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    Paw Patrol: Der Kinofilm
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Paw Patrol: Der Kinofilm

    Wenn Hundewelpen Tom Cruise Konkurrenz machen

    Von Nikolas Masin
    Die Avengers und Ethan Hunt aus den „Mission: Impossible“-Filmen sollten sich besser warm anziehen, denn die knuffigen Vierbeiner der Paw Patrol mischen in ihrem ersten richtigen Leinwandabenteuer (die bisherigen Kinofilme waren in Wahrheit nur zusammengeschnittene TV-Folgen) nämlich ordentlich das Action-Kino auf. Für die jungen Fans der mittlerweile acht Staffeln umfassenden Nickelodeon-Familienserie ist das vielleicht keine Überraschung – schließlich hat die Pfoten-Patrouille dort bereits eine Luftschlacht mit Drohnen gewonnen, einen brennenden Zug bei voller Fahrt angehalten, Drachen und Aliens aus dem Schlamassel geholfen. Aber die Dimension von Cal Brunkers „Paw Patrol - Der Kinofilm“ ist nun trotzdem noch mal eine ganz andere: Denn je höher die Häuser, desto schöner lassen sie sich einreißen – und eine völlig generalüberholte Optik lässt das nun bis auf Anschlag hochgedrehte Krachbumm auch noch super aussehen.

    Die Paw Patrol – bestehend aus dem 10-jährigen Jungen und Anführer Ryder sowie den sechs Hunden Chase, Marshall, Skye, Rocky, Zuma und Rubble – ist in der Abenteuerbucht immer auf Achse. Mutig stellen sich die Rettungskräfte mit ihren vielfältigen Fahrzeugen und Gadget-Anzügen jeder Herausforderung. Doch als ihr größter Widersacher Besserwisser in der naheliegenden Abenteuerstadt zum Bürgermeister gewählt wird und diese zu Grunde zu richten droht, muss das Team seinen Stützpunkt in die Metropole verlegen. Hilfe bei den durch Besserwissers Dusseligkeit verursachten heiklen Situationen bekommen die felligen Freunde unter anderem von der stadtaffinen Dachshündin Liberty…

    Die Paw Patrol legt sich für ihren Einsatz in der großen Stadt auch neue Outfits zu.


    Die Entscheidung, einen Ortswechsel zu vollziehen und die eingespielte Truppe so ein Stück weit ins kalte Wasser zu werfen, macht sich durchaus bezahlt: Wenn die sieben Freunde das erste Mal mit aufgeregter Ehrfurcht die gigantischen Hochhausschluchten durchfahren, steckt die Abenteuerlust regelrecht an. Auch die neue Basis – die sicher nicht von ungefähr an den Stark-Tower von Iron Man erinnert – muss sich in Sachen Imposanz nicht verstecken. Voller Stolz fährt die Paw Patrol mit aufgepäppelten Schlitten dem ersten Einsatz entgegen, wird dann jedoch fix mit dem ersten ungeahnten Großstadt-Übel konfrontiert: Es herrscht Stau!

    Solche Situationen sorgen für Lacher, machen aber auch früh deutlich, wo der Kinofilm sich von der Serie unterscheidet. Die idyllische Kleinstadt voller Träumer und Fabelwesen weicht einem rundum modernen New-York-City-Bildnis. Hier gibt es tätowierte Schlägertypen, Selfie-süchtige Teenager und viral gehende Videos. Auf einmal fühlt sich auch die Paw Patrol selbst vielmehr in der Realität verankert an und gerät in einen entsprechenden Erklärungszwang: Wie finanziert sich die Truppe aus Minderjährigen beispielsweise? Die Antwort: Merchandise! Ob es dieses nüchternen Offenlegens von kleinen verbliebenen Mysterien wirklich bedarf? Aber zumindest zündet der selbstreferenzielle Gag, schließlich wurde das ganze „Paw Patrol“-Franchise von einer Spielzeugfirma primär zum Zwecke des Merchandise-Verkaufs erschaffen.

    Alte und neue Vierbeiner ergänzen sich prima


    Ein erwachseneres Umfeld ermöglicht aber auch eine stärkere dramatische Komponente für die Helden – und hier hat der Polizeihund Chase die alleinige Last zu tragen: Der Schäferhund bekommt eine traumatische Hintergrundgeschichte und kleine Heldenreise spendiert, wird also zur klaren Identifikationsfigur befördert. Dafür verblassen die anderen fünf bekannten Wauwaus weitestgehend zu Nebendarstellern. Die Bulldogge Rubble sticht immerhin noch als Comic-Relief heraus. Für Fans von Ryder und den Nicht-Chase-Vierbeinern, die auf den großen Moment ihres jeweiligen Lieblings warten, ist das durchaus schade – genauso wie für „Paw Patrol“-Einsteiger, die nicht allzu viel über den Großteil der Figuren erfahren wird.

