14 Jahre hat Kathleen Kennedy Lucasfilm und „Star Wars“ geleitet, nachdem sie George Lucas einst darum bat, seine Nachfolge anzutreten. Trotz aller Fan-Kritik an einzelnen Projekten und Entwicklungen der Saga ist die Firma jetzt so erfolgreich aufgestellt, wie noch nie. Seit zwei Jahren hat sie die Nachfolge vorbereitet, die – wie es mittlerweile bei vielen Disney-Tochterunternehmen üblich ist – aus einem Duo besteht: Lynwen Brennen wird die finanzielle Seite, Dave Filoni die kreative Seite leiten. Grundsätzliche Entscheidungen werden beide aber gemeinsam fällen.
Doch zu ihrem Abschied hat Kennedy in einem sehr offenen und ausführlichen Interview mit dem Branchenmagazin Deadline noch mal eine Übersicht über die kommenden „Star Wars“-Kinofilme gegeben. Und dabei einige Überraschungen offenbart.
"Star Wars 10 – 12"? Neue Trilogie im Anmarsch!
Zwei Filme sind gesetzt: Am 20. Mai 2026 kommt „The Mandalorian & Grogu“ ins Kino, am 26. Mai 2027 folgt „Star Wars: Starfigher“ mit Ryan Gosling. Beide Projekte sind abgedreht und werden jetzt in der Post-Produktion noch unter Kennedys Aufsicht fertiggestellt.
Danach war die Zukunft offen, doch Kennedy impliziert sehr deutlich, dass die geplante Trilogie von „X-Men“-Macher Simon Kinberg folgen soll. Diese ist bereits seit einer Weile in Arbeit und es gibt sehr verlässliche Gerüchte, dass es eine Art „Star Wars 10“ bis „Star Wars 12“ werde. Der Autor arbeite daran gerade: „Er hat etwas geschrieben, das wir im August gelesen haben, und es war sehr gut, aber noch nicht ganz am Ziel. Wir haben die Geschichte so ziemlich komplett umgekrempelt und dann viel Zeit mit dem Treatment verbracht, das er buchstäblich vor etwa vier Wochen fertiggestellt hat. Und es ist ein sehr detailliertes Treatment, etwa 70 Seiten lang. Wir erwarten, dass er uns im März etwas liefert.“
In wenigen Wochen soll Kinberg also ein Drehbuch für den Auftakt seiner Trilogie abliefern und auch wenn die finale Entscheidung über das Projekt bei Brennan und Filoni liegt, macht Kennedy deutlich, dass es für das neue Duo Priorität haben wird: „Ich weiß, dass Dave und Lynwen absolut hinter dem stehen, was Simon gerade macht. Im zeitlichen Ablauf führt uns das weit bis ins Jahr 2030 und darüber hinaus. Das ist also wirklich das, was als Nächstes ansteht.“
War das Disney auch zu riskant? Vorerst kein "Dawn Of The Jedi"-Film von James Mangold
Die Worte von Kennedy lassen eigentlich keinen Zweifel daran, dass bis frühestens im Jahr 2030 erst mal kein Platz für einen anderen Kinofilm ist, wenn Kinbergs Skript den Anforderungen entspricht. Dabei war lange Zeit ein Film von „Logan – The Wolverine“-Macher James Mangold in Entwicklung, der immer wieder als mögliches nächstes Projekt gehandelt wurde. Doch zu dem traf Kennedy eine überraschende Aussage: „Das Projekt von Mangold liegt aktuell auf Eis, ebenso wie das von Soderbergh.“
Sie setzt James Mangolds Projekt damit auf dieselbe Stufe wie das Projekt von Steven Soderbergh und Adam Driver rund um Kylo Ren. Bei Letzterem wurde vor einigen Wochen bekannt, dass es Kennedy gerne gemacht hätte, es aber von Disney abgelehnt wurde. Auch von Mangolds Projekt, das sich mit dem allerersten Jedi beschäftigen sollte, scheint die scheidende Lucasfilm-Chefin eigentlich überzeugt zu sein: „James Mangold und Beau Willimon haben ein unglaubliches Drehbuch geschrieben, aber es sprengt definitiv den Rahmen.“
Übrigens lobt sie auch noch mal das Kylo-Ren-Projekt: „Wie Sie bereits gelesen haben, haben Steven Soderbergh und Adam Driver ein von Scott Burns geschriebenes Drehbuch eingereicht. Es war einfach großartig.“ Ganz tot sind die Filme deswegen aber nicht: „Alles ist möglich, wenn jemand bereit ist, ein Risiko einzugehen“, macht sie ein wenig Hoffnung. Dabei deutet sie aber an, dass es womöglich nicht Brennens und Filonis Entscheidung ist. Wahrscheinlich muss Disney bereit sein, waghalsigeres „Star Wars“ zu akzeptieren, damit die von ihr selbst protegierten Filme von Mangold und Soderbergh noch kommen.
