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    The Devil’s Light
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    The Devil’s Light

    Für mehr Gleichberechtigung bei der Teufelsaustreibung

    Von Markus Tschiedert
    Willkommen in der Horrorwelt der Katholischen Kirche, die auf der Leinwand (und an den Kassen) auch deshalb so gut funktioniert, weil die Gläubigen neben dem lieben Gott eben auch am Teufel festhalten. Und der muss Besessenen ausgetrieben werden, was im Kino seit William Friedkins „Der Exorzist“ (1973) als Schocktherapie fürs Publikum längst Tradition geworden ist. In den vergangenen 20 Jahren kämpften so etwa Heath Ledger („Sin Eater - Die Seele des Bösen“), Tom Wilkinson („Der Exorzismus der Emily Rose“) oder Anthony Hopkins („The Rite - Das Ritual“) im Priestergewand gegen Dämonen aus der Hölle. Alles Männer – und das hat einen Grund: In der Katholischen Kirche gibt es nämlich nur Exorzisten, keine Exorzistinnen. Genauso wenig duldet der Vatikan Frauen in höheren Ämtern.

    Mit dieser Ausgangssituation beginnt nun der neueste Vertreter des Exorzismus-Thrillers aus den USA: „The Devil‘s Light“ von Daniel Stamm, einem deutschen Regisseur, der sich gleich nach seinem Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg nach Hollywood absetzte, wo er sich 2010 mit „Der letzte Exorzismus“ schon einmal diesem Thema stellte. Diesmal also aus weiblicher Perspektive, so scheint es zumindest, wenn gleich zu Beginn etwas Kirchenkritik in Sachen Gleichberechtigung betrieben wird. Doch dann weicht die leise Anklage doch schnell dem üblichen Genre-Regelwerk, das man seit „Der Exorzist“ und damit seit fast 50 Jahren zur Genüge kennt.

    Ob ein besessenes Mädchen, das an die Decke krabbelt und seine Gliedmaßen verrenkt …


    In einer speziellen Schule für Priester, die im Exorzismus unterrichtet werden, arbeitet Ann (Jacqueline Byers) als Krankenschwester. Viel lieber würde sie aber selbst zu Kruzifix und Bibel greifen, um den hier zur Beobachtung liegenden Besessenen mit humaneren Mitteln das Böse auszutreiben. Besonders die zehnjährige Natalie (Posy Taylor) umsorgt sie mütterlich. Bei einem Exorzismus-Experiment ist es schließlich Ann, die unerlaubterweise eingreift und die Kleine im letzten Moment mit gutem Zureden rettet.

    Vater Quinn (Colin Salmon) beschließt daraufhin, ihr als Frau zumindest Zugang zu den Vorlesungen zu gewähren. Er ahnt jedoch nicht, dass Ann viel tiefer in den „Fall Natalie“ verwickelt ist, als es den Anschein macht. Hinzu kommt, dass sie als Kind ihrer eigenen Mutter ausgesetzt war, die glaubte, von einem Dämon besessen zu sein und sich deshalb sogar das Leben nahm. Seitdem wird Ann von (womöglich nicht ganz unberechtigten) Schuldgefühlen geplagt…

    Teufelsaustreibung bleibt Männersache


    Schon früh wird der Protagonistin erklärt, worin ihre Aufgaben bestehen: Helfen, beten und Barmherzigkeit zeigen. Männliche Geistliche werden indes als die Soldaten Gottes gewürdigt, wenn sie sich als Exorzisten bewährt haben. Einzig ihnen ist es somit gestattet, in den Schlund zur Hölle zu blicken. Gleich mehrmals versucht Daniel Stamm („13 Sins“), die mittlerweile selbst in der Katholischen Kirche heißdiskutierte Frage nach Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Mittelpunkt zu rücken. Da geht es um weibliche Intuition, wenn die Hauptdarstellerin erklärt, dass man bei einem Exorzismus nicht nur die Dämonen sehen sollte, sondern auch die Besessene, die meist von Schuld, Scham und Sühne getrieben ein willkommenes Opfer für Luzifer sind. Dann wird auch noch mit ständigen Flashbacks in die Vergangenheit ihr eigenes Versagen reflektiert, das zu Ängsten und Alpträumen geführt hat. Ann ist prädestiniert, selbst von Dämonen verfolgt zu werden.

    Genau darauf läuft es erzählerisch schließlich nicht ganz unerwartet hinaus, womit dann auch in „The Devil‘s Light“ wieder all die bewährten Gruseleffekte des Genres bemüht werden: In den harmloseren Szenen sind es nur flüsternde Stimmen, vorbeihuschende Schattenwesen und flackerndes Licht, um uns wohlig schauernd die Gänsehaut fühlen zu lassen. Aber sobald eine Austreibung ansteht, müssen natürlich die richtig Schockmomente her: Besessene, die an Wänden hochklettern, ihre Augen verdrehen oder unter knochenknackenden Geräuschen widerliche Verrenkungen vollführen. Würmer, die aus offenen Wunden krabbeln, Bäuche, die sich fast zum Platzen aufblähen. Nur die grüne Galle, die Linda Blair einst in „Der Exorzist“ spuken musste, bleibt uns diesmal erspart.

    … oder Würmer, die aus den blutigen Stigmata krabbeln: „The Devil’s Light“ nutzt die (allzu bekannte) Klaviatur des Exorzismus-Genres.


    Mit den Möglichkeiten heutiger Computer-Animationen sind solche Horrorszenarien kein Teufelswerk mehr und haben daher auch viel von ihrem Schrecken verloren. Zumal Exorzismus-Filme inflationär geworden sind. Alle, die mit dem fast 50 Jahre alten Klassiker „Der Exorzist“ aufgewachsen sind, können darüber wohl nur noch müde lächeln. (Nur) Wer hier im Kino zum ersten Mal mit dem Thema Exorzismus konfrontiert wird, könnte sich bei „The Devil’s Light“ aber durchaus noch vor Angst in die Hosen machen…

    Fazit: Das wirklich Gruselige ist hier einmal mehr der niedrige Stellenwert von Frauen in der Katholischen Kirche. Ansätze, daraus mehr zu machen, sind zwar vorhanden, letztlich verliert sich Regisseur Daniel Stamm dann aber doch in den üblichen Standard-Schocks teufelsaustreibender Horrorfilme.

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