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    Chucky´s Baby
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Chucky´s Baby
    Von Carsten Baumgardt
    Chucky, die humorlos mordende Puppe, geht in die mittlerweile fünfte Runde. Bei „Chucky’s Baby“ wagt sich erstmals Drehbuchautor und Erfinder Don Mancini, der an allen Skripts beteiligt war, auf den Regiestuhl. Die Besetzung mit einem echten Chucky-Insider brachte allerdings nicht den gewünschten Erfolg. Die inspirationslose Mischung aus Splatter-Horror, Ironie und Satire ist weder witzig, noch spannend oder gar Angst einflößend - der Trashfaktor jedoch voll ausgereizt. Der einstige Antiheld der Popkultur hat Rost angesetzt und sollte sich besser auf die bevorstehende Rente einstellen.

    Chucky (US-Stimme: Brad Dourif), die blutrünstige Mörderpuppe, zeugte mit seiner nicht minder durchgedrehten Braut Tiffany (US-Stimme: Jennifer Tilly) einen Sohn. Glen (US-Stimme: Billy Boyd). Oder vielleicht doch Glenda? Da sind sich alle Beteiligten nicht ganz sicher. Der Junge fristet als Bauchrednerpuppe Shitface ein trostloses Dasein. Als er seine Eltern im Fernsehen bei Dreharbeiten zu „Chucky dreht durch“ („Chucky Goes Psycho“) mit der Schauspielerin Jennifer Tilly (Jennifer Tilly) sieht, macht er sich auf nach Hollywood, um seine Erzeuger kennen zu lernen. Von den mörderischen Genen hat er jedoch herzlich wenig abbekommen – sehr zum Ärger seiner Eltern, die weiterhin einen Heidenspaß am Töten haben. Jennifer Tilly will unbedingt in dem neuen Film von Regisseur Redman (Redman) mitspielen und versucht, ihn mit Sex zu bestechen. Da Chucky und Tiffany auch mit von der Partie sind, nimmt es mit Redman alsbald ein jähes Ende. Auch der Klatschfotograf Pete Peters (John Waters), der Jennifer und Redman beobachtet, steht im Weg, denn Chucky will Jennifer schwängern...

    Im November 1988 hatte die Horror-Ikone Chucky in „Die Mörderpuppe“ („Child’s Play“) den ersten Auftritt im US-Kino. Das Einspiel von 33,2 Millionen Dollar zog bei geringen Produktionskosten und einer recht beachtlichen Fangemeinde zunächst zwei Fortsetzungen nach sich: „Chucky 2 - Die Mörderpuppe ist zurück“ („Child’s Play 2“, 1990/28,5 Mio Dollar Einspiel) und „Chucky 3“ („Child’s Play 3”, 1991/15,0 Mio Dollar Einspiel). Nach dem missratenen dritten Teil herrschte bis 1998 Funkstille, bevor Produzent David Kirschner mit einem neuen Konzept an den Start ging. Den klassischen Horror- und Splatterelementen fügte er nun gleichberechtigt Humor hinzu. Don Mancini: „Wir mussten uns etwas Neues einfallen lassen, um das Überleben der Marke zu gewährleisten.“ Kommerziell ging die Rechnung auf, „Chucky und seine Braut“ („Bride Of Chucky“) spielte 32,4 Millionen Dollar ein. Doch der Kurswechsel verspricht keinen andauernden Erfolg. Der aktuelle Aufguss „Chucky’s Baby“ („Seed Of Chucky“) brachte an den US-Kassen lediglich 17 Millionen Dollar ein – allerdings verbrauchte Regisseur Mancini mit 12 Mio Dollar auch nur die Hälfte des Budgets des Vorgängerfilms. Dennoch befindet sich das „Chucky“-Franchise am Scheideweg. Die Kritiken sind mau und das Interesse der Fans erlahmt.

