Am gestrigen Sonntag, den 28. Dezember 2025, schockte eine Nachricht die Filmwelt: Brigitte Bardot ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Aus diesem Anlass ehrt TV-Sender arte die legendäre Schauspielerin. Am heutigen Montag, den 29. Dezember, läuft kurzfristig „Die Wahrheit“ zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr im TV. Daneben gibt es übrigens in der Mediathek mit „Rum-Boulevard“ und vor allem dem Meisterwerk „Die Verachtung“ noch zwei weitere große Filme mit Bardot. „Die Wahrheit“ könnt ihr leider nicht in der Mediathek streamen, eine Alternative zur TV-Ausstrahlung bietet allerdings ein Streamingangebot auf dem Amazon-Prime-Video-Channel „Made In Europe“:
„Die Wahrheit“ zeigt die zuvor vor allem als Sexsymbole bekannte Brigitte Bardot so schonungslos wie nie zuvor. In Henri-Georges Clouzots Gerichtsdrama zerlegt ein Prozess nicht nur ein Verbrechen, sondern auch das Bild einer Frau, die sich den Erwartungen der Gesellschaft entzieht. Der Schauspielerin verschaffte es mit Mitte 20 endlich Anerkennung als ernsthafte Darstellerin, die so viel mehr kann, als nur Männer verführen.
Darum geht es in "Die Wahrheit"!
Dominique Marceau (Brigitte Bardot) steht wegen Mordes vor Gericht. Die junge Frau wird beschuldigt, ihren Geliebten erschossen zu haben. Doch der Prozess entwickelt sich schnell zu etwas anderem: weniger zur Suche nach Fakten als zu einer öffentlichen Abrechnung mit Dominiques Lebensstil, ihrer Sexualität und ihrer Weigerung, sich gesellschaftlichen Normen unterzuordnen.
Rückblenden zeichnen nach, wie leidenschaftlich, widersprüchlich und selbstzerstörerisch diese Beziehung war – und wie sehr sich Liebe, Abhängigkeit und Macht gegenseitig vergifteten.
Ein Gerichtsfilm als gesellschaftliche Anklage
Wir haben Regisseur Henri-Georges Clouzot mit „Lohn der Angst“ einen der vielleicht spannendsten Filme aller Zeiten zu verdanken. Mit „Die Teuflischen“ inszenierte er zudem einen der prägendsten Filme des Kinos, einen Wegbereiter für das Genre des Psycho-Thrillers. Wie vielfältig das Werk des Ausnahmeregisseurs ist, zeigt „Die Wahrheit“. Hier nutzte er den klassischen Gerichtsfilm, um eine weitaus größere Frage zu stellen: Wird hier wirklich über Schuld oder Unschuld verhandelt – oder über das Recht einer Frau, frei nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben?
Der Gerichtssaal wird in seinem Werk zur Bühne moralischer Doppelmoral. Die Anwälte, die Zeug*innen und die Presse sind weniger an der titelgebenden Wahrheit interessiert als an einem Urteil über Dominiques Persönlichkeit. Denn die sexuell aufgeschlossene, junge Frau widerspricht mit ihrem Tun dem, was nach überwiegender Ansicht ein „anständiges Leben“ ist.
Brigitte Bardot zeigt es allen
Mit ihrem Debüt „... und immer lockt das Weib“, wo sie als 18 Jahres altes Mädchen Männern den Kopf verdreht, wurde Brigitte Bardot zum Sexsymbol ihrer Zeit. Doch erst „Die Wahrheit“ machte sie zum Schauspielstar und ist ein Höhepunkt in ihrem Schaffen. Denn hier musste sie so viel aufbieten, wie noch in keinem Film zuvor. Dominique ist verletzlich, trotzig, manipulativ, leidenschaftlich – und nie eindeutig. Bardot spielte diese Figur ohne jede Eitelkeit und brach damit endgültig aus der Rolle des bloßen Sexsymbols aus, das ihr Image bis dahin dominierte.
Gerade diese Ambivalenz macht auch den gesamten Film so kraftvoll: Dominique ist weder Opfer noch Femme fatale, sondern eine Frau, die an den Widersprüchen ihrer Umwelt zerreibt.
Ein riesiger Kino-Hit
Das traf damals den Nerv der Zeit. In Frankreich gingen über fünf Millionen Menschen ins Kino. Auch in Deutschland fand der Film ein riesiges Publikum. Über drei Millionen Kino-Tickets wurden für „Die Wahrheit“ gelöst. Hierzulande gab es übrigens eine FSK-18-Freigabe für den Film, welche die Heimkino-Veröffentlichung, solang niemand eine Neuprüfung veranlasst, auch nach wie vor hat. Mittlerweile gibt es aber eine Sonderfreigabe ab 12 Jahren für TV-Ausstrahlungen, die arte es ermöglicht, „Die Wahrheit“ heute ungekürzt um 20.15 Uhr zu zeigen.
Das können wir nicht nur aufgrund der seltenen Ausstrahlungen des Films nur empfehlen. Ein weiterer Grund: Auch mehr als 60 Jahre später wirkt „Die Wahrheit“ erstaunlich modern. Die Mechanismen öffentlicher Vorverurteilung, die mediale Lust an Skandalen und der moralische Druck auf Frauen sind Themen, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben – ganz im Gegenteil. Clouzots präzise Inszenierung und Bardots kompromisslose Performance verleihen dem Film eine emotionale Wucht, die auch jetzt noch nachhallt. Und wer Brigitte Bardot jenseits ihres Mythos entdecken will, kommt an „Die Wahrheit“ ohnehin nicht vorbei. Ein intensives, unbequemes und stellenweise schwer auszuhaltendes Drama. Nachfolgend findet ihr auch noch unsere Nachricht zum Tod der Schauspielerin mit einem Rückblick auf ihre Karriere:
Leinwand-Legende und weit mehr als eines der größten Sexsymbole des Kinos: Brigitte Bardot ist tot*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.