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    The Mothman Prophecies - Tödliche Visionen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    The Mothman Prophecies - Tödliche Visionen
    Von David Bergmann
    „The Mothman Prophecies“ ist dunkel, unheimlich, fesselnd und in der Ausgangssituation intelligent inszeniert. Leider war man offenbar der Meinung, einem Erklärungsnotstand zu unterliegen und einen Film mit einer Länge von ziemlich exakt zwei Stunden drehen zu müssen. Ist der Film zwar insgesamt nur leicht gehobenes Mittelmaß, so ist er in der ersten Stunde absolut sehenswert und ein Muss für jeden Kinogänger mit Faible für übernatürliche Geschichten und Grusel-Fans.

    Das Leben von Washington-Post-Reporter John Klein (Richard Gere) und seiner Frau Mary (Debra Messing) könnte so schön sein: Gerade noch kauften sie sich ein schickes Eigenheim, da sind sie schon wieder auf dem schnellen Heimweg, um den Neuerwerb amourös zu feiern. Dass zu schnelles Fahren eine potentielle Lebensgefahr darstellt, ist hinlänglich bekannt und so kracht's auch bei den beiden gewaltig. John kommt ohne einen Kratzer davon, doch Fahrerin Mary (Ruhe auf den Macho-Plätzen!) muss auf schnellstem Weg ins Krankenhaus. Dort wird bei ihr ein seltener Hirn-Tumor diagnostiziert, dem sie schließlich auch erliegt. Als John ihre letzten Kleidungsstücke im Krankenhaus zusammenpackt, stößt er auf Marys Notizblock und findet darin merkwürdige und mit der Zeit morbider werdende Zeichnungen von Wesen, die zunächst wie Engel aussehen, jedoch zunehmend dämonischere Züge annehmen. Schließlich sieht er auch den Unfall mit anderen Augen: Mary bremste auf einer leeren Straße ohne erkennbaren Grund abrupt ab und sagte später zu John, er habe „es“ nicht gesehen. Doch angesichts ihres Tumors macht er sich keine weitgreifenden Gedanken.

    Dazu kommt es erst, als er zwei Jahre später eines Nachts in West Virginia zu sich kommt und an die mehrere hundert Kilometer lange Autofahrt keine Erinnerung mehr hat. Als er an die Haustür von Gordon Smallwood (Will Patton) klopft, bedroht ihn dieser prompt mit einem Gewehr, ruft Polizistin Connie Parker (Laura Linney) und behauptet, John wäre bereits die letzten beiden Nächte dort gewesen. Jetzt beginnen Connie und John nachzuforschen, denn im Städtchen Point Pleasant berichten immer mehr Bewohner davon, seltsame Wesen in ihrem Garten gesehen oder seltsame Erlebnisse oder Visionen gehabt zu haben. Die Beschreibungen decken sich dabei mit Marys Zeichnungen. Bei seinen Nachforschungen hakt John bei Alexander Leek (Alan Bates) nach, einem Autor der vorwiegend über paranormale Phänomene und die Fähigkeit des Vorhersehens schreibt. Dieser erzählt ihm über die Mottenmänner (eine grobe Übersetzung), die bereits in alten Höhlenmalereien auftauchen und stets dort zugegen sind, wo sich schreckliche Ereignisse ankündigen. Doch was wird in Point Pleasant geschehen?

    „The Mothman Prophecies“ ist ein eher durchschnittlicher Mystery-Thriller, der sich mit Hilfe einiger Schockeffekte und einer unheimlichen Atmosphäre auch gerne Horror nennen würde. Auch wenn die Schockmomente gut platziert sind und die Atmosphäre herrlich inszeniert ist... Horror wäre übertrieben. Etwas debalanciert wirkt auch die Mystery-Seite; beginnt der Film noch thrillig, so wird er zunehmend zu einer mehr oder weniger gelungenen X-Akte und zu allem Überfluss sieht der alternde Richard Gere auch noch ein bisschen aus wie David „trustno1“ Duchovny.

