Zum Abschluss wenig Neues
Von Asokan Nirmalarajah„Downton Abbey: Das große Finale“ ist nicht nur der Abschluss einer Kino-Trilogie, die mit „Downton Abbey“ (2019) ihren Anfang nahm und mit „Downton Abbey II: Eine neue Ära“ (2022) erstmals fortgesetzt wurde. Das zweistündige Familiendrama ist auch das – laut den Machern – endgültige Ende der „Downton Abbey“-Saga über die gesellschaftlichen und privaten Schicksale der adligen Familie Crawley und ihrer Bediensteten auf ihrem prächtigen Anwesen im britischen Yorkshire zwischen den 1910er- und 1930er Jahren.
Somit richtet sich der Film als „großes Finale“ auch nur an die Hardcore-Fans, die alle sechs Staffeln der Serie und die zwei Kinofilme davor gesehen haben und sämtliche Anspielungen auf die Geschichte der Crawleys verstehen. In der Hand von „Eine neue Ära“-Regisseur Simon Curtis ist das im Ergebnis mal rührend und mal komisch – aber ein unvergessliches Finale ist es leider nicht geworden. Dafür drehen sich Figuren und Handlung zu viel im Kreis.
Universal Pictures
Die große Trauer über den Tod von Violet Crawley (Maggie Smith) sitzt noch tief, schon wird die Familie Crawley mit dem nächsten unerwarteten Skandal überrannt. Und wer anderes als Lady Mary Talbot (Michelle Dockery) steht mal wieder im Mittelpunkt der Aufregung in der feinen Gesellschaft. Mary hat der Scheidung von ihrem Ehemann zugestimmt, was sie zu einer Persona non grata in der Londoner High Society macht.
Die dickköpfige Gutsherrin von Downton Abbey ist nicht mehr gern gesehen, was die Leitung des Anwesens erschwert. Auch die US-Rezession der 1930er-Jahre ist nicht an den Crawleys vorbeigegangen und zeigt sich in Form von Marys amerikanischem Onkel Harold Levinson (Paul Giamatti), der die Erbschaft seiner Schwester Cora (Elizabeth McGovern) verspielt hat und jetzt um Geld bittet, wofür Marys Vater Robert (Hugh Bonneville) ihre Londoner Bleibe verkaufen muss...
Der Ursprung von „Downton Abbey“ liegt für Autor und Serienschöpfer Julian Fellowes in seinem Oscar-prämierten Drehbuch für Robert Altmans Gesellschaftssatire „Gosford Park“ (2001). Ursprünglich sollte die ITV-Serie auch einfach nur eine Serienauswertung des Kinoerfolgs werden. Aber dann schrieb Fellowes eine neue Geschichte, die zeitlich vor „Gosford Park“ spielt (ab den 1910er- statt in den 1930er Jahren) und auf die Murder Mystery des Kinovorbildes verzichtet, die Upstairs-Downstairs-Dramatik entlang der Klassenschranken zwischen einer reichen Adelsfamilie, ihren Verwandten und den Bediensteten auf einem opulenten englischen Landsitz aber beibehält. Was dabei verloren ging, war der satirische Biss von Regisseur Altman – der ersetzt wurde durch die typische Melodramatik einer Soap-Opera. Die „Downton Abbey“-Filme blieben trotz der einen oder anderen aufwändigen Kamerafahrt diesem Konzept treu.
„Downton Abbey: Das große Finale“ beginnt mit einem langen Tracking Shot durch ein verregnetes London Anfang der 1930er hinein in eine nächtliche Theateraufführung, alles ohne erkennbaren Schnitt. Doch abgesehen von diesem imposanten Auftakt und einem befriedigend sentimentalen Ende voller Abschiede und Rückblicke auf 15 Jahre mit den Figuren von „Downton Abbey“ ist Teil 3 im Kern dasselbe Dialogdrama in Kammerspiel-Atmosphäre geblieben – samt prunkvoller Kostüme und Räume, in denen eine Riege solider Darsteller*innen leicht plumpe, oft erklärende, meist wenig subtile, aber doch berührende und witzige Unterhaltungen führen.
Wie für eine Serie dieser Art üblich, verändern sich die Figuren nicht sonderlich, sondern spielen nur ihre Eigenarten in neuen Szenarien aus. Das fühlt sich mitunter zwar wohltuend vertraut an, doch insgesamt mangelt es an Entwicklung. So reden Vater Robert und Tochter Mary immer wieder über die Ahnenfolge und wie die Moderne die Tradition eindampfen wird – dabei führen sie und auch die Serie diese Diskussion eigentlich schon seit Folge 1.
Sonderlich Virtuoses gibt es im letzten Akt von „Downton Abbey“ leider auch nicht zu sehen. Mit Wehmut denkt man an die zweite Hälfte des ersten Films zurück, die die besten Sequenzen der gesamten Saga enthält – hier haben alle Figuren und Handlungsstränge so perfekt zusammengewirkt, dass sich Dramatik und Komik bis zum Höhepunkt, einem witzigen Fauxpas eines Bediensteten beim Dinner der königlichen Familie, immer weiter steigern konnten. Solche Momente sind rar im letzten und eher mühsamen Teil der Reihe. Selbst eine der Figuren thematisiert diesen Umstand indirekt, wenn sie das Ende der Crawley-Familie sinngemäß mit folgenden Worten kommentiert: „Ich dachte, wir würden mit einem Knall enden, nicht mit einem Wimmern“.
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Ganz so gravierend ist die Einfallslosigkeit vom „großen Finale“ aber dann doch nicht. Trotz eines narrativen Hängers in der Mitte des Films vermag Julian Fellowes auf der Zielgeraden doch noch die Herzen der Zuschauer zu gewinnen – mit einem Dinner, bei dem die Adligen, die eingeladenen Künstlerhelden ihrer Zeit und sogar die Bediensteten ein letztes Mal zusammenkommen. Das routinierte Ensemble ist dabei so stark, dass selbst ein Paul Giamatti als gastierender Onkel nicht aus der Masse herausragt.
Fazit: Der Schlussakt der Saga liefert leider kein kinotaugliches „großes Finale“, aber doch ein solides, nostalgiegetränktes Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren, das sich vor allem an echte Fans richtet. Alle Figuren haben mehr Falten im Gesicht, doch ihre Persönlichkeiten sind im Wesentlichen die gleichen geblieben, sodass sie sich auch am Ende noch mit den ewig gleichen Themen und Problemen im Kreis drehen. Das ist nicht besonders aufregend, aber unterm Strich emotional durchaus befriedigend.