Is This Thing On?
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Is This Thing On?

Bradley Cooper macht’s auch eine Nummer leiser

Von Asokan Nirmalarajah

Wer hätte 2001 bitteschön geglaubt, dass aus dem sympathischen Schönling in der Rolle des Will Tippin in „Alias - Die Agentin“ mal ein erfolgreicher Regisseur werden würde? Tatsächlich hat Bradley Cooper in den vergangenen 25 Jahren eine erstaunliche Karriere hingelegt – vom soliden TV-Mimen über den Comedy-Megahit „Hangover“ hin zu einem Filmemacher, dessen erste beiden Regiearbeiten allein bereits 15 (!) Oscar-Nominierungen eingefahren haben. Trotzdem ist der „American Sniper“-Star als Mann hinter der Kamera alles andere als unumstritten: Vor allem seine manisch-perfektionistische Hingabe an die Porträts ebenso besessener Genies inklusive selbstzerstörerischer Neurosen stößt manchen auf. Während die einen Filme wie „A Star Is Born“ oder „Maestro“ als schauspielerische Kraftakte loben, sehen die anderen in ihnen kaum mehr als mittelmäßigen Oscar-Bait ohne sonderlichen Tiefgang.

Wer zur zweiten Gruppe gehört, dürfte sich durch Coopers dritte Regiearbeit in dieser Ansicht eher bestätigt sehen – und das, obwohl es diesmal gar nicht erst zu Oscar-Nominierungen gereicht hat: „Is This Thing On?“ spart die ganz große Melodramatik zwar aus und erzählt stattdessen mit leiser Melancholie, bittersüßer Komik und ewig wackelnder Handkamera von der Beziehungskrise eines New Yorker Paares. Doch leider hat er (auch hier) nicht wirklich viel Neues über seine Figuren, ihr Milieu oder ihr Leben zu erzählen, was ihn von ähnlichen Filmen abheben würde.

Alex (Will Arnett) verarbeitet seine Scheidung auf der Stand-up-Bühne … Warner Bros.
Alex (Will Arnett) verarbeitet seine Scheidung auf der Stand-up-Bühne …

Alex (Will Arnett) steht neben sich. Und das hat einen Grund: Nach zwei Jahrzehnten Ehe kann ihn seine Frau Tess (Laura Dern) nicht mehr ausstehen und will die Scheidung. Er ist bereits ausgezogen und verkriecht sich nun in einer Junggesellenwohnung, während Tess mit den gemeinsamen zwei Söhnen im Vorort wohnen bleibt. Ihre besten Freunde, das Paar Arnie (Bradley Cooper) und Christine (Andra Day), wissen hingegen noch nichts von der Trennung.

Aber langsam ist es wirklich an der Zeit, es ihnen, aber auch Alex' ewig kritisierenden Eltern Jan (Ciaran Hinds) und Marilyn (Christine Ebersole) beizubringen. Ziellos stolpert Alex in diesem Gefühlschaos in eine Comedy-Kneipe, wo er sich den Eintritt dadurch sparen will, dass er selbst auf die Bühne geht. Dort beginnt er, über seine aktuellen Erfahrungen zu sprechen. Zu seiner eigenen Überraschung findet er damit endlich wieder so etwas wie Anerkennung …

Zur Abwechslung mal leisere Töne

„Is This Thing On?“ positioniert sich zunächst noch als leises Kontrastprogramm zu den lauten, großen Schauspielerfilmen „A Star Is Born“ und „Maestro“, die geprägt waren von (über-)großen Emotionen und leidenschaftlicher Musik (Cooper ist inzwischen dreifacher Grammy-Preisträger). Unaufdringlich und verhalten porträtiert der Film zunächst Alex und Tess als unglückliche Menschen, die versuchen, aus ihrer stagnierenden Beziehung auszubrechen. Laura Dern („Marriage Story“) und Will Arnett („Arrested Development“) können ihren Frust und ihre Wut mit wenigen Blicken und Gesten ausdrücken, während sich Bradley Cooper diesmal mit der Nebenrolle eines exzentrischen Bühnendarstellers begnügt. Während die übrige, recht namhafte Besetzung nicht in Erinnerung bleibt, ist es vor allem Arnett, der sich in einer ungewohnten Hauptrolle bewährt. Aber leider lässt ihn das Skript, das er selbst gemeinsam mit Bradley Cooper und Mark Chappell verfasst hat, immer wieder im Stich.

Sicherlich sind die Reaktionen der kauzigen Freund*innen, spleenigen Eltern und altersklugen Kinder auf die Trennung von Alex und Tess hier und da durchaus amüsant. Auch die Auftritte von Alex auf der Comedy-Bühne und das Milieu der Stand-up-Komiker wirken glaubwürdig. Aber allzu schnell wird deutlich, wohin sich die Handlung entwickeln wird – und so plätschert der ohnehin viel zu lange Film vor sich hin, ohne Überraschungen und Höhepunkte. Dabei ist die Botschaft des Films sympathisch: Liebe dich selbst, bevor du andere lieben kannst – und finde etwas, das dich erfüllt, sei es Kunst oder Sport. Alex findet ein Ventil und Anerkennung auf der Stand-up-Bühne, während Tess ohne die Last einer Beziehung ihren alten Sport Volleyball wieder aufnimmt und aufblüht. Doch das alles bleibt oberflächlich und klischeebehaftet.

… ganz zum Schrecken seiner Noch-Ehefrau Tess (Laura Dern). Warner Bros.
… ganz zum Schrecken seiner Noch-Ehefrau Tess (Laura Dern).

Die – mit Ausnahme einiger assoziativer Schnittfolgen – eher zurückgenommene Inszenierung von Bradley Cooper sowie die unspektakuläre Bildarbeit von Coopers Stamm-Kameramann Matthew Libatique sind teilweise zu dunkel und anstrengend. Dazu kommen einige schwerfällige Metaphern (Stichwort: chinesischer Löwe). Der Film bleibt eine echte Pointe schuldig, auch in den Stand-up-Auftritten. Die Bühnenauftritte eröffnen zwar die Perspektive von Alex auf sein eigenes (verkorkstes) Leben, erreichen aber weder eine Intensität noch eine Komik, die verständlich machen würde, warum er so gut ankommt. Diese Zurückhaltung trägt sich auch weiter in die Dramaturgie: Konflikte werden angedeutet, aber selten zugespitzt. Man hat nie das Gefühl, dass hier etwas wirklich auf dem Spiel steht, weder für die Ehe noch für die persönlichen Ambitionen der Figuren.

Fazit: „Is This Thing On?“ ist trotz starker Besetzung und viel Sorgfalt bei der Schilderung des Stand-up-Milieus leider oberflächlich in seiner Analyse moderner Beziehungen. Das wirkt trotz der vielen schrulligen New Yorker wie ein Woody-Allen-Film, nur mit weniger Biss, weniger Witz und weniger psychologischer Tiefe.

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