Geht doch!
Von Christoph PetersenDa sind alle noch mal mit einem blauen Auge davongekommen. Als jugendlichere, coolere Konkurrenz für die extrem erfolgreiche „Die Schule der magischen Tiere“-Reihe an den Start gegangen, war der erste „Woodwalkers“-Kinofilm eine saftige Enttäuschung: Nun passiert im ersten Band der in nur 10 Jahren auf mehr als 20 (!) Bücher angewachsenen Reihe von Katja Brandis ohnehin nicht so viel Superspannendes – aber dazu kamen noch handwerkliche Probleme, weshalb viele der tierischen Verwandlungsszenen eher merkwürdig als magisch wirkten.
Trotzdem strömten im Oktober 2024 mehr als eine Dreiviertelmillion Besucher*innen in die deutschen Kinos. Sicherlich nicht das erhoffte Ergebnis – „Die Schule der magischen Tiere“ kratzt schließlich regelmäßig an der Drei-Millionen-Marke –, aber auch keine Vollkatastrophe. Eine solche hätte in diesem Fall auch doppelt wehgetan, da sich der zweite Teil zu diesem Zeitpunkt bereits im Dreh befand (nicht aus Arroganz, sondern weil es bei solch jungen Protagonist*innen einfach nicht anders geht – sonst erkennt man die jugendlichen Stars nach einer längeren Pause gar nicht mehr wieder).
Im Juli 2025 ist „Woodwalkers“ zudem bei Netflix gestartet – und hat dort noch einmal fleißig Views eingesammelt. Wie zuletzt bei „Vaiana 2“ oder „Zoomania 2“ stehen die Chancen also nicht schlecht, dass auch „Woodwalkers 2“ von der zusätzlichen Streaming-Fangemeinschaft profitieren könnte – und das Franchise weiß diese zweite Gelegenheit durchaus zu nutzen: Mit Sven Unterwaldt neu am Steuer übernimmt nicht nur der Regisseur der millionenschweren „7 Zwerge“-Superhits, sondern auch von „Die Schule der magischen Tiere 2 + 3“ – und tatsächlich funktioniert im Sequel zwar noch längst nicht alles perfekt, aber zumindest vieles spürbar besser.
Studiocanal
Nach den Geschehnissen des ersten Teils soll der Puma-Wandler Carag (Emile Chérif) vor dem Woodwalker-Rat gegen seinen einstigen Mentor Andrew Milling (Oliver Masucci) aussagen. Allerdings weiß nur der inzwischen auch politisch aktive Großunternehmer, wo sich Carags leibliche, als Pumas in der Wildnis lebende Familie aufhält. Der Deal: Der Schüler der nur Gestaltwandlern zugänglichen Clearwater High hält vor dem Rat die Klappe, sieht dafür aber endlich seine Eltern und seine kleine Schwester Mia (Lara Amélie Rosa) wieder. Aber das Treffen verläuft ganz anders als erwartet.
Carags Vater Xamber (David Schütter) hält nämlich rein gar nichts davon, dass sein Sohn weiter in seiner menschlichen Form in der Stadt leben möchte, statt in seiner tierischen Gestalt zu seiner Familie in den Yellowstone Nationalpark zurückzukehren. Außerdem scheint auch Milling wieder fiese Pläne zu verfolgen: Während die Schuldirektorin Lissa Clearwater (Martina Gedeck) ihn weiter für einen wohltätigen Gönner hält, spielt der zwielichtige Bauunternehmer Tucker Jones (Moritz Bleibtreu) eine zentrale Rolle bei seinen finsteren Machenschaften…
Wenn sich die Rothörnchen-Wandlerin Holly (Lilli Falk) in ihre tierische Form verwandelt, sackt ihre Kleidung einfach auf den Boden. Aber bei größeren Tieren wie dem Bison-Wandler (Johan von Ehrlich) reißen T-Shirt und Hose wie beim Marvel-Hulk auseinander, sodass am Ende nur noch Fetzen übrigbleiben. Nach jeder einzelnen Verwandlung heißt es also erst mal Klamottenkaufen, oder wie? Aber wenn man Lust darauf bekommt, sich Gedanken über die Logik der Logistik des Gestaltenwandelns zu machen, spricht das zumindest schon mal dafür, dass man sich nicht länger über die miese Effektqualität aufregt. Hat das Hollywood-Niveau? Nein. Aber es ist diesmal für eine Produktion dieser Größenordnung völlig in Ordnung.
Sowieso hat es durchaus seinen Charme, wenn der österreichische Drehort hier stellvertretend für den US-Bundesstaat Wyoming herhält – und die bekannten deutschen Stars plötzlich betont englische Namen tragen. Das hat was von Edgar Wallace oder eben zuletzt „Die drei ??? und der Karpatenhund“, bei dem uns das deutsch bevölkerte Los Angeles ebenfalls gut gefallen hat. Extrem gewöhnungsbedürftig ist weiterhin aber die Entscheidung, dass sich die Gestaltwandler in ihrer tierischen Form auf telepathischem Wege miteinander unterhalten, weshalb sich ihre Lippen beim Sprechen nicht bewegen. Aber das lässt sich jetzt wohl leider nicht mehr ändern und wird sich wahrscheinlich auch beim x-ten Teil noch falsch anfühlen.
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Die Konflikte wirken im Sequel ungleich dringlicher, wobei der eh schon prominente Cast sogar noch um zwei weitere Stars erweitert wird: Tom Schilling („Das fliegende Klassenzimmer“) steuert als beamtenmäßiger Vorzeige-Vormund soliden Stinktier-Slapstick bei, während Moritz Bleibtreu („Caveman“) leider nur einen fiesen Geschäftsmann von der Stange gibt. Die „Woodwalkers“-Filme werden bei der Schilderung des Internat-Alltags nie die Tiefe von „Harry Potter“ erreichen, dafür sind schon die Vorlagen viel zu knapp, doch gibt es trotzdem viele nette kleine Ideen: So bekommen die Gestaltwandler-Teens diesmal speziellen Menschenunterricht, bei dem sie die Mimik der Menschen zu deuten lernen – fast so wie bei einem Hundetrainer, nur andersherum. Gerne mehr davon (die verschiedenen, eben nicht alltäglichen Unterrichtsfächer waren ja auch stets eines der Hogwarts-Highlights).
Neben dem unglaublich süßen Wolfs-Welpen Miro ist auch das Ende gelungen – und das nicht nur wegen einer kathartischen Umweltschutz-Gemeinschaftsaktion, sondern auch wegen der durchaus ambivalenten Positionierung von Bösewicht Andrew Milling. Wo wir uns am Ende von „Woodwalkers“ echt gefragt haben, warum man sich davon bitte schön noch mehr anschauen sollte, macht das Finale der Fortsetzung tatsächlich Lust auf „Woodwalkers 3“, der nach aktuellem Stand dann im September 2027 in die Kinos kommen soll.
Fazit: Zumindest klar besser als der erste Teil.