SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!

Die Zeit ist reif für einen Schuss knuddelige Anarchie

Von Christoph Petersen

SpongeBob Schwammkopf dominiert die Popkultur zwar nicht mehr ganz so stark wie noch zu Zeiten seines ersten Kinoausflugs, als „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ 2004 fast das Fünffache seines Budgets an den weltweiten Kassen einspielen konnte. Trotzdem wächst die Fangemeinde immer weiter: Kinder und Jugendliche, die mit der Zeichentrickserie aufgewachsen sind, bleiben dem Nickelodeon-Superstar oft bis ins Erwachsenenalter treu – und da SpongeBob fast drei Jahrzehnte nach seinem ersten TV-Auftritt weiterhin als absolute Meme-Maschine für TikTok & Co. dient, scheint der stetige Nachwuchs ebenfalls gesichert. Da gehört ein regelmäßiger Leinwand-Abstecher eigentlich zwingend dazu: Weil „Eine schwammtastische Rettung“ 2020 allerdings Corona-bedingt direkt im Streaming gelandet ist, liegt der letzte Kinofilm „SpongeBob Schwammkopf 3D“ inzwischen zehn Jahre zurück.

Höchste Eisenbahn also für eine großformatige Rückkehr nach Bikini Bottom – und vielleicht liegt es daran, dass die Verantwortlichen um den angestauten Hunger der Fans wissen, dass sie mit „SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!“ vornehmlich auf Bewährtes setzen: Wo „Der SpongeBob Schwammkopf Film“ schon mit dem ikonischen Gastauftritt von „Baywatch“-Kultstar David Hasselhoff signalisierte, dass es auf der Leinwand sogar noch absurder als im Serienformat zugehen würde, fühlt sich „Piraten Ahoi!“ – trotz eines wunderbaren Retro-Realfilm-Anteils – eher an wie eine überdimensionierte TV-Episode. Allerdings immerhin wie eine rundum überzeugende, weshalb wohl kaum jemand wirklich enttäuscht aus dem dritten Kinoabenteuer des knallgelben Helden gehen wird.

Der Fliegende Holländer sieht in SpongeBob Schwammkopf vor allem einen nützlichen Idioten. Paramount Pictures
Der Fliegende Holländer sieht in SpongeBob Schwammkopf vor allem einen nützlichen Idioten.

Es ist ein großer Tag für SpongeBob Schwammkopf (Stimme auf Deutsch: Santiago Ziesmer, im Original: Tom Kenny): Weil er wieder ein Stückchen gewachsen ist, gilt er mit einer Höhe von nun 36 Muscheln offiziell als „großer Junge“ – und damit darf er im Freizeitpark endlich auch mit der Achterbahn fahren! Aber als er mit seinem besten Freund Patrick (Fritz Rott, Bill Fagerbakke) sofort losstürmt, kriegt er auf den letzten Metern vor dem sich auftürmenden Fahrgeschäft plötzlich riesigen Schiss. Aber müsste man als „großer Junge“ nicht auch mächtig mutig sein?

So mutig wie zum Beispiel SpongeBobs Chef Mr. Krabs (Axel Lutter, Clancy Brown), denn der hat schließlich ein waschechtes Haudegen-Zertifikat vorzuweisen, das er einst auf dem Piratenschiff des verfluchten Geisterfreibeuters Fliegender Holländer (Hans-Georg Panczak, Mark Hamill) erworben hat. Doch bei dem Versuch, selbst ein solches Zertifikat in die Hände zu bekommen, öffnen SpongeBob und Patrick ein magisches Portal in die Unterwelt. Dort sieht der Fliegende Holländer in den Neuankömmlingen direkt willige Dummköpfe, die ihm dabei helfen könnten, endlich den seit 500 Jahren auf ihm liegenden Fluch zu brechen und ihm so eine Rückkehr an die Oberwelt zu ermöglichen…