    Auch musste man wohl Platz für den Rettungstrupp-Neuzugang freischaufeln. Aber der rentiert sich dafür auch: Der weibliche Dackel Liberty versprüht eine Lebensfreude, welche selbst die alteingesessenen Strahlehunde alt aussehen lässt. Mit ihrer hyperaktiven Großstadtenergie und ganz eigenem Blickwinkel steigt sie vom obsessiven Fan zum essenziellen Mitglied auf. Dabei ist die Figur auch ein klarer Schritt Richtung mehr Diversität in einer sehr männerdominierten Formation – ein Missstand, auf den bereits unter dem Hashtag #IncludeTheGirls aufmerksam gemacht wurde. Ebenfalls der Frauenquote zugutekommt ein witziger Kurzauftritt des aufgetakelten und eitlen Pudels Dolores, dem im englischen Original niemand Geringeres als Glamour-Girl Kim Kardashian ihre Stimme leiht.

    Dackeldame Liberty ist ein erfrischender Neuzugang für die Jungstruppe von der Paw Patrol.


    Das auffälligste Update und der größte Pluspunkt gegenüber der TV-Serie bleibt dennoch die visuelle Schönheitskur des Kino-Ablegers: „Paw Patrol: Der Kinofilm“ ist ein unfassbarer Hingucker geworden und steht seiner Hollywood-Animations-Konkurrenz in Nichts nach. Wenn überhaupt, lehnt er sich beizeiten ein wenig zu sehr an den typischen Pixar-Look an. Dafür sind die Action-Sequenzen ebenso exzessiv wie aufregend: Hier jagen die Helden durch ein außer Kontrolle geratenes Feuerwerk wie inmitten eines Kriegsschauplatzes oder seilen sich durch den Aufzug eines umstürzenden Riesenturms ab, während gerade eine kleine Wetter-Apokalypse kocht. Wer auf die Unaufgeregtheit der Serie hofft, muss die bittere Pille schlucken: „Paw Patrol – Der Kinofilm“ reitet eher auf der Blockbuster-Welle und die Fingernägel werden vor Spannung in die Sitze gekrallt. Alle, die darin kein Problem sehen, dürfen sich auf Slow-Motion-Kamerafahrten, Mega-Explosionen und High-Tech-Karren cooler als das Batmobil freuen.

    Trotz der Modernisierungsmaßnahmen bleibt der charmante Kern des Originals aber bestehen. Die Welpen sind putzig und liebenswürdig wie immer und der Zusammenhalt untereinander rührend. Selbstverständlich gibt es allerlei Hunde-Wortspiele à la „Wer hat dir denn die Leine verknotet?“ – und der bekannte Ohrwurm-Titelsong trällert unzählige Male durch die Boxen. Ebenso war es eine weise Entscheidung, den etablierten Oberschuft Bürgermeister Besserwisser weiterhin als Hauptgegenspieler einzusetzen – statt wie bei Blockbustern üblich mit einer noch diabolischeren Alternative noch eins draufzusetzen. Die völlig eselhaften Tölpeleien des unfähigen Monopoly-Mann-Klons, der etwa Loopings für Nahverkehrszüge für eine gute Idee hält, sind genau richtig für jegliche Form der Beinahe-Katastrophen, welche die Paw Patrol dann verhindern dürfen.

    Fazit: Schon die Eingangsszene stellt klar, dass es beim ersten Kinofilm der „Paw Patrol“ anders zugeht als in der Serie. Solange es das Budget hergibt, werden ganze Bauwerke per – visuell schwer beeindruckend – in Schutt und Asche gelegt. Der neue Metropolen-Schauplatz macht die Pfoten-Crew zudem wesentlich greifbarerer als die recht abgekapselte Märchenstadt der Serie. Als völlige Metamorphose kann man das Spektakel aber auch nicht einfach abtun. Die Paw Patrol bleibt dieselbe. Widersacher Besserwisser bleibt derselbe. Die liebenswerte Seele des Franchises bleibt bestehen, selbst wenn die Action diesmal sehr viel spektakulärer aus den Boxen knallt.

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