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    Der Fluch
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Der Fluch
    Von Claudia Holz
    Es ist leider unbekannt, wem der japanische Regisseur Takashi Shimizu ans Bein gepinkelt hat, um nun dazu verflucht zu sein, ein und denselben Film immer und immer wieder drehen zu müssen. Bereits vor dem amerikanischen Remake „Der Fluch“ (Original: „The Grudge“), mit dem ehemals Axt schwingenden Vampiralptraum Sarah Michelle Gellar (total nett gemeint!) in der Hauptrolle, gab es 2000 den japanischen Film „Ju-On“ sowie noch im selben Jahr das Sequel „Ju-On 2“. Drei Jahre danach dachte sich Shimizu, „Das kann ich noch besser“ und drehte „Ju-On: The Grudge“ und „Ju-On: The Grudge 2“ ebenfalls in Japan.

    Da die beiden letzten Filme auf dem asiatischen Markt ziemlich gut ankamen wurde „Spider-Man“-Regisseur Sam Raimi auf den Stoff aufmerksam. Dieser wollte nun auch ein Stück vom Kuchen abhaben und sicherte sich sodann die Rechte. Es scheint ja momentan der Renner zu sein, Filme aus Asien mit amerikanischen Stars erneut zu verwursten. Mal mit mehr Erfolg, wie zum Bespiel bei „The Ring“, mal mit weniger, wie zum Beispiel bei „Der Fluch“. Ein großer Fehler war es, dass sich Shimizu darauf einließ, seine Geschichte über ein verfluchtes Haus und Geisterterror erneut selbst in die Hand zu nehmen. Und damit nicht genug: Es steht bereits fest, dass es auch zum Hollywood-Remake zwei Sequels geben soll. Und wer führt Regie? Drei Mal dürft ihr raten…

    Also noch mal zum mitschreiben: „The Grudge“ ist das Remake eines Remakes mit zwei weiteren Sequels in der Pipeline und einem Regisseur am Start, dem so langsam aber sicher die Ideen ausgehen. Es gibt den Film demnach bald in mindestens sechs (in Worten: SECHS!) verschiedenen Varianten auf Englisch und Japanisch, als unzählige DVDs und der Schöpfer oder das Publikum werden demnächst wahrscheinlich in die Klapse eingewiesen, denn das hält ja keiner auf Dauer aus.

    Aber um was geht es eigentlich in „Der Fluch“? Karen (Sarah Michelle Gellar) ist eine Austauschstudentin in Tokio und arbeitet nebenbei als Pflegerin für soziale Dienste. Als eine Kollegin nicht zur Arbeit erscheint, erklärt sie sich naiverweise dazu bereit, deren Patientin zu übernehmen und macht sich auf den Weg zu einem zunächst völlig normal erscheinenden Haus. Dort angekommen findet sie eine ebenfalls amerikanische, alte Frau verwahrlost und in einem tranceartigen Zustand vor. Dann hört sie schließlich Geräusche auf dem Dachboden und erlebt bald den Horror ihres Lebens. In einer Rückblende erfährt der Zuschauer, welche übernatürlichen Kräfte ihr Unwesen treiben und wie viele Menschen durch einen fürchterlichen Fluch bereits ausgelöscht wurden. Dieser Fluch wurde durch ein schreckliches Ereignis einige Jahre zuvor in diesem Haus erschaffen und frisst sich nun, wie ein Virus, von Mensch zu Mensch. Jeder, der die Schwelle des Hauses übertritt, wird von ihm befallen und muss auf grausame Weise sterben. Es gibt kein Entrinnen, doch Karen beschließt nun mutig, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

    Leider wird „Der Fluch“, im Gegensatz zu gutem Wein, mit den Jahren nicht besser und im Grunde ist das ganze Spektakel aus Hollywood nur eine billige Starkutsche für Sarah Michelle Gellar – und das noch nicht einmal auf hohem Niveau. Vielleicht war es ein Fehler einen weiteren Drehbuchautor an Shimizus Vorlage zu setzen. Im japanischen Original wandert der Fluch von Person zu Person und am Ende steht die Auflösung der Herkunft des Fluchs. Das ist zwar nicht besonders sexy, aber effektiv. Doch hier wurde versucht, mit komplizierten Rückblenden die lineare Erzählweise aufzubrechen und somit eine Hauptperson durch den ganzen Film hindurch zu zeigen. Was dabei herauskommt, ist eine lächerliche Verwirrung, die oftmals heftig am Lachanfall vorbeischliddert.

    Eine ebenfalls nicht besonders kluge Entscheidung fällte der Regisseur selbst, der die neue Struktur völlig außer Acht lässt und sein Original fast Bild für Bild kopiert. Kein Wunder, denn wie lässt sich erwarten, dass Shimizu nach vier Jahren Dauerbeschäftigung mit kleinen japanischen Mädchen, die im Übrigen dringend einen Haarschnitt gebrauchen könnten, überhaupt noch eine originelle Idee haben kann. Desweiteren haben die Amis wohl kräftig an der Ausstattung gespart und beschlossen, den Film im gleichen Set aufzuziehen sowie mit Amerikanern in Tokio zu drehen. Irgendwann allerdings wirken die Ausreden, weshalb jeder US-Amerikaner in diesem Film sich dazu entschlossen hat, nach Tokio zu ziehen, viel zu gewollt und bleiben bis zum Schluss nur ein schmächtiges Konstrukt.

    Zugegeben: „Der Fluch“ beginnt mit einer packenden Szene. Bill Pullmann an einem wunderschönen Morgen vor den Augen seiner überraschten Ehefrau von seinem Balkon springen zu sehen, sollte den Zuschauer erstmal bei der Stange halten. Doch spätestens nach dem ersten obligatorischen Schreckensmoment, als die später verschwundene Pflegerin Yoko (Yoko Maki) auf dem Dachboden Geräusche hört und blöderweise beschließt nachzuschauen, was das ist (das hätte sie natürlich nicht sollen), sinkt die Vorhersehbarkeit auf ein unterdurchschnittliches Maß ab. Danach folgen noch Kratzgeräusche, die sich als harmloser Kater herausstellen, eine Videoüberwachungskamera, die das Spuken eines langhaarigen Mädchens festhält („The Ring“ lässt grüßen), ominöse Telefonanrufe outen sich als Nachrichten aus der Twighlight Zone, Misosuppenschüsseln werden wie durch Geisterhand verschüttet und kleine Jungen haben ein extrem blasses Make-up aufgelegt und können deshalb nicht lebendig sein.

    Doch eine Aneinanderreihung von kurzweiligen Schreckeffekten macht noch lange keinen gelungenen Horrorfilm und wirkt höchstens als Schluckaufstiller. Warum muss sich der Geist, der einen umbringen will, erst die Haustür aufsummen lassen, wenn er später ganz unverhofft unter der Bettdecke lauern kann? Um diese Frage zu beantworten, solltet ihr euch diesen Film allerdings lieber nicht anschauen. Die in Nebenrollen besetzten Stars des Films wie Jason Behr und Bill Pullman haben mikroskopisch kleine Rollen und um jegliche Spannung nun komplett im Keim zu ersticken: Es gibt nur eine kleine, keusche Sexszene mit Miss Gellar. Also nicht der Rede wert, um 7 Euro zu verbaseln.
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