Heute erstmals im TV: Dieser starbesetzte deutsche Kinohit mischt Alltagsmärchen und raue Realität – echt, schön und schmerzhaft!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Wenn „Einfach mal was Schönes“ märchenhaftes Glück und romantische Schönheit bietet, dann so richtig. Oftmals ist der Film von und mit Karoline Herfurth aber reich an Galgenhumor, Dramatik und Fremdscham-Komik, die in Schmerz übergeht – sehenswert!

Als Schauspielerin wurde sie mit so unterschiedlichen Filmen wie „Mädchen, Mädchen!“, „Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders“ und „Fack Ju Göhte“ zu einem elementaren Bestandteil des deutschen Kinos. Doch mindestens so spannend wie Karoline Herfurths Karriere vor der Kamera sind ihre Leistungen auf dem Regiestuhl: Innerhalb der vergangenen neun Jahre brachte sie fünf Langfilme ins Kino, darunter die Romantikkomödie „SMS für Dich“ und das episodenhaft aufgezäumte Drama „Wunderschön“.

Schon in diesen Filmen bewies Herfurth, dass sie Gespür dafür hat, innerhalb kurzer Zeit glaubhaft von einem emotionalen Extrem zum nächsten zu schwingen. Dieses Können verfolgte sie in ihrem vierten Film mit noch mehr Verve – was ihr nun ganz leicht überprüfen könnt: Am 27. Oktober 2025 feiert „Einfach mal was Schönes“ ab 20.15 Uhr in Sat.1 seine Free-TV-Premiere! Außerdem könnt ihr die romantische Tragikomödie über Dating, Kinderwunsch und Familienzwist auf diversen VoD-Plattformen leihen und erwerben, etwa Amazon Prime Video.

Darum geht es in "Einfach mal was Schönes"

Radiomoderatorin Karla (Karoline Herfurth) bekommt mit steigender Deutlichkeit zu spüren, dass ihre biologische Uhr tickt. Davon lässt sich die Junggesellin nervös machen: Wo bleibt ihr Traummann, mit dem sie eine Familie gründen kann?! Weil sich beim Dating unter Torschlusspanik nicht der erhoffte Märchenprinz finden lässt, beschließt Karla, moralisch unterstützt von ihrer besten Freundin Senay (Jasmin Shakeri), alleine ein Kind zu bekommen.

Damit provoziert sie Gegenwind von ihren Eltern Marion (Ulrike Kriener) und Robert (Herbert Knaup) sowie von ihren Schwestern Jule (Nora Tschirner) und Johanna (Milena Tscharntke), die alle gerade in Stressphasen stecken. Lassen sie ihren Frust etwa an Karla aus? Und muss das alles jetzt passieren, wo sie auf einmal den Jungspund Ole (Aaron Altaras) kennenlernt?!

Ein Film, der seinem Titel richtig schön widerspricht

Eine Frau, die sich ihrem 40. Geburtstag nähert, entscheidet sich für eine künstliche Befruchtung und das Dasein als alleinerziehende Mutter, kurz bevor sie einen Mann kennenlernt, der wie für sie gemacht ist – solange man davon absieht, dass sein junges Alter sie in Zweifel stürzt: Eine Grundidee, die eine klassische RomCom erwarten lässt, in der ernstere Themen mittels sanfter, dramatischer Zwischentöne behandelt werden. Doch nach „Wunderschön“, der sich zu seinem Optimismus über dramatisch-ehrliche Pfade durchschlägt, hätte man es ahnen sollen:

Herfurth begeht bei „Einfach mal was Schönes“ ganz bewusst Titelbetrug. Denn „einfach“ ist in dieser romantisch-tragischen Dramödie gar nichts – und „Schönes“ gibt es auch nur häppchenweise. Wenn, dann aber richtig:

Herfurth inszeniert eine, trotz Stress und Pläne durchkreuzenden Ärgernissen, bilderbuchreife Traumhochzeit. Bei der wird zwar ordentlich Pomp aufgefahren, dank des liebenswerten Paars (und dank allem Chaos, das den Prunk konterkariert) wirkt sie aber herzlich genug, um nicht im performativen Kitsch zu versinken. Und die Dynamik zwischen Karla und Senay ist aufgrund eines mit Wortwitz sowie vielsagenden Blicken bestückten Rapports eine richtig schöne, leicht idealisierte, dennoch vollauf plausible Film-Freundschaft.

Einfach mal was Schönes
Einfach mal was Schönes
Starttermin 17. November 2022 | 1 Std. 56 Min.
Von Karoline Herfurth
Mit Karoline Herfurth, Nora Tschirner, Jasmin Shakeri
User-Wertung
3,6
Filmstarts
4,0

Doch an anderen Stellen tut „Einfach mal was Schönes“ überraschend weh! Neben der Traum-Trauung gibt es etwa eine richtig unangenehme Hochzeitssequenz, in der Karla forsch mit ihrem Alter und „Was wäre, wenn...“-Fragen konfrontiert wird, und ihre trunkene Mutter eine passiv-aggressive Fremdschamparade anführt.

Fremdscham, Mitleid, Schmerz und Solidarität kommen Schlag auf Schlag

An anderer Stelle folgt auf eine prickelnde Nacht ein peinlicher Morgen mit unangemeldetem, lärmendem Besuch – so, wie es in einer Schweiger- oder Dagtekin-Komödie passieren würde. Der bedeutende Unterschied ist aber, dass Herfurth und ihre Schreibpartner*innen Monika Fäßler und Tim Hebborn die Situationskomik gnadenlos zuspitzen, bis die Humor-Blase zerplatzt und aus dieser Sequenz eine niederschmetternde Szenerie voller Scham, Mitleid und emotionaler Schwere wird.

Der Höhepunkt dieser filmischen Emotionsachterbahn ist eine Fehlgeburt auf der Schultoilette, die eine notgedrungene Solidarität im zerstrittenen Familienverbund auslöst und alle Figuren in eine komplexe, schwer zu greifende Gefühlslage dringt – von bemühter Sachlichkeit über Scham und Kummer hin zu Erleichterung, sobald der Schockmoment endlich vorbei ist.

Für einen locker-gemütlichen Fernsehabend ist „Einfach mal was Schönes“ entgegen des Titels also eher weniger geeignet. Doch wer eine einmal mehr großartige Tschirner sehen will, die punktgenau von verletzt zu schmissiger Ironie und zurück in eine alltägliche Trockenheit wechselt, und es verkraften kann, wenn Ponykutsche, Märchenschloss und Feuerwerk durch dreckig-feuchte Wirklichkeit geerdet werden, sollte unbedingt einschalten!

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