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    Day Shift
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Day Shift

    "John Wick" - aber mit Vampiren und zu viel Klamauk

    Von Lutz Granert

    Nach mehreren Verschiebungen müssen Action-Fans noch bis Ende März 2023 auf „John Wick 4“ warten. Der neuste Netflix-Film „Day Shift“ kann nun zumindest ein wenig die Zeit dazwischen überbrücken. Dass der Vampir-Actioner in einem Atemzug mit der Killer-Action-Reihe um Keanu Reeves genannt wird, hat viel mit den Personen dahinter zu tun: „John Wick“-Regisseur Chad Stahelski hat „Day Shift“ produziert. Der an Teil 3 und 4 als Autor beteiligte Shay Hatten schrieb auch hier am Skript mit. Und B-Movie-Actionstar Scott Adkins ist in „Day Shift“ ebenso in einer Nebenrolle zu sehen wie auch bald in „John Wick 4“. Und vor allem sitzt mit J.J. Perry einer der Stunt-Koordinatoren der Filmreihe das erste Mal in seiner schillernden Karriere auf dem Regiestuhl.

    Dass mit dieser Crew im Rücken auch „Day Shift“ ein handwerklich wirklich souveränes und unterhaltsames Action-Knallbonbon ist, überrascht daher wenig. Allerdings leidet die launige Vampirjagd mit Oscarpreisträger Jamie Foxx („Ray“, „Collateral“), der sich kräftig Muskeln zugelegt hat, unter vielen anderen Problemen: Flache Figuren, ein durchschaubares Skript und plumpe Gags, die oft alles andere als stilsicher daherkommen, trüben das Vergnügen.

    Vampirjäger Bud sollte besser aufpassen...

    Bud Jablonski (Jamie Foxx) führt ein Doppelleben: Sein Job als Pool-Reiniger ist nur eine Tarnung, um Vampire zur Strecke zu bringen, die im San Fernando Valley unerkannt unter den Menschen leben. Unter den stetigen Überstunden leidet die Ehe mit Jocelyn (Meagan Good), die ihn kurzerhand vor die Tür gesetzt hat und Bud nun auch ein Ultimatum stellt: Nur wenn er es schafft, innerhalb einer Woche 10.000 Dollar aufzutreiben, um damit die Schulgebühren und Zahnspange der gemeinsamen Tochter Paige (Zion Broadnax) zu bezahlen, bleibt sie in Kalifornien wohnen. Sonst nimmt sie das Angebot einer örtlichen Immobilienmaklerin Audrey (Karla Souza) an, verkauft das gemeinsame Haus und zieht zurück zu ihrer Mutter.

    Da sich als Vampirjäger nur so schnell eine solche Menge Geld verdienen lässt, wenn man Mitglied der Gewerkschaft ist, bittet Bud seinen alten Kriegskameraden um Hilfe. Mit dessen Fürsprache wird er auf Probe wieder Teil der Vereinigung, aus der er bereits mehrfach wegen Regelverstößen ausgeschlossen wurde. Doch bei seiner allerletzten Chance wird ihm der ängstliche Bürokrat Seth (Dave Franco) aus dem Innendienst zur Seite gestellt, der seine Arbeit kontrollieren soll. Und bei all diesen Problemen ahnt Bud noch nicht, dass Maklerin Audrey eine mächtige Vampirin ist, die gemeinsam mit ihrem deutschen Partner Klaus (Oliver Masucci) das gesamte Valley unter ihre Kontrolle bringen will und es auch noch auf ihn persönlich abgesehen hat...