    So darf ich dann mal wieder jenes Wort niederschreiben, das mir in letzter Zeit für meinen Geschmack viel zu oft über die Lippen und Fingerkuppen kommt: Schade! Das Potential des Stoffes wurde vergeudet und das, obwohl sich die Ansätze sehen lassen können. So verkniff man sich beispielsweise den Fauxpas, dem Unbekannten ein Gesicht zu geben. Zu keiner Sekunde bekommt der Zuschauer die Mottenmänner leibhaftig zu Gesicht. Das liegt zum einen an der Experimentierfreudigkeit von Kameramann Fred Murphy, was das Spiel mit Filtern, Formen und Farben anbelangt und zum anderen an der schlichten Tatsache, dass jeder diese Wesen anders sieht. Das klingt jetzt zugegebenermaßen so, als wäre der Film die meiste Zeit über lächerlich und wirke gänzlich überzogen, doch weit gefehlt. Der Drahtseilakt, eine derartige Geschichte glaubwürdig und mit dem richtigen Maß an Pathos zu präsentieren, glückte. Neben der bereits angesprochenen Wahrung der Gesichtslosigkeit und der bedrückend-düsteren Atmosphäre sind dafür vordergründig die Schauspieler verantwortlich. Allen voran der erstaunlich präsente Gere und Will Patton, der die Wandlung vom Klischee des christlichen Hinterwäldlers mit Schrotflinte im Bettkasten zum verängstigten Zeugen der Mothmen phantastisch auf die Leinwand transportiert.

    Jedoch noch einmal zurück zur bereits mehrfach genannten Atmosphäre: Von den Sets über die Kameraführung bis hin zum Soundtrack... „The Mothman Prophecies“ funktioniert in dieser Hinsicht wie ein gut geöltes Uhrwerk. Der Zuschauer wird mittels einer Kameraführung durch die Geschichte geführt, die oftmals freischwebend in hektischen Bewegungen den Flug einer Motte nachahmt und sich generell in dunklen Räumen oder unfreundlich-kalten Settings am wohlsten fühlt. Das schafft eine grundlegend ungemütliche Situation, spiegelt die Stimmung des Films perfekt wieder und berücksichtigt dabei auch den noch herzlich-warmen Anfang mit der heilen Welt des Eheglücks, der nach der Exposition noch während der Heimfahrt der beiden der kalten Stimmung weichen muss. In den letzten Jahren verstand es lediglich M. Night Shyamalan mit seinem „The Sixth Sense“ besser, Atmosphäre aus dem Nichts zu schaffen. Zu Fred Murphys Spiel der Verfärbungen und -zerrungen gesellt sich dann ein Score, der laut und düster den Charakter des Films unterstreicht. Zusammen mit einigen wenigen sauber platzierten Schockmomenten ergibt sich ein durchaus mysteriöses Gesamtbild.

    Doch mit eben diesem wird zu fahrlässig umgegangen. Da werden die anfangs schaurig-grusligen Mottenwesen zu bloßen Überbringern schlechter Nachrichten, die noch dazu von den Menschen meist missverstanden werden. Zusammen mit dieser recht ernüchternden Aufklärung fällt schlagartig die Spannung. Plötzlich geht es um keine paranormale Bedrohung mehr, sondern das malerische Point Pleasant droht, von einer ganz realen Katastrophe heimgesucht zu werden. Johns Versuche herauszufinden, um welche Katastrophe es sich dabei handelt sind dabei wenig sehenswert. Zum einen, weil sich der Zuschauer auf eine gänzlich andere Geschichte eingestellt hatte und zum anderen weil urplötzlich Agent Scull... ähm, Polizistin Connie die ganze Geschichte zuviel wird und sie keine Lust mehr hat. Speziell an diesem Punkt der Geschichte zieht sich selbige viel zu sehr in die Länge und verlangt vom Zuschauer einige Quäntchen zuviel Verständnis. Besserung ist auch gegen Ende nicht mehr in Sicht, denn hier sind es einmal mehr die klassische Helden- und Liebesgeschichte, die das - immerhin überraschende - Ende zu einer Farce machen. Wie gesagt: Schade!
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