"Er ist zugleich unschuldig und pervers": Skandal-Regisseur feiert starbesetzten Horror-Western als besten Film des Jahres
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Enfant Terrible John Waters hat seine Top 10 der besten Filme 2025 enthüllt. Auf Platz 1: Eine düstere Betrachtung der politischen Spaltung Amerikas zu frühen Pandemie-Zeiten. Und zugleich einer der umstrittensten Filme in diesem Jahr.

Wir befinden uns im letzten Monat des Jahres. Und das ist die Hochzeit der allseits beliebten Bestenlisten. Dabei lieben es nicht nur Filmfans und Kritiker, über ihre Favoriten abzustimmen und ihre Best-of-Listen in Artikeln, Foren und Kommentarspalten zu posten. Doch ebenso die Filmschaffenden selber beteiligen sich Jahr für Jahr fleißig an der (digitalen) Diskussion rund um die persönlichen Film-Highlights.

Eine dieser Top-10-Bestenlisten, die jährlich mit Spannung erwartet wird, ist jene von Skandal-Regisseur John Waters („Pink Flamingos“, „Serial Mom“). Denn der 79-Jährige ist bekannt für seine immer wieder ziemlich überraschenden Zusammenstellungen (so auch im vergangenen Jahr), in dem alle Genres zusammenkommen – und in die gern auch mal abseitige, nerdige Werke Eingang finden. Das verhält sich 2025 nicht anders. Dennoch ist Platz 1 bei Waters dieses Jahr eine echte Überraschung! Befindet sich auf dem Siegertreppchen mit „Eddington“ immerhin eine der mitdiskutierten Hollywood-Produktionen des Jahres, die von Kritik und Publikum zwiespältig aufgenommen wurde.

"Unangenehm, aber äußerst unterhaltsam"

Mit seinem Mix aus Psycho-Horror-Western und Pandemie-Groteske schuf Regisseur Ari Aster, der bislang vor allem für Horrorfilme („Hereditary“, „Midsommar“) bekannt war, ein komplexes, tiefgründiges Werk. Auf manche wirkte der episch angelegte 150-Minüter, in dem ein Sheriff (Joaquin Phoenix) und ein Bürgermeister (Pedro Pascal) in einer von Covid geplagten US-Kleinstadt in einen allmählich aus dem Ruder laufenden Konflikt geraten, konfus und wirr. Andere, wie unser Chefkritiker Christoph Petersen in seiner FILMSTARTS-Kritik, feierten Asters vierten abendfüllenden Film für seine provokativen Elemente und kritischen Töne. Und der notorische Exzentriker und Provokateur John Waters? Der steht vor allem auf die herausfordernde Handlung und die (kaputten, unsympathischen) Figuren.

Eddington
Eddington
Starttermin 20. November 2025 | 2 Std. 25 Min.
Von Ari Aster
Mit Joaquin Phoenix, Pedro Pascal, Emma Stone
User-Wertung
3,5
Filmstarts
4,0

„Der Film erzählt eine unangenehme, aber äußerst unterhaltsame Story“, so Waters über seinen diesjährigen Lieblingsfilm, dessen gesellschaftliche Anspielungen und aktuelle Bezüge der Regisseur hervorhebt (via Vulture). Die Geschichte sei so anstrengend wie die heutige Politik und verfüge über Charaktere, mit denen man unmöglich mitfiebern kann. „Er ist zugleich unschuldig und pervers. Und doch ist die Geschichte so erschreckend komisch, dass man sich nach dem Anschauen total verrückt und gleichzeitig unglaublich kultiviert fühlt.“

Fun Fact am Rande: Ganz offensichtlich ist Waters ein großer Fan von Aster. Denn dessen (pech)schwarze, drei Stunden umspannende Chaos-Komödie „Beau Is Afraid“ landete bei Waters auf Platz 1 in der Jahresbestenliste 2023.

Horror-Überraschungshit und geniale Filmtrilogie

Auf Platz 2 folgt mit „Final Destination 6: Bloodlines“ einer der besten Mainstream-Horror-Thriller des Sommers 2025. Das jüngste, clever umgesetzte Kapitel der blutrünstigen, seit 25 Jahren existierenden Erfolgsserie erwies sich als echter Überraschungshit. Bronze geht an gleich drei Filme: an Dag Johan Haugeruds gefeierte „Oslo“-Trilogie über Sexualität und Sehnsucht, bestehend aus den hervorragenden Teilen „Liebe“, „Träume“ und „Sehnsucht“.

Oslo-Stories: SEHNSUCHT

Wie beim früheren Queer-Vorkämpfer und offen schwulen Waters üblich, folgen auf den nachfolgenden Plätzen auch einige explizite Arthouse-Produktionen, darunter Óliver Laxes „Sirāt“, „Misericordia“ von Alain Guiraudies sowie „Sauna“ von Mathias Broe. Das dänische Spielfilmdebüt und Queerdrama sorgte in diesem Jahr, nicht zuletzt aufgrund seiner klaren Kritik am oberflächlichen Dating-Lifestyle inklusive flüchtiger (schwuler) Sexualkontakte, für einiges Aufsehen.

Die gesamte Jahresbestenliste von John Waters gibt’s hier:

  1. Eddington“ (Ari Aster)
  2. Final Destination: Bloodlines“ (Lipovsky/Stein)
  3. The Oslo Trilogy“ (Dag Johan Haugerud)
  4. Sirāt“ (Óliver Laxe)
  5. Sauna“ (Mathias Broe)
  6. Room Temperature“ (Cooper/Farley)
  7. Misericordia“ (Alain Guiraudie)
  8. When Fall is Coming“ (François Ozon)
  9. My Mom Jayne“ (Mariska Hargitay)
  10. The Empire“ (Bruno Dumont)

Vor nicht allzu langer Zeit hat Kult-Regisseur Quentin Tarantino seine 20 absoluten Film-Favoriten des 21. Jahrhunderts geteilt. Die wohl größte Überraschung darin ist allerdings kein bestimmter Film, sondern die ziemlich harsche Meinung des Ausnahme-Filmemachers zu einem Darsteller in einem oscarprämierten Meisterwerk aus dem Jahr 2007:

"Ein schwacher, uninteressanter Typ": Quentin Tarantino lässt kein gutes Haar an einem der besten Schauspieler der letzten 20 Jahre
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