    Krachende Action mit "Exorzist"-Zitat zum Einstieg

    J.J. Perry hält sich in „Day Shift“ nicht mit großem Vorgeplänkel auf und beginnt gleich mit einem turbulent verlaufenden Job von Bud, der ihn ins abgedunkelte Haus einer älteren Dame führt. Vier Minuten dauert der schnell und abwechslungsreich, aber stets übersichtlich bleibende Fight gegen die (scheinbar) uralte Vampirin, bei der schon mit den ersten Klischees rigoros aufgeräumt wird. Sonnenlicht oder ein Pflock ins Herz allein setzt der Blutsaugerin nur unzureichend zu, erst das Köpfen und Ziehen der Reißzähne bringt sie endgültig zur Strecke.

    Ganz nebenbei liefert die Szene auch eine deutliche Anspielung auf den Horrorklassiker „Der Exorzist“, da die alte Dame zu einer (von vielen) Vampirarten gehört, die ihren Körper grotesk verformen kann und Bud zudem mit schwarzem Blut von oben bis unten ordentlich vollkotzt. Gerade in solchen Momenten ist Shay Hatten durchaus seine große Affinität zum Genre anzumerken, was er bereits als Co-Autor von Zack Snyders Zombie-Actionkomödie „Army Of The Dead“ unter Beweis stellen konnte.

    Einige Blutsauger haben ganz schöne Moves drauf...

    Hatten und Newcomer-Co-Autor Tyler Tice, der das Projekt ursprünglich entwickelt hat, schalten dann jedoch erst einmal einen Gang runter. Es braucht etwas Zeit, um einen recht schlichten, bisweilen arg vorhersehbaren Plot zu etablieren. Gibt es dabei die amüsante Idee einer geheimen Vampirgewerkschaft mit Behördenstrukturen, geregelten Arbeitszeiten (worauf im Titel angespielt wird) und einem albern detailversessenen Regelwerk, so wird mit Sidekick Seth daneben eine alberne Witzfigur eingeführt. Dabei gelingt es Dave Franco („The Disaster Artist“) nicht, seinem Brille und Anzug tragenden, auf Paragraphen herumreitenden Nerd, der sich bei jedem Vampirangriff einnässt (ein Running-Gag, der auch nicht durch die Wiederholungen witzig wird) und später buchstäblich seinen Kopf verliert, so etwas wie Würde zu verleihen.

    Ungleich gelungener ist da schon der knapp zehnminütige Auftritt von B-Action-Ikone Scott Adkins („Undisputed“-Reihe). Wenn er und sein Film-Bruder Steve Howey („Stuber“) sich vom Kaugummi bis zur Patrone einfach alles teilen, ist das zwar auch sehr klamaukig. Aber allein seine Anwesenheit und sein Können werten eine starke Actionszene in der Mitte des Films auf. Beim brachialen Ausheben eines Vampirnests unter Zuhilfenahme diverser Waffen von Pflock bis Nunchaku zeigt sich in der zwar schnell geschnittenen, aber immer souverän choreografierten und nur selten auf CGI zurückgreifenden Action die umfangreiche Erfahrung aller Beteiligten im Genre.

    Starke Action vs. schwache Story

    Wie schon der Netflix-Actioner „Tyler Rake: Extraction“ punktet auch „Day Shift“ so nicht mit der Story. Denn auch wenn diese immer wieder genüsslich mit Klischees bricht (auch eine „Vampir-Sonnencreme“ spielt eine nicht unbedeutende Rolle), ist sie doch am Ende nicht nur durchschaubar, sondern wird auch insgesamt arg formelhaft und ohne Überraschungen heruntergespult. Die größte Stärke ist viel mehr eindeutig auch hier die handgemachte Action wie bei den beschriebenen Szenen oder auch rund um eine Verfolgungsjagd, bei der mit Pyrotechnik nicht gespart wurde.

    Fazit: „Day Shift“ ist eine Fast-Food-Vampirkomödie, in der eine Handvoll Actionszenen mit ansehnlich choreografierten Stunts überzeugen, aber am Ende zu wenig sind, um einen simplen Plot, austauschbar bleibendes Figurenarsenal und überzeichneten Klamauk zu kaschieren.

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