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    Akropolis Bonjour - Monsieur Thierry macht Urlaub
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Akropolis Bonjour - Monsieur Thierry macht Urlaub

    Sonnig mit einem Hauch von Nostalgie

    Von Gaby Sikorski

    Akropolis Bonjour - Monsieur Thierry macht Urlaub“ ist eine Komödie, die es zwar nicht unbedingt in die Liste der großen französischen Komödien-Klassiker schaffen wird, aber mit einem soliden Handlungsgerüst aufwartet, hübsch inszeniert ist und dazu mit vielen Gags und knackigen Dialogen punktet. François Uzan, der zuletzt unter anderem als Autor der Netflix-Serie „Lupin“ von sich reden machte, schrieb hier nicht nur das Drehbuch, sondern legt damit auch seine erste Kinoregie vor. „Akropolis Bonjour“ fällt dabei in das gerade in Frankreich extrem beliebte Sub-Genre der Familien-Reise-Liebeskomödien – prinzipiell fluffig leicht, unterhaltsam, aber nicht ohne Raffinesse und mit einem feinen Hauch von Melancholie und Nostalgie. Es geht um einen Mann, der sich so sehr nach der Vergangenheit sehnt, dass er sie mit aller Macht zurückholen möchte.

    Thierry Hamelin (Jacques Gamblin) ist der penibel durchgeplante Trip die letzte Chance, doch noch seine Ehe zu retten.

    Wann machen wir diesen Urlaub noch einmal?“ Das steht auf der Rückseite eines Fotos, eines von Tausenden, die Thierry Hamelin (Jacques Gamblin) mit großem Aufwand digitalisiert und neu sortiert – seine wichtigste und einzige Beschäftigung, seit er im Ruhestand ist. Das Foto zeigt ihn mit seiner Frau Claire (Pascale Arbillot) und den beiden inzwischen erwachsenen Kindern Karine (Agnès Hurstel) und Antoine (Pablo Pauly) in Griechenland, 1998. Damals ... als die Welt noch in Ordnung war und die Zukunft in rosigstem Licht erschien. Das hat sich inzwischen radikal geändert, denn soeben hat Claire ihrem überraschten Gatten ganz beiläufig mitgeteilt, dass sie sich scheiden lassen will. Für Thierry ein Entschluss, der ihn aus heiterem Himmel trifft. Aber was könnte er tun, um Claire zu halten? Mit List und Tücke, inspiriert von dem Foto aus glücklichen Zeiten, entwickelt er die Idee, ihr zum Geburtstag einen erneuten Griechenland-Urlaub zu schenken. Claire hat kaum eine Chance abzulehnen, denn sie hat Thierry versprochen, dass sie den Kindern erst einmal nichts von der Trennung sagen wollen… Und tatsächlich: Thierrys Plan geht auf, auch wenn er seine ganzen Überredungskünste aufbringen muss, um Karine und Antoine zum Mitkommen zu bewegen. Die beiden gehen inzwischen eigene Wege als erfolgreiche Rechtsanwältin und erfolgloser Startup-Unternehmer. Thierry plant den für ihn existenziell wichtigen Urlaub minutiös bis ins letzte Detail. Alles soll genauso ablaufen wie damals. Doch am Ziel angekommen, wird allen – bis auf Thierry – schnell klar, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war. Das Hotel ist zwar noch in Betrieb, allerdings fehlt jeder moderne Komfort einschließlich W-Lan. Trotz allem sieht es zunächst danach aus, als ob so etwas Ähnliches wie Urlaubsstimmung aufkommen könnte. Doch bald häufen sich die Zwischenfälle – und Thierrys schöner Plan von der Rückeroberung seiner Frau droht im Chaos zu versinken…

