"Ich war erleichtert und auch stolz": Das FILMSTARTS-Interview mit Autorin Caroline Wahl zum Kinostart von "22 Bahnen"
Chantal Neumann
Chantal Neumann
-Redakteurin
Chantal liebt das große Kino genauso wie das Binge-Watching auf dem heimischen Sofa – Hauptsache der Film oder die Serie ist gut.
Mitarbeit von:
Pascal Reis

Am 4. September 2025 kommt mit „22 Bahnen“ die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Caroline Wahl in die Kinos. Aus diesem Anlass war die Autorin zu Gast in der FILMSTARTS-Redaktion, um über das Drama und dessen Umsetzung zu sprechen.

Mit ihrem Debütroman „22 Bahnen“ hat Caroline Wahl 2023 einen Nerv getroffen: Die Geschichte über eine junge Frau zwischen familiärer Verantwortung, Sehnsucht nach Freiheit und dem ständigen Schwimmen gegen den Strom wurde nicht nur zum literarischen Erfolg, sondern gewann auch zahlreiche Auszeichnungen.

Und als wäre das nicht schon Lob genug, wurde Caroline Wahls gefeierte Geschichte auch noch für eine Filmadaption ausgewählt. Ab dem 4. September 2025 können wir „22 Bahnen“ nun nicht mehr nur zwischen Buchdeckeln, sondern auch auf der großen Leinwand erleben. Wir können euch den Film auch durchaus empfehlen: In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik gab es für das Drama gute 3,5 von 5 möglichen Sternen.

Anlässlich des bevorstehenden Kinostarts hat uns die Autorin in unserem Berliner Büro besucht. Im großen Interview mit den FILMSTARTS-Redakteur*innen Pascal Reis und Chantal Neumann spricht Caroline Wahl über ihre Erfahrungen mit der Verfilmung, ihre Rolle im Entstehungsprozess – und verrät außerdem, welche Hollywood-Schauspielerin sie sich schon beim Schreiben des Romans in der Hauptrolle vorgestellt hat.

Caroline Wahl (Mitte) im Gespräch mit den FILMSTARTS-Redakteur*innen Pascal Reis und Chantal Neumann Webedia
Caroline Wahl (Mitte) im Gespräch mit den FILMSTARTS-Redakteur*innen Pascal Reis und Chantal Neumann

FILMSTARTS: Der Roman „22 Bahnen“ fühlt sich wahnsinnig spezifisch an, ist aber nicht autobiografisch. Woher hast du deine Inspiration gezogen, wenn nicht aus deinem eigenen Leben?

Caroline Wahl: In der Zeit, als ich den Roman geschrieben habe, ging es mir nicht so gut. Also dachte ich, ich nutze jetzt diese Scheißzeit. Außerdem empfand ich es als guten Move, mit dem Roman auszubrechen. Trotzdem wollte ich partout nicht über mich selbst schreiben, mich nicht noch mehr mit mir selbst auseinandersetzen. Ich wollte lieber eine coole Heldin zeichnen, wie ich sie damals auch in meinen Lieblingsbüchern „Das Mädchen“ von Angelika Klüssendorf oder Alina Bronskys „Scherbenpark“ getroffen habe.

Und dann war Tilda in meinem Kopf und ich wusste, dass sie aus schwierigen Verhältnissen kommt und dass ihre Mutter alkoholkrank ist. Ich hatte im weiteren Umfeld eine alkoholkranke Person. Ich habe mich gefragt, wie es wäre, wenn ein eigenes Elternteil alkoholkrank wäre. Dafür habe ich sehr viel recherchiert und mit suchtbetroffenen Familien und Medizinern gesprochen.

FILMSTARTS: Wie hast du reagiert, als du gehört hast, dass „22 Bahnen“ verfilmt werden soll?

Caroline Wahl: Das war ein superschöner Moment beziehungsweise Zeitraum. Meine Agentur hat mir gesagt, dass mehrere Filmproduktionsfirmen Interesse an dem Stoff zeigen würden. Als die Gespräche dann begonnen haben und mir klar wurde, dass eine Verfilmung tatsächlich stattfinden würde, war das ein sehr schöner und zugleich absurder Augenblick.

So viel Mitspracherecht hatte Caroline Wahl bei der Verfilmung

FILMSTARTS: Wie läuft so ein Prozess aus Sicht einer Autorin ab?

Caroline Wahl: Zuerst führt man Gespräche mit Filmproduktionsfirmen, die an dem Stoff interessiert sind – und dann entscheidet man sich für ein Angebot. Später finden viele Schritte gleichzeitig statt – man sucht zuerst eine Drehbuchautorin, dann eine Regisseurin. Dann habe ich irgendwann das Drehbuch bekommen und meine Anmerkungen dazu gemacht. Diese bespricht man mit den Verantwortlichen und wiederholt den Prozess immer wieder.

