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    Dieser Kultfilm von Quentin Tarantino war selbst einer Horror-Ikone zu hart: Sie flüchtete aus dem Kinosaal!
    Michael Bendix
    Michael Bendix
    -Redakteur
    Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

    Quentin Tarantino ist bekannt dafür, nicht gerade zurückhaltend mit Gewaltdarstellungen umzugehen. Mit seinem Regiedebüt hat er sogar eine echte Horror-Legende verschreckt.

    Vor 30 Jahren hat sich Quentin Tarantino in rasender Geschwindigkeit von der Indie-Hoffnung zu einem der prägnantesten und populärsten Regisseure Hollywoods entwickelt, und schon seine zweite Regiearbeit – der mit der Goldenen Palme von Cannes und einem Drehbuch-Oscar ausgezeichnete Über-Kultfilm „Pulp Fiction“ – schlug 1994 ein wie eine Bombe. Ihren Anfang nahm die Karriere von Tarantino allerdings zwei Jahre früher mit dem schwarzhumorigen Thriller-Meisterwerk „Reservoir Dogs“.

    Im Grunde waren schon in seinem Langfilm-Debüt sämtliche Stilmittel vorhanden, die sich für das Kino von Quentin Tarantino als charakteristisch erweisen sollten: eruptive Gewalt, Gangster, die sich in geschliffenen Dialogen über Profanitäten und Popkultur austauschen, Zitate aus der Kinogeschichte und der so anachronistische wie markante Einsatz alter Popsongs.

    Mit einer Länge von nur 99 Minuten ist „Reservoir Dogs“ aber bis heute der kürzeste Film des „Kill Bill“-Schöpfers, und die Produktionskosten werden auf gerade einmal 1,2 Millionen US-Dollar beziffert – ein echtes Low-Budget-Projekt, das Tarantino in der Traumfabrik sämtliche Türen öffnen sollte.

    Die Prämisse ist simpel: Acht Kriminelle, die allesamt schwarze Anzüge tragen und jeweils nur den Tarnnamen des anderen kennen (die meisten von ihnen tragen Pseudonyme, die nach Farben benannt sind, darunter Mr. White und Mr. Orange), sitzen in einem Café und planen einen Raubüberfall. Natürlich geht dabei alles schief, was nur schiefgehen kann – und bald kommt der Verdacht auf, dass sich ein Verräter unter den Gangstern befindet...

    Eine Horror-Legende verließ bei "Reservoir Dogs" den Kinosaal

    Man muss den Film nicht geschaut haben, um erahnen zu können, dass die Konsequenzen teilweise äußerst blutig ausfallen. In einer Szene, die niemand mehr vergisst, der sie einmal gesehen hat, foltert Mr. Blonde (Tarantinos Stamm-Schauspieler Michael Madson) in einer Lagerhalle den an einen Stuhl gefesselten Officer Marvin Nash (Kirk Baltz).

    Dabei tänzelt der sadistische Killer zunächst zum Klang des Stealers-Wheel-Oldies „Stuck In The Middle With You“ um den Polizisten herum, bevor er ihm schließlich ein Ohr abschneidet. Wenn er das Messer zückt, schwenkt Tarantino zwar auf eine Tür, am schwersten zu ertragen ist allerdings ohnehin der lange Vorlauf: Schließlich macht Mr. Blonde von Anfang an klar, dass es ihm nicht primär darum geht, Informationen aus dem Beamten herauszubekommen – er quält zu seinem eigenen Vergnügen, und von Anfang an gibt es keine Hoffnung für Nash.

    In den Vorabvorführungen von „Reservoir Dogs“ löste besagte Szene heftige Reaktionen aus. Tarantino zählte in einer Vorführung 33 Zuschauer*innen, die verstört den Saal verließen. Als er den Film auf dem Genrefilm-Festival im spanischen Sitges zeigte, war er überzeugt davon, ein Publikum gefunden zu haben, dass mit den drastischen Gewaltdarstellungen umgehen kann – doch weit gefehlt.

    Auch hier stürmten fünf Personen aus dem Kinosaal – und unter ihnen soll sich kein Geringerer befunden haben als Horror-Legende Wes Craven („Nightmare On Elm Street“), der selbst dafür bekannt war, nicht gerade zimperlich mit Blut und Brutalität umzugehen.

    „Der verdammte Typ, der ,Das letzte Haus links' gemacht hat, ist rausgegangen? Der Typ hat ,Das letzte Haus links' gemacht und mein Film ist zu hart für ihn?“, äußerte sich auch Tarantino im Rahmen einer Wiederaufführung von „Reservoir Dogs“ beim Tribeca Film Festival ungläubig (via Entertainment Weekly). Eine Ikone des Schreckens derart aufzuwühlen, das kann nun wahrlich nicht jeder Filmemacher von sich behaupten!

    Wenn ihr wissen wollt, bei welcher Stephen-King-Verfilmung Tarantino nach 25 Minuten aufgegeben hat, dann lest auch den folgenden Artikel:

    "Habe nach 25 Minuten ausgeschaltet": Quentin Tarantino war extrem enttäuscht von dieser epischen Stephen-King-Verfilmung

    Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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