Heute erstmals ohne Werbung im TV: Authentisches, aufwühlendes deutsches Kino, das voll ins Mark trifft
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Heute Nacht läuft erstmals die Romanverfilmung „Ellbogen” im TV – ein starkes Debüt über Herkunft, Wut und das Gefühl, nirgends dazu zu gehören.

Oft wird das deutsche Kino verteufelt, dabei birgt es doch nicht wenige Schätze, die Gesellschaftskritik vereinen mit Unterhaltungswert, der mitten in die Magengrube trifft. Denn oftmals sind es Geschichten mitten aus der Gesellschaft heraus, die dort treffen, wo es am meisten weh tut – Nora Fingscheidts „Systemsprenger” war so ein Film oder Fatih Akins „Gegen die Wand”.

Auch heute Nacht könnt ihr in den Genuss eines solchen Beispiels schonungslosen jungen Kinos aus Deutschland kommen, wenn ihr um 00.25 Uhr „Ellbogen” beim ZDF einschalten möchtet. Der Film markiert das Spielfilmdebüt von Aslı Özarslan, die sich bereits vorher dokumentarisch mit Migration und sozialen Identitäten auseinandergesetzt hatte.

„Ellbogen”, der gerade erst letztes Jahr seine Premiere auf der Berlinale feierte, ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans* von Fatma Aydemir, der 2017 für Furore sorgte: ein wütender, scharf beobachteter Roman über Herkunft, Ausgrenzung und Selbstermächtigung, der in der deutschen Literatur einen Nerv traf und vielfach ausgezeichnet wurde.

Wer Montagnacht um halb eins lieber schläft, den Film aber dennoch sehen möchte – zu empfehlen ist dies allemal – der kann „Ellbogen” auf Amazon Prime Video kaufen oder leihen. Darüber hinaus steht der Film auch in der ZDF Mediathek zur Verfügung.

Und die Ellbogen treffen ins Nichts

„Ellbogen” erzählt von der 17-jährigen Berliner Deutschtürkin Hazal (Melia Kara), die versucht, nach ihrem Abschluss Fuß zu fassen: Täglich schreibt sie Bewerbungen, geht zu Vorstellungsgesprächen, absolviert Maßnahmen – doch wirklich weiter kommt sie nicht.

Sie wird von einem Kaufhausdetektiv beim Klauen erwischt und muss 100 Euro abdrücken, an ihrem 18. Geburtstag werden sie und ihre Freundinnen vom Türsteher abgewimmelt – jeder Versuch, irgendwo dazuzugehören, scheitert. Als die Mädels nachts von einem Studenten an der U-Bahn belästigt werden, eskaliert die Situation – und Hazal flieht nach Istanbul zu einem Internetfreund.

Dabei profitiert der Film ungemein von seiner Jungdarstellerin, die bei einem Streetcasting entdeckt wurde – und von der man hoffentlich bald mehr sieht. Die Kamera bleibt dicht an Hazals Gesicht, folgt ihren Blicken, ihrem Atem, ihren Zweifeln. Der Film erzählt vom Aufwachsen zwischen zwei Welten, von der Suche nach Zugehörigkeit und vom schmalen Grat zwischen Opferrolle und Rebellion. Özarslan findet dafür Bilder, die zugleich dokumentarisch und poetisch sind – zwischen Beton, Neonlicht, Schweiß und Tränen entfaltet sich eine Wirklichkeit, der viele lieber den Rücken kehren würden.

„Ellbogen” erzählt leise und doch unmittelbar, nah und echt – das Unwohlsein kommt schleichend, aber präzise. Am Ende bleibt ein Film, der nicht gefallen will, sondern aufrütteln – und das gelingt mit einem sanften Punch, der sitzt.

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