Im Sommer 2025 übernahm der Milliardärssohn David Ellison mit seiner Firma Skydance das eigentlich wesentlich größere Hollywood-Traditions-Studio Paramount. Seitdem firmiert der Konzern als Paramount Skydance und Ellison zieht mit dem Scheckbuch durch die Traumfabrik, um sich die Dienste von großen Stars (etwa Will Smith) und Filmschaffenden (etwa den „Stranger Things“-Machern) zu sichern. Doch für einen weiteren geplanten Deal waren Ellisons Taschen offenbar nicht tief genug: die Übernahme von Warner Bros.
Netflix übernimmt Warner Bros. und HBO Max
Obwohl er mit Paramount gerade erst ein Hollywood-Studio geschluckt hat, wollte David Ellison nämlich direkt im Anschluss auch das mindestens ebenso traditionsreiche Studio Warner übernehmen. Wie nun jedoch unter anderem das Businessmagazin Bloomberg sowie alle großen US-Branchenmagazine berichten, hat den Zuschlag stattdessen Netflix erhalten. Warner und Netflix haben exklusiv über eine Übernahme verhandelt – und nun auch offiziell Vollzug vermeldet:
Wie Netflix in einer Pressemitteilung bekannt gegeben hat, wird man Warner Bros. mitsamt der Film- und TV-Studios sowie Warner-Streamingdienst HBO Max und den US-Bezahlsender HBO übernehmen. Der Deal beläuft sich auf eine Summe von 82,7 Milliarden Dollar und soll finalisiert werden, sobald der aktuelle Warner-Mutterkonzern Warner Bros. Discovery im dritten Quartal 2026 seine linearen Fernsehsender in eine eigene Firma überführt hat. Diese wird Netflix nicht übernehmen
Sollte der Deal auch von Kartellbehörden in den USA und anderen Teilen der Welt seinen Segen bekommen (dazu später mehr), würde der größte und einflussreichste Streamingdienst der Welt dann auch ein eigenes Film- und TV-Studio in Hollywood besitzen sowie HBO und HBO Max schlucken (der Anfang 2026 endlich auch nach Deutschland kommt). Unklar ist, ob HBO Max dann weiter existieren soll, eine Unterkategorie bei Netflix werden oder komplett in Netflix aufgehen soll.
DC, "Harry Potter" & "Game Of Thrones" bald bei Netflix?
Klar ist aber, dass Netflix sich durch eine Übernahme von Hollywood-Studio Warner Bros. und HBO Max eine beinahe unvergleichliche Schatztruhe von Marken, Franchises und IPs einverleibt. Dazu gehören etwa die DC-Superhelden und -Superheldinnen, die mit „Superman“, „Creature Commandos“ und „Peacemaker“ gerade erst in ein neues Universum gestartet sind, „Game Of Thrones“ und die neuen Westeros-Serien „House Of The Dragon“ und „A Knight Of The Seven Kingdoms“ sowie das sogar explizit in der Pressemitteilung erwähnte „Harry Potter“-Franchise, das 2027 in Form einer Serie ausgebaut werden soll.
Gut möglich wäre dann etwa, dass kommende DCU-Serien bei Netflix veröffentlicht werden (und DCU-Filme nach Kinostart bei Netflix landen) ebenso wie neue „Game Of Thrones“-Spin-Offs oder die erwähnte „Harry Potter“-Serie. Noch einschneidender dürften jedoch die Änderungen sein, die ein Warner-Netflix-Deal für das Thema Kino mit sich bringt.
Gibt es dann weiter Warner-Filme im Kino?
Zwar hat Netflix vor Bekanntwerden des Deals versichert, dass man auch im Falle einer Übernahme weiterhin Warner-Filme ins Kino bringen werde und nun auch in der Pressemitteilung betont, dass man erwarte, die aktuellen Geschäfte von Warner Bros. am Laufen zu halten, darunter auch Kinostarts für Filme.
Doch Netflix-Co-CEO Ted Sarandos hat in der Vergangenheit stets deutlich gemacht, dass er für die Kinobranche eigentlich keine Zukunft sieht. Selbst wenn das als Teil der Bedingungen festgehalten wird, besteht so zumindest die Gefahr, dass eines der fünf großen Hollywood-Studios (Disney, Universal, Sony, Paramount und Warner) an Bedeutung verliert und weniger (und weniger gewagte) Filme ins Kino bringt.
Nur mal als Beispiel: Einen DC-Blockbuster wie „Superman 2: Man Of Tomorrow“ oder die Megahit-Fortsetzung „Ein Minecraft Film 2“ wird auch Netflix sicherlich ins Kino bringen. Aber hätte der Streaming-Gigant auch für (auf den ersten Blick) weniger kommerzielle Filme wie „Blood & Sinners“ oder „One Battle After Another“ einen so großen Kinostart spendiert, wie es Warner in diesem Jahr getan hat, oder diese Filme überhaupt finanziert? Daran gibt es in Hollywood zumindest starke Zweifel.
Noch ist nichts unter Dach und Fach
Apropos Zweifel: Zwar hat Netflix nun die abgeschlossene Übernahme vermeldet, doch dass der ganze Deal am Ende wirklich über die Bühne geht, ist noch alles andere als sicher und würde zumindest noch eine ganze Weile dauern. Denn die Trump-Regierung hat sich Berichten zufolge eigentlich für eine Übernahme von Warner durch Paramount ausgesprochen und gleichzeitig angekündigt, eine Übernahme durch Netflix keineswegs einfach durchzuwinken, sondern gerichtlich anzufechten. Hier ist das letzte Wort also womöglich noch nicht gesprochen.
Und selbst wenn man etwaige Kungelei und Gefälligkeiten mal beiseite lässt, vereint Netflix durch die Warner-Übernahme wirklich eine gewaltige Marktmacht auf sich – mit all den möglichen Problemen, die so ein Quasi-Monopol mit sich bringt, etwa steigende Preise und weniger Auswahl für die Abonnent*innen, weniger Filme im Kino, aber auch allgemein weniger realisierte Filme und Serien und damit weniger Arbeit für alle Filmschaffenden.
Zwar versucht Netflix in der erwähnten Pressemitteilung all diese möglichen Bedenken zu zerstreuen, und verspricht etwa mehr Auswahl und mehr Qualität für die Nutzer*innen und mehr Jobs in der Filmbranche, doch es bleiben mit Sicherheit noch einige offene Fragen, die geklärt werden müssen.
Mehr zum Deutschland-Start des oben erwähnten Streamingdiensts HBO Max erfahrt ihr übrigens hier:
HBO Max kommt endlich nach Deutschland: Termin, Preise, Filme und Serien und alles, was ihr zum Start wissen müsstHinweis: Dieser Artikel wurde überarbeitet und aktualisiert, nachdem Netflix die Übernahme von Warner Bros. und HBO Max verkündet hat.