1983 starteten mehrere Star-Regisseure den durchaus ambitionierten Versuch, ein Fernsehphänomen der 1960er-Jahre auf die große Leinwand zu bringen: die stilprägende Mysteryserie „Twilight Zone“. Die insgesamt vier Episoden von „Unheimliche Schattenlichter“ (so der deutsche Titel der Kinovariante) wurden dabei von keinen Geringeren als Steven Spielberg („E.T. – Der Außerirdische“), Joe Dante („Gremlins“), George Miller („Mad Max“) und John Landis („Blues Brothers“) inszeniert. Doch statt als kreativer Triumph ging das Projekt als eine der tragischsten Produktionen Hollywoods in die Filmgeschichte ein – und das alles wegen einer Szene, die so nie hätte gedreht werden dürfen...
Am 23. Juli 1982 wurde besagte Szene für das Segment von John Landis gedreht. Im Mittelpunkt der Episode steht der Rassist Bill Connor, der die Folgen seines Hasses durch eine Art Zeitreise am eigenen Leib erfährt. In einem Schlüsselmoment findet sich die von Schauspieler Vic Morrow verkörperte Figur plötzlich im Vietnamkrieg wieder, wo sie zwei Kinder vor amerikanischen Soldaten retten soll.
Die Szene verlangte den beteiligten Schauspieler*innen und Crew-Mitgliedern einiges ab: Schließlich spielen in der Sequenz nicht nur Explosionen und Wassermassen eine Rolle, sondern auch ein Hubschrauber im Tiefflug. Am Set waren neben Morrow noch die beiden Kinderdarsteller*innen Myca Dinh Le (sieben Jahre alt) und Renee Shin-Yi Chen (sechs Jahre) anwesend. Sicherheit hätte bei den Dreharbeiten also das oberste Gebot sein müssen – doch stattdessen wurde sie in erschreckender Weise vernachlässigt.
Sämtliche Sicherheitsregeln wurden ignoriert
Landis bestand darauf, die Szene mitten in der Nacht zu drehen, trotz der strengen Arbeitszeitregelungen für Kinder. Der Dreh fand ohne die eigentlich vorgeschriebene Genehmigung für Nachtarbeit mit Minderjährigen statt. Zudem war kein Kinderschutzbeauftragter am Set – ein weiterer grober Verstoß.
In der geplanten Szene sollte Morrows Figur die beiden Kinder durch knietiefes Wasser tragen, während über ihnen ein Helikopter kreist und Explosionen ringsum detonieren. Das Timing war entscheidend: Der Hubschrauber musste in extrem niedriger Höhe fliegen und durfte dabei nicht durch die Pyrotechnik gefährdet werden. Doch genau das geschah.
Während der Aufnahme rief Landis über Funk mehrmals „Weiter runter! Noch tiefer!“, was den Piloten dazu zwang, gefährlich nah an die Explosionen heranzufliegen. Als dann eine der Sprengladungen zu früh zündete, wurde der Helikopter von der Druckwelle getroffen, verlor die Kontrolle und stürzte ab.
Drei Tote – und kaum Konsequenzen
Die Rotorblätter trennten Vic Morrow und Mycy Dinh Lee sofort die Köpfe ab, Renee Shin-Yi Chen wurde von einem Teil des herabstürzenden Hubschraubers erschlagen. Was als dramatische Kriegsszene gedacht war, wurde zu einem realen Albtraum, der drei Todesopfer forderte – die sich mit weniger Leichtsinn und mehr Verantwortungsbewusstsein leicht hätten vermeiden lassen. Morrow selbst soll noch vor dem Dreh gesagt haben: „Ich muss verrückt sein, diese Szene selbst zu drehen. Ich hätte ein Double verlangen sollen.“
Die Tragödie führte zu einem langwierigen Gerichtsprozess, in dessen Verlauf sich Landis und weitere Crew-Mitglieder wegen fahrlässiger Tötung verantworten mussten – ein in Hollywood bis dahin beispielloser Vorgang. Zwar wurden alle Angeklagten freigesprochen, doch die Directors Guild Of America verschärfte im Zuge des Vorfalls ihre Sicherheitsrichtlinien – insbesondere bei der Arbeit mit Kindern, Spezialeffekten und Stunts.
Direkte Konsequenzen für das Unglück bekam jedoch niemand in der Branche zu spüren. Landis war weiterhin erfolgreich als Regisseur aktiv und drehte Filme wie „Kopfüber in die Nacht“, „Der Prinz aus Zamunda“ oder „Beverly Hills Cop 3“.
Auch am Set von „Die unendliche Geschichte“ wurde ein eher laxer Umgang mit Sicherheitsregeln gepflegt. Mehr dazu erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Heute wäre es unmöglich, mit so etwas durchzukommen": "Die unendliche Geschichte"-Star Noah Hathaway enthüllt, dass er beim Dreh fast gestorben wäreDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels. Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.