FILMSTARTS: Ist das bei dir vertraglich zugesichert gewesen, dass du ein kreatives Mitspracherecht hattest?

Caroline Wahl: Ja, das wurde am Anfang so festgelegt. Ich glaube, es ist oft so, dass man bei Romanverfilmungen gerne die Autorin mit an Bord hat. Ich hatte aber damals auch den Mut, zu sagen, ich gebe das Baby jetzt einfach ab. Ich habe ihnen voll vertraut. In den Gesprächen habe ich gemerkt, dass sie eine coole Vision haben. Außerdem war ich neugierig, was sie jetzt mit dem Stoff machen.

FILMSTARTS: Das bedeutet, du hast auch nicht beim Casting mitentschieden?

Caroline Wahl: Doch, das war mir wichtig. Da wollte ich allein schon aus Neugier ein bisschen mitschauen und mitsprechen. Und das hat sich auch die Regisseurin Mia Maariel Meyer gewünscht. Sie hat mich sogar gefragt, wen ich gerne zum Vorsprechen einladen möchte und wen ich mir als Tilda oder in den anderen Rollen vorstellen kann.

FILMSTARTS: Hattest du beim Schreiben auch schon bestimmte Schauspieler*innen für die Figuren im Kopf?

Caroline Wahl: Bei Tilda hatte ich tatsächlich an Jennifer Lawrence gedacht.

FILMSTARTS: Bist du letztendlich zufrieden mit der Besetzung?

Caroline Wahl: Ich bin super zufrieden. Als Luna Wedler in den Raum geworfen wurde, waren eigentlich alle sofort davon überzeugt, dass sie passt. Und Jannis Niewöhner ist als Viktor auch sehr passend. Ich war erleichtert und auch stolz, dass diese coolen Schauspieler meine Figuren spielen.

Luna Wedler als Tilda und Jannis Niewöhner als Viktor haben sogar Caroline Wahl überzeugt Constantin Film
Luna Wedler als Tilda und Jannis Niewöhner als Viktor haben sogar Caroline Wahl überzeugt

FILMSTARTS: Was waren denn deine größten Sorgen, als du dein Herzensprojekt aus der Hand gegeben hast?

Caroline Wahl: Das Textliche. Mir war wichtig, dass sich das Drehbuch nicht zu weit vom Ursprungstext entfernt. Das musste es auch nicht. Die Dialoge und die Gedanken kann man gut verwenden. Meine größte Angst war, dass Tilda anders spricht oder anders denkt, als ich sie kenne.

FILMSTARTS: In deinem Buch erzählen sich Tilda und Ida Märchen – im Film singen sie stattdessen „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel. Was hast du gedacht, als du zum ersten Mal von dieser Änderung gehört hast?

Caroline Wahl: Mia Maariel Meyer hat mich vorher gefragt, was Tilda und Ida wohl für Musik hören – und da habe ich ihr eine Playlist geschickt mit Songs, die ich beim Schreiben gehört habe. Da war Tokio Hotel allerdings nicht dabei. Dann hat sie mir gesagt, sie habe sich überlegt, dass die beiden Schwestern eben dieses Lied singen könnten. Das fand ich voll cool, weil es schon so ein Stück Zeitgeschichte ist. Es ist super, wenn etwas Neues reinkommt, was nicht im Buch war und man trotzdem sofort denkt, dass es passt.

FILMSTARTS: Mit „Windstärke 17“ hast du bereits einen Nachfolgeroman geschrieben. Wie sieht es da mit einer Verfilmung aus?

Caroline Wahl: Ja, das machen wieder BerghausWöbke – und auch die „22 Bahnen“-Regisseurin Mia Maariel Meyer ist wieder mit an Bord.

FILMSTARTS: Möchtest du dabei dann mehr involviert sein?

Caroline Wahl: Bei „Windstärke 17“ möchte ich gerne mehr involviert sein, vor allem beim Drehbuch. Ich schreibe viel und lese viel, aber ich gucke auch wahnsinnig viele Filme und Serien. Ich glaube, deswegen ist mein Schreiben auch so filmisch, weil es natürlich von meiner Rezeption geprägt ist. Ich habe Lust, mich da ein bisschen mehr auszuprobieren.

FILMSTARTS: Dann wünschen wir dir dabei sehr viel Erfolg.

Caroline Wahl: Dankeschön.

Übrigens haben jüngst auch Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian bei uns im Büro vorbeigeschaut um über „Das Kanu des Manitu“ zu sprechen. Nachfolgend könnt ihr euch auch dieses Interview durchlesen:

"Dann bin ich schweißgebadet aufgewacht": Das große FILMSTARTS-Interview mit den "Kanu des Manitu"-Stars Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian
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