    Schon auch peinlich, aber vor allem sehr liebenswert

    François Uzan macht in seiner ersten Kinokomödie schon sehr vieles sehr gut. Im Grunde handelt sein Film von einer gescheiterten Ehe und von Menschen, die sich auseinandergelebt haben. Auf dieser Grundlage entwickelt Uzan eine amüsante Story mit zahllosen komödientypischen Verwicklungen. Es gibt viele hübsche Missverständnisse, Fehlleistungen, Running Gags, Kommunikations-Gaps, alles gekrönt von pfiffigen Dialogen, die auf glaubwürdigen Charakteren beruhen. Trotz ihrer offenkundigen Fehler sind alle Figuren liebenswert, manchmal sogar ein bisschen niedlich. Thierry ist eine patriarchalische Nervensäge, der seine Tochter, die Strafverteidigerin, tatsächlich in einer Gerichtsverhandlung stört, nur weil er ein Foto nicht zuordnen kann. Peinlicher geht’s nicht! Jacques Gamblin spielt mit feinem Humor und leiser Melancholie dieses Musterbeispiel eines traditionellen Familienvaters, der nicht merkt, dass die Zeit ihn überholt hat. Gamblin ist dabei sehr komisch, aber immer auch ein bisschen zurückhaltend, was ihn nur noch sympathischer macht. Thierrys Frau Claire hat sich im Gegensatz zu ihrem Mann noch nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Im Gegenteil: So unternehmungslustig und neugierig, wie sie ist, hat sie noch viel vor in ihrem Leben. Pascale Arbillot schafft es mit Eleganz und Charme, die eher schwächere Rolle der Claire mit Leben zu füllen. Pablo Pauly ist ganz wunderbar als Tunichtgut und Schürzenjäger, wird aber noch übertroffen von Agnès Hurstel als ehrgeizige Juristin Karine, die nach dem Motto „Wehe, wenn sie losgelassen ...!“ im Urlaub so richtig aufdreht. Hurstels Ausstrahlung und ihr komisches Talent erinnern ein wenig an Lily Tomlin, ebenso ihr präzises Timing.

    Vor 20 Jahren hat man beim Abendessen noch miteinander gesprochen. Aber inzwischen gehen die Handys eben vor.

    Ludovik, einer der bekannteren französischen Standup-Comedians, spielt ganz wunderbar Karines Freund Christophe, einen besserwisserischen Langeweiler, dessen peinliche Versuche, sich in die Familie einzuschleimen, bei Thierry lediglich zu einer immer stärker ausgeprägten Abneigung führen. Aufgrund der extensiven Charakterisierung seiner Figuren gelingt es François Uzan, die Inszenierung von Klischees und Plattitüden weitgehend freizuhalten. Es gibt sogar erstaunlich viele Zwischentöne, die manchmal subtil, manchmal offensiv die nicht allzu vorhersehbare Handlung auf Niveau halten. Beeindruckend ist neben der schauspielerischen Präzision, die sowohl für die Spritzigkeit der Dialoge als auch für die gelungene Situationskomik entscheidend ist, eine auffallend elegante Szenenführung, auf die Spitze getrieben in einer Sequenz, in der Christophe Karine einen Heiratsantrag macht. Hier passt alles zusammen: die spielfreudigen Darsteller, die elegante Kameraarbeit, mit der die Blicke der Beteiligten und ihre Beziehungen zueinander gleichzeitig aufgefangen und kommentiert werden, die unterlegte Musik ... das ist gekonntes Komödienhandwerk. Da wäre es gar nicht nötig gewesen, für den deutschen Titel den Klamauk-Hammer anzusetzen. Im Original heißt der Film frei übersetzt: „Auf einem Foto wird gelächelt“. „Akropolis Bonjour“ hätte also vollauf genügt, um zu zeigen, dass es was zu lachen gibt. Den Zusatz „Monsieur Thierry macht Urlaub“ hätte man sich hingegen sparen können. Die vielen Monsieurs und Madames in den deutschen Titeln französischer Komödien zeigen vor allem eines, nämlich ein irgendwie sehr deutsches Problem mit Humor. Da hätte man auch den ganzen Weg gehen und den Film auch gleich „Eine ziemlich beste Familie“ nennen können. Fazit: Die amüsante Komödie erzählt gagreich, charmant und mit liebenswertem Humor von dem Versuch eines Familienvaters, über eine gemeinsame Reise nach Griechenland mit den inzwischen erwachsenen Kindern die Vergangenheit zurückzuholen und seine gescheiterte Ehe zu retten. Die erste Kinoregie von François Uzan, Autor und Produzent von „Lupin“, gibt zu den schönsten Hoffnungen Anlass – vielleicht ein neuer Stern am französischen Komödienhimmel!

     

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