Der Super Mario Galaxy Film
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Der Super Mario Galaxy Film

Hyperaktives Galaxien-Gehopse

Von Christoph Petersen

Die ikonisch missratene „Super Mario Bros.“-Realverfilmung von 1993 hat so tiefe Wunden hinterlassen, dass Nintendo anschließend drei Jahrzehnte lang darauf verzichtete, seine neben „Pokémon“ wertvollste Marke auch in filmischer Form auszuwerten. Dass man da eine Menge Geld auf der Straße hat liegen lassen, zeigte sich 2023, als „Der Super Mario Bros. Film“ hierzulande mehr als fünf Millionen Besucher*innen in die Kinos lockte und global mehr als 1,3 Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Das reichte sowohl in Deutschland als auch weltweit für Platz 2 der Jahrescharts, jeweils hinter einem weiteren Kinderzimmer-Klassiker: „Barbie“. Aber während Greta Gerwig, Mattel und Warner Bros. noch immer rätseln, wie sich die eine Hälfte des Barbenheimer-Phänomens eventuell wiederholen ließe, haben Nintendo und das „Minions“-Studio Illumination Entertainment mit der Fortsetzung „Der Super Mario Galaxy Film“ nichts anbrennen lassen.

Drei Jahre Produktionszeit sind für einen animierten Hollywood-Kinofilm ohnehin keine lange Zeit. Aber das Tempo der Fortsetzung wirkt sogar noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass „Der Super Mario Galaxy Film“ nicht nur erneut fantastisch aussieht, sondern auch bis obenhin vollgestopft ist mit aus den Videospielen bekannten Welten, Figuren, Geräuschen und Handlungselementen. Von den kaum noch zählbaren Easter Eggs mal ganz zu schweigen. Schon in der Kritik zum Vorgänger haben wir festgehalten, dass „kaum eine Sekunde vergeht, in der es bei Fans nicht ‚Ding!‘ macht und man sich an einen anderen wohligen Moment seiner ganz persönlichen Nintendo-Historie erinnert fühlt“. Bei „Der Super Mario Galaxy Film“ sind wir jetzt gefühlt im Millisekunden-Bereich angelangt: In jedem beliebigen Screenshot müsste man wohl minutenlang suchen, um wirklich alle Anspielungen und Bezüge zu entdecken. Aber das unablässige Wiedererkennungs-Dauerfeuer hat nicht nur positive Seiten.

Bonsai-Bowser: Noch sitzt der Bösewicht im Miniatur-Format in seiner persönlichen Puppenhaus-Festung fest! Universal Pictures
Bonsai-Bowser: Noch sitzt der Bösewicht im Miniatur-Format in seiner persönlichen Puppenhaus-Festung fest!

Dank der tatkräftigen Unterstützung von Mario (Stimme im Original: Chris Pratt) und Luigi (Charlie Day) ist wieder Frieden ins Pilzkönigreich von Prinzessin Peach (Anya Taylor-Joy) eingekehrt. Der auf amiibo-Größe geschrumpfte Bonsai-Bowser (Jack Black) hockt unterdessen in seinem Puppenhaus-Gefängnis und arbeitet daran, seine ständigen Wutausbrüche mit einer Kunsttherapie in den Griff zu bekommen. Aber während Mario und Luigi bei einem Klempner-Einsatz in der Wüstenstadt Tostarena einen neuen Freund in Gestalt des niedlichen Dinos Yoshi (Donald Glover) finden, kommt es auf einem anderen Planeten zur Katastrophe: Die Sternenmutter Rosalina (Brie Larson) liest ihren Lumas gerade eine Gutenachtgeschichte vor, als ihr Schloss vom rachsüchtigen Pinselschwinger Bowser Jr. (Benny Safdie) attackiert wird.

Der Bösewicht-Sprössling will die Zauberenergie der gekidnappten Prinzessin nutzen, um damit eine weltenzerstörende Kanone auf seiner Todesstern-artigen Planetenfestung zu befeuern. Zum Glück schafft es eines der Lumas bis ins Pilzkönigreich, um Peach um Hilfe zu bitten. Es beginnt eine an Zwischenstationen reiche Reise durch die Galaxien, bei der die Rettungscrew u. a. auf die Hilfe des draufgängerischen Weltraumpiloten Fox McCloud (Glen Powell) angewiesen ist, um noch rechtzeitig an ihr Ziel zu gelangen …

Wer lieber schaut als liest, kann sich hier auch unsere YouTube-Kritik zu Der Super Mario Galaxy Film ansehen:

Auf ihn haben die Fans am meisten gewartet!

