer Unterton einschleicht.
Wie schon der erste „Zoomania“ mit seiner Yoga-Nudisten-Oase richtet sich auch „Zoomania 2“ mit dem „Shining“-Zitat, der „Will they, won't they“-Beziehung zwischen Nick und Judy und anderen aus dem Cop-Genre entlehnten Elementen nicht nur an Kinder, sondern auch an die Erwachsenen im Publikum. Dazu passt auch, dass der für sich genommen sehr gelungene Spannungshöhepunkt des Films mit seinen düsteren Bildern und den beiden Hauptfiguren in höchster Gefahr für die ganz Kleinen im Publikum fast schon etwas zu intensiv geraten ist – auch wenn die Szene natürlich schnell aufgelöst wird.
Fazit: „Zoomania 2“ ist eine wilde Jagd durch alte und neue Gebiete der Tier-Metropole, bei der neben temporeicher Action und vielen gelungenen Gags aber auch eine wichtige Moral vermittelt wird. Und der wahre Star ist natürlich immer noch Faultier Flash.