In The Grey
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
In The Grey

Coolness allein macht noch keinen guten (Heist-)Film

Von Markus Tschiedert

Die Grenzen der Illegalität austesten, sie überschreiten und schließlich vollends ins kriminelle Milieu abrutschen – genau das ist das Metier von Guy Ritchie. Mit den Gangster-Komödien „Bube, Dame, König, grAS“ (1998) und „Snatch – Schweine und Diamanten“ (2000) gelang dem britischen Regisseur der Sprung in die A-Liga. In der Zwischenzeit unternahm er zwar Ausflüge in den Fantasy-Blockbuster-Bereich („King Arthur: Legend Of The Sword“) und in die Disney-Maschinerie („Aladdin“), doch trotzdem kehrt Ritchie immer wieder zu seinen Wurzeln zurück. So auch mit seinem neuen Film „In The Grey“.

Der Titel sagt es bereits: Es geht einmal mehr in moralische und gesetzliche Grauzonen. Dafür holte sich Ritchie drei Stars, mit denen er bereits gearbeitet und ganz offensichtlich gute Erfahrungen gemacht hat: Henry Cavill („Codename U.N.C.L.E.“), Jake Gyllenhaal („Guy Ritchie's Der Pakt“) und Eiza González („Fountain Of Youth“) verkörpern ein ungleiches Trio, das eine hochexplosive Gaunerei ausheckt. Klingt vielversprechend – und anfangs deutet auch alles auf einen packenden Thriller hin, der nach den Regeln eines guten Heist-Films funktioniert. Doch die Rechnung will nicht so richtig aufgehen. Selbst wenn es dabei um mehr Schotter geht, als sich Normalsterbliche überhaupt vorstellen können.

Bronco (Jake Gyllenhaal) und Sid (Henry Cavill) sind vor allem damit beschäftigt, möglichst cool zu wirken. LEONINE
Bronco (Jake Gyllenhaal) und Sid (Henry Cavill) sind vor allem damit beschäftigt, möglichst cool zu wirken.

Eine Milliarde Dollar hat sich Manny Salazar (Carlos Bardem) geliehen. Nun soll der Despot die Summe zurückzahlen, aber er denkt gar nicht daran – und lässt es lieber darauf ankommen. Also wird die gerissene Unterhändlerin Rachel Wild (Eiza González) eingeschaltet. Sie soll das Geld mit ihren Methoden zurückholen, und die sind nicht immer legal. Der Haken an der Sache: Salazar residiert auf einer Privatinsel und lässt sich von einer Privatarmee beschützen. Zudem schreckt er nicht davor zurück, lästige Menschen, die ihm zu nahekommen, kurzerhand eliminieren zu lassen.

Rachel will sich dennoch in die Höhle des Löwen begeben und vertraut ihr Leben zwei Männern an, die ihr treu ergeben sind: Der unerschütterliche Sid (Henry Cavill) und sein aufbrausender Kompagnon Bronco (Jake Gyllenhaal) sollen für Rachel den perfekten Fluchtweg ausarbeiten, damit sie nach ihrer Mission lebend von der Insel kommt. Dafür müssen die einst schweren Jungs erst mal auskundschaften, was möglich ist. Mit Worten, Waffen und Vehikeln spielen sie für Rachels Rettung alle möglichen Szenarien durch. Sie manipulieren, drohen und bestrafen, bis sie endlich die einzig mögliche Route erschlossen haben. Was kann da noch schiefgehen?

Bewährte Zutaten, die aber nicht so recht zünden wollen

Einiges, um ehrlich zu sein – und zwar im doppelten Sinne. Denn zum einen ist es natürlich der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Heist-Films, dass der mühsam ausgetüftelte Plan in letzter Minute doch noch zu scheitern droht, weil eine Kleinigkeit übersehen wurde. Genau aus diesem Grund sind Genre-Klassiker wie „Rififi“ (1955), „Topkapi“ (1964) oder „Der Clou“ (1973) so unsagbar spannend und stilprägend. Zum anderen will sich aber selbst im großen Finale einfach keine Spannung einstellen.

Da zündet nichts, obwohl Ritchie, der auch das Drehbuch verfasst hat, an allen Reglern des Genres dreht: hier eine Explosion, da eine Verfolgungsjagd, und neben der Action wird mit kessen Sprüchen auch noch die Humor-Ebene bedient. Ritchie ist sicherlich nicht darum bemüht, sich neu zu erfinden. Er bewegt sich auf seinem Lieblingsspielplatz und rattert dementsprechend routiniert sein Programm herunter. Dabei verliert er aber irgendwann seine toughen Hauptakteure aus den Augen.

Eiza González ist als trickreiche Unterhändlerin Rachel Wild der absolute Lichtblick! LEONINE
Eiza González ist als trickreiche Unterhändlerin Rachel Wild der absolute Lichtblick!

Die Charaktere von Gyllenhaal und Cavill sind zwar betont gegensätzlich angelegt, doch daraus entsteht weder eine Chemie noch eine reizvolle Dynamik. Gyllenhaals überdreht-arrogantes Spiel und Cavills stoische Gelassenheit scheinen eher miteinander in Konkurrenz zu stehen. Beide wollen dabei möglichst cool rüberkommen, doch das wirkt aufgesetzt – weshalb sie einem irgendwann schlichtweg egal werden. Somit kann Eiza González in ihrer Rolle nur gewinnen. Mit Eleganz und Raffinesse schafft sie es immer wieder, zwei sich so krampfhaft hart gebenden Typen die Show zu stehlen.

Mehr Spannung entsteht dadurch trotzdem nicht. Was auch daran liegt, dass der Plot im zweiten Drittel zu sehr an Drive verliert, wenn plötzlich ein kompliziert erdachtes Doppelspiel die Handlung zusätzlich verlangsamt. „In The Grey“ brummt anfangs noch wie ein hochgetunter, schicker Sportwagen, aber im Endspurt gerät er immer mehr ins Stottern, bis er nur mit Ach und Krach ans Ziel gelangt.

Fazit: Das anfängliche Versprechen auf einen spannungsgeladenen Heist-Film wird nur bedingt eingehalten. Denn ab der Mitte gerät der Plot zu sehr ins Schwanken, und zwei coole Kerle reichen nicht, um das Publikum bei der Stange zu halten. Mehr als einen leidlich kurzweiligen Action-Trip sollte man also nicht erwarten.

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