Wenn es das eine Wort im Deutschen einfach nicht gibt

Synchron-Autor*innen haben es ohnehin nicht leicht, Wortspiele passend ins Deutsche zu übersetzen. Aber besonders schwer wird es, wenn es einen Begriff bei uns schlichtweg nicht gibt – und das gilt erst recht, wenn er dann auch noch eine zentrale Bedeutung für den Plot und damit den ganzen Film hat. Im Fall von „Piraten Ahoi!“ ist das „swashbuckling“, was wörtlich „säbelrasselnd“ bedeutet, aber längst so synonym für besonders draufgängerische Zeitgenoss*innen steht, dass sogar ein ganzes Filmgenre, in dem Fechtkünstler*innen, Pirat*innen und andere tollkühne Held*innen meist historische Abenteuer bestehen, danach benannt wurde.

Eine bessere Ein-Wort-Übersetzung als „Haudegen“ gibt es vermutlich wirklich nicht. Aber es hilft trotzdem, wenn man sich „swashbuckling“ im Hinterkopf immer dazu denkt, denn auch „Piraten Ahoi!“ ist natürlich wieder bis obenhin vollgestopft mit filmischen Zitaten und popkulturellen Anspielungen – von den an Ray Harryhausen gemahnenden Skeletten bis hin zu einem der legendärsten Actionfilm-Sprüche aller Zeiten: Freut euch also auf die SpongeBob-Variante von „Ich bin hierhergekommen, um Kaugummi zu kauen und Ärsche zu treten, und der Kaugummi ist mir ausgegangen“. Die ist nämlich selbst dann noch lustig, wenn man – wie wohl die meisten SpongeBob-Fans - „Sie leben“ nie gesehen und „Duke Nukem“ nie gespielt hat.

Die bedingungslose Freundschaft von SpongeBob und Patrick rettet auch in „Piraten Ahoi!“ einmal mehr den Tag! Paramount Pictures
Die bedingungslose Freundschaft von SpongeBob und Patrick rettet auch in „Piraten Ahoi!“ einmal mehr den Tag!

Sogar noch ausgefallener werden die Anspielungen im obligatorischen Realfilm-Teil, der diesmal zwar nicht David Hasselhoffs Rettungsschwimmer-Rücken als Setting nutzt, aber dafür „Star Wars“-Legende Mark Hamill beim Achterbahn-Fahren zeigt. Wenn der Fliegende Holländer im legeren Urlaubsoutfit vor offensichtlich rückprojizierten Retro-Aufnahmen von Strandszenen sitzt, dann erinnert das sicher nicht von ungefähr an das gerade in den 1950ern wahnsinnig populäre Genre der Beach Movies (in dem es fast ausschließlich darum ging, dass junge Menschen am Strand feiern und tanzen). Aber es ist gerade auch diese Liebe zum Obskuren und damit zum Außenseitertum, die SpongeBob selbst nach fast drei Jahrzehnten noch immer frisch und überraschend erscheinen lässt.

Und das gilt sogar dann, wenn man den grundsätzlichen Modus Operandi – plötzliche Ultra-Großaufnahmen von Pickeln inklusive – eigentlich längst durchschaut hat. Speziell in „SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!“ kommt nun noch hinzu, dass Franchise und Message einfach perfekt zusammenpassen: Die Frage, was Mut und Tapferkeit wirklich bedeuten, wird auf gewohnt subversive Art erforscht – nicht von ungefähr treiben SpongeBob und Patrick den Fliegenden Holländer mit ihrer ebenso ansteckend gutherzigen wie potenziell nervtötenden Kindlichkeit wiederholt in den Wahnsinn. Zugleich wird die Freundschaft der beiden Bikini-Bottom-Anarchos auf eine Weise zelebriert, dass einem selbst nach all der Zeit noch warm ums Herz wird.

Fazit: Gerade im Vergleich zu den bisherigen beiden Kinofilmen geht „SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!“ eher auf Nummer sicher. Aber Schwammkopf-Fans kommen nach zehnjähriger Leinwand-Abstinenz trotzdem wieder voll auf ihre Kosten.

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