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    Miss Undercover 2
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Miss Undercover 2
    Von Carsten Baumgardt
    Unterhaltung! Das ist das definierte Ziel von Regisseur John Pasquin - neben einer Menge Geld, die sein Film natürlich einspielen soll. Die Action-Komödie „Miss Undercover 2“ entledigt sich jedem noch so kleinen Hauch von zwanghaftem Anspruch oder Realitätsbezug. Pasquin schickt ein gut gelauntes Ensemble auf eine routinierte, Klamauk-orientierte Reise, die so vorhersehbar ist, dass dem Zuschauer der Leichtkostkonsum bei soviel Klischees doch allzu oft vergeht.

    Nach ihrem spektakulären Einsatz bei der Wahl zur Miss United States ist FBI-Agentin Gracie Hart (Sandra Bullock) zum Medienstar aufgestiegen. Eigentlich passt ihr das gar nicht, zumal deswegen beinahe ein Einsatz völlig schief läuft. Ihr Chef McDonald (Ernie Hudson) und dessen Vorgesetzte wollen sich die Popularität der toughen, aber etwas tollpatschigen und ungehobelten Gracie zunutze machen. Sie soll das neue Gesicht des FBI werden. Nach einigem Zögern willigt sie ein und bekommt mit Joel (Diedrich Bader) einen schwulen Stylisten und mit der griesgrämigen Agentin Fuller (Regina King) eine Aufpasserin zur Seite gestellt. Wegen eines Auftrittes verschlägt es Gracie von New York nach Las Vegas. Dort muss sie zunächst als Repräsentantin tatenlos zusehen, wie ihre Freundin Cheryl (Heather Burns), die Siegerin der Miss-United-States-Wahl, zusammen mit Organisator Stan Fields (William Shatner) entführt wird. Die Kidnapper fordern fünf Millionen Dollar Lösegeld. Aber Gracie wird von Las Vegas’ FBI-Boss Collins (Treat Williams) ausgebremst. Sie darf sich nicht an der Suche beteiligen. Doch davon lässt sie sich selbstverständlich nicht abschrecken. Nachwuchsagent Jeff Foreman (Enrique Murciano) ist als Gracies „Kindermädchen“ heillos überfordert...

    Produzentin Sandra Bullock arbeitete bei „Miss Undercover 2“ bereits zum vierten Mal mit Regisseur („Ein Chef zum Verlieben“) und Drehbuchautor („Auf die stürmische Art“, „Miss Undercover 1+2“) Marc Lawrence zusammen. Lockere, leichte Unterhaltung prägt ihre Kooperation. Daran ändert sich beim Sequel zu der Erfolgskomödie (3,2 Millionen Besucher in Deutschland, 107 Millionen Dollar Einspiel in den USA) natürlich nichts. Das Duo geht sogar noch einen Schritt weiter und steht mit „Miss Undercover 2“ an der Schwelle zwischen Action-Komödie und dem unangenehmen Prädikat „Klamauk“.

    Auf dem Regiestuhl vertritt John Pasquin („The Santa Clause“, „Joe Jedermann“, „Aus dem Dschungel in den Dschungel“) seinen Vorgänger Donald Petrie („Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen“, „Willkommen in Mooseport“), was sich eher negativ als positiv bemerkbar macht. „Miss Undercover 2“ ist lediglich eine Variation des ersten Teils und keine konsequente Weiterführung. Dem Schönheitswettbewerb, dessen Protagonisten durch die Entführungsopfer noch teilweise vertreten sind, weicht eine längere Sequenz in einem Travestie-Club am Ende und ansonsten ist der Entertainment-Zoo Las Vegas die knallbunte Bühne. Ist auch alles nicht weiter schlimm. Wer für „Miss Undercover 2“ eine Kinokarte löst, will nicht von tiefsinnigen Gedanken attackiert werden, sondern schlicht und einfach der Kurzweil frönen. Leider gelingt dies nur in Teilen. Eine Reihe nett-harmloser Gags sitzt und Sandra Bullock ist als schusselige FBI-Beamtin eine Bank, aber wenn Autor Lawrence so gar nichts Neues einfällt und er ein abgedroschenes Klischee an das nächste reiht, wird es irgendwann zuviel der Einfallslosigkeit.

    Die Charaktere sind schlampig gezeichnet. Die Wandlung von Gracie ist nicht ansatzweise schlüssig und ihre Abkehr davon, so sicher wie das Amen in der Kirche. Aus der Frau mit dem Charme einer Kalaschnikow wird über Nacht genau das, was sie eigentlich nicht sein wollte („I don’t want to became FBI-Barbie again“). 08/15-Story, Klischees im Dutzend billiger, ein unausgegorenes Drehbuch? Alles egal, wenn’s trotzdem lustig ist. Doch hier steht die flatterhafte Regie von John Pasquin Besserem im Wege. Die sanften Anflüge einer Satire werden durch platten Klamauk im Keim erstickt. „Miss Undercover 2“ taumelt mit zunehmender Dauer zwischen den Subgenres und wirkt nur in den besten Phasen routiniert.

    Den Schauspielern ist kein Vorwurf zu machen. Hollywood-Darling Sandra Bullock („Speed“, „Während du schliefst“, „Mord nach Plan“, „28 Tage“) hat ihren einnehmenden Charme nicht verloren und wird ihre Fans auch mit dieser Rolle zufrieden stellen. Dass ihr Charakter nicht ausgewogen ist, hat sie nicht zu verantworten. Sie macht das Beste daraus. Schwerer hat es Regina King („Ray“, „Cinderella Story“, „Natürlich blond 2“), die als Agentin Miesepeter dem antiken Klischeefundus zu entstammen scheint. Ihr Zusammenspiel mit Bullock klappt dennoch recht passabel. Für das Auge der Frauen ist Enrique Murciano (oder ist es doch Bayern-Fußballstar Hasan Salihamidzic?) mit an Bord. Damit hat er seine Aufgabe dann auch erfüllt. Das Duo William Shatner und Heather Burns ist für die Abteilung Klamotte zuständig, während Alt-Ghostbuster Ernie Hudson Souveränität ausstrahlt. Der heimliche Star der Nebendarstellerriege ist allerdings Diedrich Bader („Napoleon Dynamite“), der als tuckiger FBI-Typberater die besten Gags verbuchen darf.

    Mit etwas mehr Sorgfalt und frischeren Ideen hätte „Miss Undercover 2“ an die federleichte Unterhaltung von Teil eins anknüpfen können, doch Klischees, die teilweise bis an die Schmerzgrenze gehen, verleiden dem Betrachter das Vergnügen nicht in Gänze, aber zumindest teilweise. Für einen durchschnittlichen Film ist das im Endeffekt handwerklich zu wenig. Schade. Das Original war doch eigentlich ganz nett...
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