Filme von Taika Waititi und Donald Glover sind am Leben
Zwei Projekte, die zuvor als deutlich unwahrscheinlicher in der Realisierung galten als das „Dawn Of The Jedi“-Projekt von James Mangold, werden dagegen von Kennedy mit optimistischeren Worten bedacht. Bekanntlich entwickelte Donald Glover nach seiner Rolle als junger Lando Calrissian in „Solo: A Star Wars Story“ ein Spin-off rund um seine Figur. Und „Thor 3“-Regisseur Taika Waititi wurde schon vor Ewigkeiten mit der Ausarbeitung einer eigenen Idee beauftragt. Beide Projekte haben jetzt fertige Drehbücher:
„Taika hat ein Drehbuch eingereicht, das ich für urkomisch und großartig halte. Es ist nicht allein meine Entscheidung, besonders jetzt, wo ich mit einem Bein schon aus der Tür bin. Donald Glover hat ein Drehbuch eingereicht“, erklärt sie gegenüber Deadline. Weiter führt sie aus: „Ich denke, die Projekte von Taika und Donald sind noch gewissermaßen am Leben. Es wird wirklich an dem neuen Team liegen, das auszuarbeiten.“
Was ist mit dem Comeback von Daisy Ridley als Rey?
Mit „New Jedi Order“ wird zudem seit Jahren mit Regisseurin Sharmeen Obaid-Chinoy („Ms. Marvel“) ein neuer Film rund um Daisy Ridleys Rey entwickelt. Dieses Projekt erwähnt Kennedy im gesamten Interview mit Deadline mit keinem einzigen Wort. Selbst als der Fragesteller sie darauf anspricht, ob es noch bestimmte Projekte gibt, nach denen er nicht gefragt hat, nutzt sie die Chance nicht, um über Obaid-Chinoys Film zu reden. Wir sind uns daher sicher: „New Jedi Order“ ist tot! Das Projekt wird erst einmal nicht mehr kommen.
Das heißt aber nicht, dass Daisy Ridleys Zeit als Rey bei „Star Wars“ vorbei ist – ganz im Gegenteil. Sie dürfte weiter ein entscheidender Teil der Zukunft der Saga sein. Auch der in Sachen „Star Wars“ zuletzt exzellent vernetzte Insider Jeff Sneider erklärte in einer Analyse des Lucasfilm-Führungswechsels im Podcast The Hot Mic, dass Ridley garantiert zurückkommt. Er wisse nur nicht, in welchem Projekt.
Unsere Vermutung: Die geplante Trilogie von Kinberg, auf welcher offensichtlich der Fokus liegt, hat einen eigenen „New Jedi Order“-Film überflüssig gemacht. Die Ideen von „New Jedi Order“ werden in die Kinberg-Trilogie einfließen. Womöglich musste auch deswegen der Kinberg-Ansatz „so ziemlich komplett umgekrempelt werden“.
Gibt es keinen großen Mandoverse-Film mehr?
Ein weiteres Projekt, welches nicht zur Sprache kommt, ist das große Mandoverse-Crossover-Projekt von Kennedys Nachfolger Dave Filoni. Auch hier könnte es bedeuten, dass das Projekt tot ist. Einige Gerüchte dazu kursieren seit einer Weile. Wir halten es aber für wahrscheinlicher, dass Kennedy nicht über ein Projekt reden will, das von ihrem Nachfolger selbst stammt, sondern hier Filoni die Kommunikation überlässt.
Es ist aber sehr gut möglich, dass die ganze Auflösung der Geschichten aus „The Mandalorian“, „Ahsoka“ und Co. doch nicht im Kino passiert, sondern auf Disney+ - also dort, wo es auch seinen Anfang nahm. Das schien schon immer etwas logischer. Der kommende „The Mandalorian & Grogu“ wäre dann als weitestgehend für sich stehendes Abenteuer eine einzelne Kino-Ausnahme.
Die kurze Zusammenfassung zum Abschluss
Am Ende liegt es natürlich an Lynwen Brennen und Dave Filoni auch ihre Ideen einzubringen. Doch da die Übergabe seit zwei Jahren vorbereitet wird, dürfte der von Kennedy skizzierte Plan auch jener sein, den das neue Duo erst einmal verfolgen will.
Und damit ist für uns klar: Der Fokus soll ganz eindeutig auf einer neuen Trilogie von Simon Kinberg liegen – die auch der perfekte Auftakt für ein neues Führungsduo ist. Projekte wie die von Waititi und Glover sind weiterhin möglich, aber wohl nicht vor 2030. Bei den anderen Projekten, allen voran jenen von Mangold und Soderbergh, sollte man vorerst nicht mit einer Umsetzung rechnen.
Den Artikel zum Abschied von Kathleen Kennedy haben wir hier noch einmal für euch:
Jetzt ist es offiziell: Die "Star Wars"-Chefin hört auf – und ihr Nachfolger ist ein alter Bekannter!