"Ein schwacher, uninteressanter Typ": Quentin Tarantino lässt kein gutes Haar an einem der besten Schauspieler der letzten 20 Jahre
Daniel Fabian
Daniel Fabian
-Senior-Redakteur
Fasziniert und berührt werden, aber auch ein stückweit über sich selbst erfahren – darin besteht für Daniel die Magie des Kinos.

Quentin Tarantino hat gerade erst seine 20 Lieblingsfilme des 21. Jahrhunderts preisgegeben. Die wahrscheinlich größte Überraschung darin ist allerdings kein konkreter Film, sondern die Meinung des Kult-Regisseurs zu einem der Darsteller.

Wir berichten regelmäßig über Filme, die Quentin Tarantino ganz besonders ins Herz geschlossen hat – nicht zuletzt auch, weil es unsere Leserinnen und Leser offenbar einfach interessiert, wofür der Regisseur von Meisterwerken wie „Pulp Fiction“ und „Kill Bill“ so brennt. Und das enthüllte der Kultfilmer kürzlich auch im Podcast von Bret Easton Ellis.

Im Gespräch mit dem „American Psycho“-Autor verkündete Tarantino jetzt nämlich seine Lieblingsfilme seit der Jahrtausendwende. Bereits vergangene Woche gab er die Plätze 11 bis 20 preis, jetzt folgten die Top 10:

"Mein Herz raste": Quentin Tarantino kürt brutalen Kriegsfilm zum besten Film des 21. Jahrhunderts

Während viele wohl mit einer anderen Nummer 1 gerechnet haben dürften, finden sich unter den Titeln neben einigen altbekannten Tarantino-Favoriten („Toy Story 3“, „Unstoppable - Außer Kontrolle“) auch Kritikerlieblinge wie David Finchers Serienkillerjagd „Zodiac - Die Spur des Killers“ und „There Will Be Blood“ von „One Battle After Another“-Macher Paul Thomas Anderson im Ranking.

Letzterer hätte Tarantino zufolge sogar das Zeug für den ersten Rang gehabt, wäre da nicht dieser eine Kerl, der an der Seite von Daniel Day-Lewis vor der Kamera stand…

Tarantino feiert "There Will Be Blood" – trotz Paul Dano!

Die Geschichte des ehemaligen Silberschüfers Daniel Plainview, der schließlich zum mächtigen Ölmann aufsteigt, lebt nicht nur von Day-Lewis' phänomenal-eindringlicher Performance, sondern auch von seiner Erzählung. Das sieht auch Tarantino so, der vor allem „die alte Handwerkskunst“ Andersons lobend hervorhebt. Und damit geht er mit dem Gros der Fachpresse mit, die das oscarprämierte Epos regelmäßig zu den besten Filmen des 21. Jahrhunderts wählt. Ein Manko habe der Film allerdings.

„‚There Will Be Blood‘ wäre meine Nummer 1 oder 2, wenn er nicht einen gigantischen Fehler hätte … und dieser Fehler ist Paul Dano“, offenbart Tarantino schließlich. Der Film sei zwar auf ein Duett, ein Zweiergespann ausgelegt – das am Ende allerdings kein solches sei. „Er ist schwach, Mann. Eine schwache Nummer“, fährt der Regisseur fort, der in der Rolle lieber einen seiner „Once Upon A Time In Hollywood“-Star gesehen hätte: Austin Butler wäre großartig gewesen. Dano ist einfach ein schwacher, uninteressanter Typ. Der schwächste verdammte Schauspieler in der Schauspielgewerkschaft.“

Ein außergewöhnlicher Schauspieler

Dass Tarantino „There Will Be Blood“ dennoch den fünften Platz zugesteht, obwohl Dano darin sogar noch eine Doppelrolle spielt, zeigt, welch große Stücke der Regisseur auf den Rest des Films hält. Dennoch scheint sein Urteil über den 41-jährigen New Yorker harsch – und nur bedingt gerechtfertigt.

Nachdem er erstmals für seine Rolle im erschütternden, Pädophilie aufgreifenden Coming-of-Age-Drama „L.I.E.“ (2001) internationale Anerkennung erfuhr und in der Teeniekomödie „The Girl Next Door“ an der Seite von Emile Hirsch spielte, gelang ihm spätestens mit dem gefeierten Familienfilm „Little Miss Sunshine“ (2006) der Durchbruch. Die herzzerreißende Tragikomödie kitzelte aus seinem Ensemble – von Abigail Breslin über Toni Collette bis hin zu Alan Arkin – reihum Höchstleistungen. Paul Thomas Anderson castete Dano zwar vor allem aufgrund von dessen Darbietung in „Jack & Rose“ (ebenfalls mit Day-Lewis!), währenddessen wurden aber auch immer mehr andere Filmemacher auf den außergewöhnlichen Jungschauspieler aufmerksam.

Nach „Knight And Day“ (2010) mit Tom Cruise und „Cowboys & Aliens“ (2011) mit Daniel Craig folgten Auftritte im Science-Fiction-Highlight „Looper“ (2012), im meisterhaften Entführungs-Thriller „Prisoners“ (2013) von Denis Villeneuve sowie im oscarprämierten Sklaverei-Drama „12 Years A Slave“ (2013) – sowie natürlich seine denkwürdige Performance des Schiffbrüchigen Hank, der in „Swiss Army Man“ (2016) ums Überleben kämpft und dabei „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe zum menschlichen Schweizer Taschenmesser umfunktioniert.

Dano ist vor allem bekannt für seine schüchternen, oft fanatischen und nicht selten auch äußerst komplexen Figuren, denen er eine unverwechselbare Intensität verleiht. Nicht umsonst besetzte ihn beispeilsweise auch Matt Reeves in „The Batman“ (2022) als Riddler. Ja, auf diesem Gebiet ist es nahezu unmöglich, ebenbürtigen Ersatz für den regelmäßig grandios-verstörend aufspielenden Dano zu finden. Ihn auf jene Rollen zu beschränken, würde ihm dennoch nicht gerecht. Immerhin besetzte ihn Hollywood-Legende Steven Spielberg in seinem autobiografischen Drama „Die Fabelmans“ (2022) als seinen eigenen (Quasi-)Vater. Zuletzt war er zudem in der Action-Serie „Mr. & Mrs. Smith“ (2024) als „heißer Nachbar“ zu sehen sowie im Sci-Fi-Drama „Spaceman: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ (2024) als spinnenartiges Alien zu hören. Nicht nur Danos Performances können sich somit regelmäßig absolut sehen lassen, sondern auch die Bandbreite seines Schauspiels.

Während diese Woche mit „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ ein ganz besonderes Tarantino-Werk in die US-Kinos kommt, tüftelt der Regisseur übrigens auch schon an seinem nächsten außergewöhnlichen Projekt:

Nach über 30 Jahren: Quentin Tarantino will Herzensprojekt verfilmen – und "Pulp Fiction" mit "Reservoir Dogs" verbinden

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