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    Hexen hexen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Hexen hexen
    Von Sophie Charlotte Rieger
    Etliche Kinderbücher von Roald Dahl haben erfolgreich den Sprung auf die Leinwand geschafft, darunter Danny DeVitos "Matilda" oder Tim Burtons "Charlie und die Schokoladenfabrik". Und auch Kultregisseur Nicolas Roeg ("Wenn die Gondeln Trauer tragen") adaptierte ein Werk von Dahl, dass es nicht zuletzt dank seiner Hauptdarstellerin zum Kinderfilmklassiker gebracht hat: Denn im 1990 gedrehten "Hexen hexen" spielt keine Geringere als Anjelica Huston die fiese Oberhexe, die nichts weniger als die Ausrottung aller Kinder plant. Dementsprechend gruselig geht es in der Jim Henson-Produktion zu.

    Nachdem seine Eltern gestorben sind, lebt Luke (Jasen Fisher) bei seiner Großmutter (Mai Zetterling). Die berichtet ihrem Enkel von der Existenz der Hexen, die verkleidet in der Gesellschaft leben und alle Kinder hassen. Erkennen kann man sie an ihrer violett leuchtenden Augen, den Handschuhen und der juckenden Kopfhaut, so Lukes Oma. Als dieser mit seiner Großmutter einen Urlaub an der See verbringt, findet in ihrem Hotel zufällig eine getarnte Hexenversammlung statt. Über alle Merkmale aufgeklärt erkennt Luke zwar schnell die wahren Ambitionen der angeblichen Wohltäterin Frau Ernst (Anjelica Huston), doch es ist bereits zu spät: Mit Hilfe eines Zaubertranks verwandelt ihn die Oberhexe in eine Maus. Wie soll Luke jetzt noch verhindern, dass die Hexen auch alle anderen Kinder verhexen?

    Luke ist ein typischer starker Kinderheld, wie man ihn aus zahlreichen Geschichten Roald Dahls kennt. Den Tod seiner Eltern verkraftet der Kleine tapfer, zu seiner Großmutter pflegt er ein enges und zärtliches Verhältnis und selbst die Verwandlung in eine Maus kann ihn nicht unterkriegen: Luke ist clever, mutig und gibt niemals auf. Ganz anders als der übergewichtige Bruno (Charlie Potter), den er im Hotel kennen lernt und der zu seinem hasenherzigen Gefährten im Kampf gegen die Hexen wird. Neben dem tollpatschigen Bruno sorgt vor allem Rowan Atkinson für komödiantische Momente. Als grimmiger und überforderter Hotelmanager lässt er hier, so wie in seiner bekanntesten Rolle als Mr. Bean, vor allem seine Mimik und Gestik spielen.

    Die komödiantischen Elemente sind in "Hexen hexen" von besonderer Bedeutung, entlasten sie doch die angespannten Nerven der kleinen Zuschauer. Denn die Geschichte der Hexen, die unerkannt in unserer Mitte leben und kleine Kinder töten, ist nichts für schwache Gemüter. Wenn sich Anjelica Huston ihre Maske abnimmt, offenbart sie das grausige Bild einer abgrundtief hässlichen Hexe. In der Originalversion spricht Huston zudem mit einem herrischen deutschen Akzent, der in der deutschen Synchronisation bedauerlicherweise verloren geht. Aber auch so ist ihre gesamte Präsenz, selbst in der Maske eines Menschen, Angst einflößend.

    Das Gegenstück zur skrupellosen Oberhexe ist Lukes Großmutter. Die inzwischen verstorbene Mai Zetterling wirkt wie eine typische Kinderbuchoma: Sie hat spannende Geschichten zu erzählen, ist liebevoll und gutmütig und ebenso mutig wie ihr Enkel. Mit der Geborgenheit, die ihre Figur ausstrahlt, gleicht sie die Bösartigkeit der Hexen aus und der kleine Zuschauer weiß: Solange es solche Omas gibt, sind auch Hexen keine wirkliche Gefahr. Der Gruselfaktor der Geschichte wird zudem durch das Ende unterlaufen, von dessen Änderung im Vergleich zum Buch Roald Dahl alles andere als begeistert war. Wie dem auch sei, das Happy End beruhigt fraglos die Nerven der Zuschauer, die durch Lukes spannendes Abenteuer zum Zerreißen gespannt waren. Zudem vermittelt die veränderte Auflösung der Geschichte eine schöne Moral: Hass macht hässlich, aber Liebe macht schön.

    Doch nicht nur als Kinderfilm kann "Hexen hexen" überzeugen: Momente des "Erwachsenenhumor", wie die Affäre des Hotelmanagers mit einem Zimmermädchen oder die hygienischen Zustände in der Hotelküche gehen fraglos über das Verständnis kleiner Kinder hinaus. Letztlich überzeugt der Film aber gerade dadurch, dass die Geschichte von den versteckt lebenden Hexen eben auch das Interesse der großen Zuschauer wecken kann, zumal Lukes Abenteuer so spannend inszeniert sind.

    FAZIT: "Hexen hexen" bietet liebevoll konstruierte Kinderfilmcharaktere in einer Geschichte, die Groß und Klein auf Trab hält. Die gruseligen Momente werden dabei durch viel Humor und das versöhnliche Ende wieder ausgeglichen.
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