The Unholy Trinity
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
The Unholy Trinity

"Yellowstone" auf Sparflamme

Von Lutz Granert

In den letzten Jahren wurde ein Areal nahe der kleinen Stadt Livingston im US-Bundesstaat Montana zu einem beliebten Drehort, wenn es um Cowboys, rauchende Colts und Native Americans ging. Schließlich bietet die Yellowstone Film Ranch mit einer kompletten Westernstadt, abgelegenen Holzhütten im Wald, Stollen in den Bergen und weiten Steppen so ziemlich alle Motive, die es für einen soliden Western braucht.

Neben der Erfolgsserie „Yellowstone“, bei der die Dreharbeiten zur jüngst erschienenen fünften Staffel etwa 12 Millionen US-Dollar pro Folge verschlangen, wurde auch die schmal budgetierte Independent-Produktion „The Unholy Trinity“ hier gedreht – wobei der finanzielle Unterschied besonders in Ausstattung und Action augenfällig ist. Der genreerfahrene Regisseur Richard Gray („Mord in Yellowstone City“) konnte zwar auf ein prominentes, von Ex-007-Darsteller Pierce Brosnan und Samuel J. Jackson („The Hateful 8“) angeführtes Ensemble zurückgreifen, liefert aber ohne Alleinstellungsmerkmale nur einen mittelprächtigen Western von der Stange.

Sheriff Gabriel Dove (Pierce Brosnan) hat so seine Mühe damit, im Städtchen Trinity den Frieden zu bewahren. LEONINE
Sheriff Gabriel Dove (Pierce Brosnan) hat so seine Mühe damit, im Städtchen Trinity den Frieden zu bewahren.

Montana, 1888: Der unbedarfte Henry Broadway (Brandon Lessard) wird Zeuge, wie sein Vater Isaac (Tim Daly) hingerichtet wird – und will sich dafür am verantwortlichen Sheriff Saul Butler rächen. Er reist dafür ins kleine Städtchen Trinity, findet hier jedoch heraus, dass der Gesetzeshüter bereits tot ist – vermeintlich ermordet von der flüchtigen Blackfoot-Indianerin Running Cub (Q'orianka Kilcher). Der neue Sheriff Gabriel Dove (Pierce Brosnan) und seine Frau, Ärztin Sarah (Veronica Ferres), nehmen Henry unter ihre Fittiche, der alsbald in Notwehr den Anführer einer Gangsterbande erschießt. Doch mit Henry ist auch der undurchsichtige St. Christopher (Samuel L. Jackson) nach Trinity gereist, der es auf Isaacs hier versteckten Goldschatz abgesehen hat und keine Skrupel kennt, die nicht gerade friedliebenden Bewohner des Städtchens gegeneinander auszuspielen...

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Im Skript von „The Unholy Trinity“ finden sich abseits des ursprünglichen Rache-Plots schnell gesellschaftskritische Motive, die zumindest versuchen, aus Genre-Stereotypen auszubrechen. Die Identifikationsfigur ist ein weichlich-naiver Milchbubi, der die Urne mit der Asche seines Vaters mit sich herumträgt, nur durch Zufall und mit fremder Unterstützung aus brenzligen Situationen herauskommt – und damit eine geerdete Antithese zum strahlenden Western-Helden darstellt.

„The Hateful 8“-Star Samuel L. Jackson kann mit dem ihm eigenen Charme punkten – aber leider nur viel zu selten. LEONINE
„The Hateful 8“-Star Samuel L. Jackson kann mit dem ihm eigenen Charme punkten – aber leider nur viel zu selten.

St. Christopher wiederum lebte bis zum Sezessionskrieg als Sklave, stahl das Gold seines Besitzers und wurde später von Isaac wieder in Ketten gelegt – während Running Cub fernab ihres vertriebenen Stammes ein entbehrungsreiches Dasein als Einsiedlerin fernab der Zivilisation führt. Aus den beiden letzten Figuren und ihren eigentlich tragischen Schicksalen wird jedoch in dem unentschlossen zwischen (Ersatz-)Vater-Sohn-Drama und Rache-Western mäandernden Plot zu wenig herausgeholt:

Samuel L. Jackson fehlt es hinter dem Predigen von Bibelversen und seinem typischen verschmitzten Grinsen schlicht an Screentime, und Q'orianka Kilcher, die mit einer ähnlichen Rolle als Pocahontas in Terence MalicksThe New World“ (2005) ihren Durchbruch feierte, wirkt mit dickem Make-Up und aufgespritzten Lippen unter viel zu großem Hut als Indigene reichlich unglaubwürdig. Als zweite gebürtige Deutsche im Cast liefert die inzwischen ebenfalls in Hollywood angekommene Veronica Ferres als Ärztin eine ungleich solidere, wenn auch unauffällige Leistung ab.

Nicht nur Pierce Brosnan sorgt für unfreiwillige Komik

Ohnehin weist der leidlich spannende, mit vielen hübschen Landschaftsaufnahmen der schneebedeckten Berge von Montana und immerhin ein paar soliden Shoot-Outs aufwartende Günstig-Western einige unfreiwillige Komik auf. Pierce Brosnan, dessen beide Söhne Dylan und Paris in Nebenrollen zu sehen sind, wirkt zwar mit irischem Akzent markig und spielfreudig, wenn auch mit über 70 Lenzen inzwischen etwas hüftsteif – springt aber zum großen Showdown am Ende mal eben lässig vom Vordach des ersten Stocks auf den Boden.

Auch ist mit einem tollkühnen Tag-Nacht-Wechsel rätselhaft, wie lange St. Christopher braucht, um nachmittags die nicht mal 100 Meter vom leeren Saloon zur Kirche zu laufen, wo er eine Entdeckung macht, mit der dann rein dramaturgisch gar nichts geschieht. Ein kurzer Schusswechsel, ein langsam um sich greifender Brand – das war's. Gerade das Finale vergurkt „The Unholy Trinity“ damit ordentlich, während man über einige lieb- und leblose Innenkulissen (etwa der arg geleckt wirkende Saloon und das sehr puristisch eingerichtete Gotteshaus) ungleich gnädiger hinwegsehen kann.

Fazit: Richard Gray gelingt mit der Power zweier souveräner Alt-Stars ein solider Western, dem es an Stringenz und – wie beim enttäuschenden Finale – an Souveränität mangelt. „The Unholy Trinity“ bietet solide, aber auch sichtlich preisgünstige Genre-Kost.

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