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    Zufällig verheiratet
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Zufällig verheiratet
    Von Anna Lisa Senftleben
    Es ist schade, dass sich manche erstklassigen Schauspielerinnen immer wieder auf Filme einlassen, die sie für vermeintliche romantische Sahnestücke halten, deren Skripte aber nur so vor Gesellschaftsklischees und vorhersehbaren Wendungen strotzen. Dies trifft auch auf Griffin Dunnes Rom-Com „Zufällig verheiratet“ zu, die sich leider als Plunder statt Sahne entpuppt. In dieser verkauft sich die wunderbare Uma Thurman in der Rolle einer erfolgreichen Radio-Beziehungsexpertin, die dem falschen Feuerwehrmann einen Strich durch die Rechnung macht, weit unter Wert.

    Dr. Emma Lloyd (Uma Thurman) hätte sich besser zwei Mal überlegt, was sie der verzweifelten Anruferin ihrer Radio-Beziehungsshow rät. Denn nun sinnt der Feuerwehrmann Patrick Sullivan (Jeffrey Dean Morgan, P.S. Ich liebe dich), dessen Verlobte ihn auf Anraten der Liebes-Doktorin verlassen hat, auf Rache. Mit Hilfe des Computer-Nerds von nebenan hackt er sich in das New Yorker Bürgerregister und erklärt sich und die verhasste Radio-Lady kurzerhand zu Mann und Frau. Es dauert nicht lange, bis Emma die Manipulation bemerkt. Immerhin steckt sie gerade in den Hochzeitsvorbereitungen mit ihrem Verleger/Verlobten Richard (Colin Firth). Als sie die notwendigen amtlichen Papiere beantragt, werden ihr diese natürlich verweigert – schließlich ist sie offiziell bereits verheiratet. Notgedrungen macht sich Emma auf die Suche nach ihrem „zufälligen“ Ehegatten, um den vermeintlichen Irrtum aufzuklären…

    Es ist nicht der Vorwurf, dass der Ausgang des Films zu jeder Zeit absehbar ist, der „Zufällig verheiratet“ das Genick bricht. Immerhin handelt es sich um eine romantische Komödie und als solche folgt der Film den bekannten Genre-Gesetzen. Aber nirgendwo steht geschrieben, dass der gesamte Weg bis zum unvermeidlichen Happy End eine einzige überraschungsfreie und einfallslose Durststrecke sein muss. Regisseur Griffin Dunne („Zauberhafte Schwestern“, Fierce People) wäre mit seinem Film gerne in die Fußstapfen erfolgreicher Screwball-Komödien getreten. Dort dreht sich alles um den Kampf der Geschlechter: Ein Mann trifft auf eine Frau. Die beiden können sich zunächst nicht ausstehen und liefern sich geschliffene Dialoggefechte. Am Schluss kriegen sie sich dann natürlich doch. Aber um an die Klassiker des Genres, das seine Hochzeit mit Howard Hawks Leoparden küsst man nicht oder Frank Capras „Es geschah in einer Nacht“ bereits in den 1930er und 1940er Jahren erlebte, heranzureichen, fehlt es „Zufällig verheiratet“ vor allem an einem: an Charme! Und ohne den geht in diesem Genre leider gar nichts.

    Statt für Charme zu sorgen, werden lieber jede Menge Klischees bedient. Dazu bekommt der Zuschauer eine Szene nach der anderen serviert, die zum Fremdschämen geradezu einlädt. Das fängt schon mit der ersten Begegnung von Emma und Patrick an. Die biedere, zugeknöpfte Geschäftsfrau lässt sich in der Stammkneipe ihres unverhofften Ehemannes im Beisein sämtlicher Feuerwehrkumpane die Hucke volllaufen und erwacht am nächsten Morgen mit Filmriss in Patricks Bett. Auch dass Emma alias Uma Thurman von da an ständig mit ihrem schönen Kopf gegen Tisch-, Theken- und alle möglichen sonstigen Kanten stößt, deutet darauf hin, dass das Autorinnentrio Bonnie Sikowitz, Mimi Hare und Claire Naylor einmal zu oft in „Komödienschreiben für Einsteiger“ nachgeschlagen hat. Die unglaubwürdige Story lässt sich vielleicht noch durch das Genre entschuldigen, immerhin widerstrebt Anhängern von Hollywood-Romanzen nichts mehr als trockener Realismus. Doch ganz ohne kreative Einfälle oder neue Gags geht es eben auch nicht: Das Muster der schnieken Lady, die auf einen grundsoliden Kerl zum Pferdestehlen trifft, der sie aus ihrem festgefahrenen und viel zu öden Leben befreit, ist einfach zu sehr „Schema F“, um noch irgendjemanden hinter dem Ofen vorzulocken.

    Auch die Darsteller bleiben weit hinter dem zurück, was sie in der Vergangenheit geboten haben. Allen voran Uma Thurman (Pulp Fiction, Gattaca, Die Super-Ex), die ab dem Moment, als sie nach der ersten Begegnung mit ihrem „Accidental Husband“ (so der Originaltitel) plötzlich zum tollpatschigen Frauchen mutiert, irgendwie fehlplatziert. Colin Firth (Tatsächlich Liebe, Bridget Jones, Mamma Mia!), der ja eigentlich geradezu prädestiniert für die Rolle des wohlhabenden, spießigen Langweilers ist, wirkt in diesem Fall leider wie ein überflüssiges Accessoire ohne jeglichen Charme. Der Charakter seiner Figur besteht im Endeffekt einzig und allein aus der Macke, sich in Stresssituationen mit allem Essbaren vollzustopfen, das sich gerade finden lässt - ein Running Gag, der bestenfalls zu einem müden Schmunzler animiert. Den zweiten männlichen Hauptpart übernimmt der attraktive Jeffrey Dean Morgan (P.S. Ich liebe dich, Watchmen), der als Feuerwehrmann Patrick zwar sexy aussieht, aber auch nicht mehr als ein umwerfendes Lächeln zu bieten hat. Dass ein schlechtes Drehbuch alles andere mit ins Verderben reißen kann, zeigt sich auch an den Nebenrollen: Da gehen selbst ein Sam Shepard (Don‘t Come Knocking) als Emmas Daddy und Isabella Rossellini (Blue Velvet) als Verlegergattin gnadenlos unter.

    Peinlich klischeehaft ist auch die Art, mit der Griffin Dunne andere Kulturen porträtiert. Der deutsche Verleger Karl Bollenbecker (Keir Dullea, der Pilot aus 2001 – Odyssee im Weltraum) blüht auf einer Party erst auf, als das Gespräch auf Fußball kommt. Natürlich ist es für ein deutsches Publikum amüsant, wenn die Hollywood-Stars (auch in der Originalfassung) plötzlich über die Aussichten des zukünftigen Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann diskutieren, ein Klischee bleibt es trotzdem. Viel schlimmer ist aber die farbenfohe Ausschmückung eines indischen Hochzeitsfestes, das direkt aus einem Bollywood-Film übernommen scheint. Indien ist in Hollywood gerade „in“, also musste auch das noch irgendwie mit rein. Das ist übles Zutaten-Patchwork der nervigen Art.

    Fazit: „Zufällig verheiratet“ ist vorhersehbare Langeweile in Reinkultur. Einige wenige nette Momente können die insgesamt einfallslose Story nicht retten. Dazu kommen oberflächliche Charaktere und Null Komma Null Überraschungen.
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