Soooo süß – aber leider auch ziemlich öde
Von Asokan Nirmalarajah„Moon, der Panda“ ist der jüngste Spielfilm des französischen Dokumentarfilmers Gilles de Maistre. Der ausgebildete Journalist startete seine Karriere mit Fernsehreportagen, bis er 2018 schließlich ins narrative Fach (und ins Kino) wechselte – und zwar mit dem bahnbrechenden Tierfilm „Mia und der weiße Löwe“, an dem er drei Jahre drehte, um die aufblühende Freundschaft zwischen einem jungen Mädchen und einem Löwen möglichst authentisch erzählen zu können. Mit „Der Wolf und der Löwe“ sowie „Ella und der schwarze Jaguar“ ließ de Maistre zwei weitere Filme folgen, die zwar ähnlich einfach gestrickt waren, aber das immer größer werdende Publikum mit Charme, Witz und sentimentaler Familienbande doch für sich einnehmen konnten. So schaffte es „Ella und der schwarze Jaguar“ 2024 mit mehr als 1,1 Millionen Zuschauer*innen in Deutschland sogar unter die Top 20 der meistbesuchten Kinofilme des Jahres.
Bei „Moon, der Panda“ aber hat sich de Maistre nun das erste Mal verkalkuliert – und liefert statt spektakulärer Tierbilder vor allem ein ermüdend langatmiges Familiendrama. Im Mittelpunkt der ereignisarmen Geschichte steht leider selten der sehr süße Baby-Panda Moon, sondern vor allem sein menschlicher Retter Tian (Noé Liu Martane). Der Teenager sucht zwischen seinen modern orientierten Eltern, seiner ambitionierten Schwester und seiner altklugen Oma nach seinem Platz in der Familie. Aber zwischen der komplett vorhersehbaren Handlung, dem hölzernen Schauspiel sowie den plumpen Dialogen, bei denen jeder wiederholt aufsagt, was er gerade fühlt und wie er zu den anderen Personen steht, strauchelt Maistre zunehmend bei dem Versuch, irgendeine Art von Spannung zu erzeugen.
Weltkino Filmverleih
Wie aus seinen vorherigen Filmen gewohnt, beginnt Gilles de Maistre auch in „Moon, der Panda“ mit einer direkten Gegenüberstellung der urbanen und ländlichen Lebensräume seiner Figuren: Von der malerischen Kulisse im Umfeld der Panda-Familie, die sich auf den sonnigen Bergen der chinesischen Sichuan-Region herumwälzt, springt die Kamera in das grelle Nachtleben der Stadt Chengdu, wo die Tians Familie zusammenkommt, um seinen Geburtstag zu feiern. Dort stellt seine Oma Nai Nai (Sylvia Chang) entsetzt fest, dass alle Familienmitglieder aneinander vorbei leben: Tian wird immerzu von seiner Spielekonsole abgelenkt, Vater Fu (Ye Liu) kommt zu allen Familienereignissen zu spät und arbeitet dann noch weiter auf seinem Handy, Tochter Liya (Nina Liu Martane) denkt nur an ihr Tanztraining – und Mutter Emma (Alexandra Lamy) versucht verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten.
Um ihnen die Natur wieder näherzubringen, lädt Nai Nai ihre Enkelkinder zu sich aufs Land ein. Auf seinen Streifzügen durch die dichten Bambuswälder entdeckt Tian ein verlorenes Panda-Baby, das er zurück zu seiner Tierfamilie bringt. Fortan begegnen sich Teenager und der Panda, den Tian aufgrund seines Mondgesichts „Moon“ tauft, immer wieder im Wald – und schließen eine geheime Freundschaft, die schon bald schon durch Tians verständnislosen Vater sowie die sonstigen Gefahren des Waldes auf die Probe gestellt wird…
Auch bei „Moon, der Panda“ arbeitet Gilles de Maistre wieder mit seiner Frau Prune de Maistre, die das Drehbuch beigesteuert hat. Nur leider kann der Filme weder als Drama über eine zersplitterte Familie, die wieder zusammenwachsen muss, noch als klassischer Tierfilm über die Freundschaft zwischen einem Kind und einem wilden Tier überzeugen. Überhaupt hat „Moon, der Panda“ viel weniger Schauwerte als die Vorgängerfilme von de Maistre zu bieten.
Vielleicht ist das auch dem Umstand geschuldet, dass das Terrain, das den Hintergrund der Geschichte bildet, weit weniger dramatisch und gefährlich ist als die afrikanische Steppe in „Mia und der weiße Löwe“, die kanadische Wildnis in „Der Wolf und der Löwe“ oder der Regenwald des Amazonas in „Ella und der schwarze Jaguar“. Auch ist der gemütlich herumtollende Panda auf Dauer ein weniger eindrucksvoller Szenenpartner als die Raubtiere, die als Protagonisten der früheren Regiearbeiten von de Maistre dienten.
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Der titelgebend Panda-Bär ist zwar wunderbar niedlich, aber zugleich auch so unaufgeregt und entspannt, dass er weder als wildes Tier noch als Persönlichkeit besonders in Erinnerung bleibt. Die vorhersehbare Handlung und die klischeehaften Figuren sowie das ungelenke Schauspiel von Nicht-Muttersprachler*innen, die zumindest in der Originalversion mit hölzernen englischen Dialogen zu kämpfen haben, bremsen den Film immer wieder aus. Allein der kindliche Wald-und-Wiesen-Slapstick des ständig auf etwas herumkauenden Baby-Pandas täuscht nicht über diese Schwächen hinweg. Da kann sich auch die Leinwand-Veteranin Sylvia Chang, unvergessen in „Eat Drink Man Woman“, als Oma Nai Nai noch so abmühen, etwas Leben ins Geschehen zu bringen. Es reicht am Ende doch nicht.
Fazit: Auch der sehr süße Panda-Protagonist täuscht nicht über die erzählerischen Schwächen und mangelnden Schauwerten hinweg. Nach seinen bisherigen Kinohits gelingt es Gilles de Maistre diesmal einfach nicht, einen Weg zu finden, seine arg konstruierte Handlung auf der Leinwand lebendig werden zu lassen.