    Das hat selbstverständlich auch Gründe. Dass die „Chucky“-Filme von vornherein nicht jedermanns Sache sind, ist klar. Eine griesgrämig dreinblickende, 60 Zentimeter große Puppe, die reihenweise Menschen schlachtet, ruft nicht bei allen Kinogängern Begeisterungsstürme hervor (Chucky übers Töten: „Das ist unser Hobby. Das brauchen wir zum Entspannen“). Doch unabhängig davon wirkt „Chucky’s Baby“ abgedroschen. Das Thema ist im Prinzip ausgelutscht und auch Mancini schafft es nicht, für neue Impulse zu sorgen. Chucky mordet im Gespann mit Tiffany wie eh und je. Köpfe werden abgetrennt, Rapper Redman die Gedärme herausgelassen, Bad-Taste-Regieikone John Waters („Pink Flamingos“, „Polyester“, „Serial Mom“) wird das Gesicht verätzt und Popsternchen Hannah Spearritt (von S Club 7) im Todessprung gegrillt. Doch diese Bluttaten rufen keinerlei Emotionen hervor. Das ist weder gruselig, spannend oder gar lustig. Und somit hat „Chucky’s Baby“ ein schwerwiegendes Problem. Womit will der Film eigentlich unterhalten? Mit einer gehörigen Portion Ironie wird die Antwort von Regisseur und Autor Don Mancini lauten. Und tatsächlich. Das ist die einzige Ebene, auf welcher Teil fünf einigermaßen funktioniert - auch wenn die „Shining“-Hommage und die Britney-Spears-Verarsche nicht so recht zünden wollen. Die Anspielung auf Ed Woods „Glen Or Glenda“ ist dagegen etwas besser geglückt.

    Das Film-In-Film-Prinzip ist nun keineswegs neu und Mancini setzt es auch nicht gerade inspiriert um, kann so aber wenigstens ein paar gezielte Seitenhiebe auf Hollywood loswerden. Dieser Unterhaltungsgewinn fordert allerdings auch ein tragisches Opfer: Jennifer Tilly, die bereits in „Chucky und seine Braut“ (stimmlich und körperlich) mitwirkte. Die Kalifornierin, Jahrgang 1958, wurde 1994 für Woody Allens Meisterwerk „Bullets Over Broadway“ für den Oscar nominiert. Durch ihre heißen Liebesspiele mit Gina Gershon in „Bound“, dem coolen Debüt der Wachowski-Brüder, stieg sie zur Ikone der Schwulen- und Lesbenbewegung auf. Und auch in Blockbustern wie „Der Dummschwätzer“ oder „Das Geisterschloss“ mischte Tilly mit. Doch ihre schauspielerische Laufbahn liegt aktuell leider in Trümmern. Genau das spielt sie in „Chucky’s Baby“ – sich selbst, die sich darüber beklagt, dass „die Karriere im Arsch ist“. Das ist unglaublich mutig, aber ebenso bemitleidenswert, weil sich Tilly schamlos erniedrigen muss. Sie lässt sich von Tiffany beschimpfen („Wie kann man nur so fett sein“), muss sich in eine Handtasche kotzend zeigen und sich als sexgeile Schauspielschlampe mit Hang zur Besetzungscouch persiflieren lassen. Das hat schon Ironie, aber mindestens ebensoviel Bitternis, weil die Wahrheit nicht weit entfernt liegt.

    Für wen ist „Chucky’s Baby“ zu empfehlen? Mit einigen Abstrichen lediglich für die Hardcore-Fans der Trash-Reihe, die werden zwar reichlich Aufgewärmtes, aber dafür auch Altbekanntes serviert bekommen. Wer sich nicht zur Anhängerschar zählt, sollte um das Horror-Stück einen möglichst großen Bogen machen, da es für diese Zielgruppe nicht ansatzweise zu genießen ist. Eine Enttäuschung ist Teil fünf allemal, wie sehr, ist jedoch Ansichtssache und kommt auf den Blickwinkel an. Ob es eine weitere Fortsetzung geben wird, ist nach dem derzeitigen Stand fraglich.

    Link-Tipp: Jennifer Tilly im Filmstarts-Interview
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