Peach kennt jeder, Rosalina vermutlich deutlich weniger. „Der Super Mario Galaxy Film“ steigt in seiner 98-minütigen Laufzeit noch mal viel tiefer und spezifischer in die Videospiel-Lore ein als der Vorgänger. Zugleich reicht er sogar über die reine Mario-Welt hinaus und macht mit dem „StarFox“-Helden Fox McCloud den ersten Schritt hin zu einem möglichen „Super Smash Bros.“-Kinofilm. Aber los geht es erst einmal mit dem heiß erwarteten Auftritt eines absoluten Super-Mario-Allstars: Yoshi! Der dauerhungrige Dino verwendet eine Fantasiesprache, bei der man nur seinen eigenen Namen immer wieder heraushören kann – fast ein wenig wie Groot von den „Guardians Of The Galaxy“. Deshalb ist Donald Glover der einzige US-Star, der auch in der deutschen Fassung dabei ist – schließlich muss man das ohnehin unverständliche Gebrabbel nicht übersetzen.

Ein erster Marsch durch New York City macht auf Anhieb richtig Bock – und mit seinen ständigen Jumpcuts zudem auch noch visuell echt was her! Man freut sich direkt auf die folgenden Interaktionen mit Mario und Luigi. Aber Pustekuchen! Yoshi nutzt in der Folge zwar immer wieder seine lange Zunge, um in besonders passenden (oder noch besser: besonders unpassenden) Momenten etwas herunterzuschlucken (und verpackt in ein Ei mit den ikonischen grünen Punkten wieder auszuscheiden). Aber abgesehen von diesem soliden Running Gag bekommt Yoshi kaum etwas zu tun – und selbst damit wird er noch besser behandelt als die meisten anderen Figuren. „Der Super Mario Galaxy Film“ führt im Minutentakt neue (Videospielfans natürlich altbekannte) Charaktere ein – nur weiß er dann kaum etwas mit ihnen anzufangen.

Auf ihn haben alle gewartet: In „Der Super Mario Galaxy Film“ ist endlich auch Fanfavorit Yoshi (Donald Glover) mit von der Partie! Universal Pictures
Auf ihn haben alle gewartet: In „Der Super Mario Galaxy Film“ ist endlich auch Fanfavorit Yoshi (Donald Glover) mit von der Partie!

Selbst Mario und Luigi haben diesmal erschreckend wenig Highlights. So erscheinen „Avengers: Infinity War“ und „Avengers: Endgame“ in der Rückschau nur noch beeindruckender: All diese angesammelten Figuren – und trotzdem hat jede ihre ganz persönlichen Szenen bekommen. In „Der Super Mario Galaxy Film“ ist hingegen nach dem ersten Wiedererkennungs-Hype (oder der Frage: „Hä, muss ich den kennen?“) meist direkt schon wieder Schluss. Für die zahlreichen besuchten Welten gilt übrigens genau dasselbe. Es gibt zwar einen Nostalgie-Zuckerschock nach dem anderen, aber dann kommt selten etwas Nahrhaftes hinterher – fast wie beim Doomscrolling auf TikTok, wo die Zeit auch im Flug vergeht, aber kaum mal was hängenbleibt. Der Film zehrt allein von unseren Erinnerungen an frühere Konsolenerlebnisse – schafft aber selbst kaum neue Momente, die über das Rollen des Abspanns hinausreichen.

Die einzige Beziehung, die zumindest ein wenig berührt, ist tatsächlich die von Bowser Jr. zu seinem Vater, der ihm schon im Kindesalter per Puppentheater seinen Traum von der weltenzerstörenden Allmacht eingetrichtert hat. Der fehlgeleitete „Ich will doch nur, dass mein Papa mich liebhat“-Overkill von Bowser Jr. ist tatsächlich erstaunlich berührend und stimmig hergeleitet. Auch in den alles dominierenden Verfolgungssequenzen, die ansonsten allzu zahlreich sind und sich irgendwann kaum noch voneinander abheben, erweist sich Bowser Jr. mit seinem Zauberpinsel als MVP: Seine lilafarbenen Kleckse, mit denen er aus dem Nichts Kreaturen wie einen gewaltigen Tintendrachen erschaffen kann, erweisen sich als kreativer Hoffnungsschimmer im allgemeinen Action-Allerlei.

Fazit: Mehr Action, mehr Tempo, mehr Figuren. Weniger Humor, weniger Charme, weniger Story. Aber dafür erneut die volle Dröhnung Nostalgie, diesmal vor allem für all jene, deren prägendste Videospiel-Phase in der „Super Mario Sunshine“- und „Super Mario Galaxy“-Epoche zwischen 2002 und 2013 lag.

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