Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2025 feierten gleich zwei Filme ihre Weltpremiere, die Schulkinder zeigen, die in einer Diktatur leben und außerordentliche Strapazen durchlaufen, um an ein paar mickrige Backzutaten zu gelangen. Einer dieser Filme ist Fatih Akıns „Amrum“, basierend auf Kindheitserinnerungen seines Kollegen Hark Bohm: Darin will der zwölfjährige Nanning während des Zweiten Weltkriegs an die Zutaten für ein Weißbrot mit Honig gelangen, um seiner Mutter eine Freude zu bereiten.
„Amrum“ lockte über 800.000 Menschen in die hiesigen Lichtspielhäuser. Nun steht der deutsche Kinostart seines thematischen Geschwisterchens aus Cannes vor der Tür: Am 5. Februar 2026 startet „Ein Kuchen für den Präsidenten“ in den deutschen Kinos. In „Ein Kuchen für den Präsidenten“ muss die neunjährige Lamia im Irak der 1990er wider Willen Zutaten für einen Kuchen besorgen, was einer ihr Leben durcheinander rüttelnden, seelische Kräfte zehrenden Tortur gleicht. Einen Ersteindruck vom Film verschafft euch der auf dieser Seite eingebundene Trailer.
Darum geht es in "Ein Kuchen für den Präsidenten"
Die 1990er: Der Irak ist von US-Sanktionen betroffen, wodurch sich das Problem mit Armut, Not und Lebensmittelmangel im Land weiter verschlimmert. Dennoch zwingt der Staat die Bevölkerung, Saddam Husseins Geburtstag im großen Maße zu feiern – unter anderem werden Schülerinnen und Schüler ausgelost, deren Aufgabe es ist, einen Festkuchen zu backen.
Die Zutaten dafür müssen sie selbst beschaffen und bezahlen, im Falle des Ungehorsams drohen schwere Strafen. Daher kommt es für die neunjährige Lamia (Baneen Ahmad Nayyef) einem Schicksalsschlag gleich, als sie in ihrer Klasse das Los zieht. Nun muss sie in die nächstgrößere Stadt, um irgendwie an Backpulver, Eier, Zucker und Mehl zu gelangen. Es folgt ein Einkaufstrip, der für Lamia, ihre Großmutter Bibi (Waheed Thabet Khreibat), ihren geliebten Hahn Hindi und ihren besten Freund Saeed (Sajad Mohamad Qasem) alles verändern wird...
Ein Stress-Einkaufstrip lose nach wahren Begebenheiten
Bei „Ein Kuchen für den Präsidenten“ handelt es sich um das Spielfilmdebüt von Regisseur und Drehbuchautor Hasan Hadi, der im südirakischen Marschland aufwuchs, das in seinem Film auch als die faszinierend inszenierte Heimat Lamias herhält. Die Handlung des Films wurde laut Hadi derweil von Ereignissen inspiriert, die eine ihm nahestehende Person durchmachte.
Mittlerweile lebt Hadi in New York, und mit „Can You Ever Forgive Me?“-Regisseurin Marielle Heller, „Forrest Gump“-Autor Eric Roth sowie „Kevin – Allein zu Haus“-Macher Chris Columbus sicherte er sich die Unterstützung namhafter, westlicher Filmschaffender als Executive Producers.
Der Dreh fand aber vollständig im Irak statt und die Besetzung besteht größtenteils aus Laien, die Hadi zu äußerst glaubhaften Leistungen antreibt. Dabei erzählt er weitestgehend aus der Erfahrungswelt seiner Protagonistin – der Schrecken der Handlung wird indes unmissverständlich zwischen den Zeilen vermittelt.
Das fand international großen Anklang bei der Presse: „Ein Kuchen für den Präsidenten“ hat 100 Prozent positive Kritiken bei Rotten Tomatoes. Bei FILMSTARTS gibt es starke vier Sterne und folgendes Fazit: „'Ein Kuchen für den Präsidenten' ist ein mit zuckriger Raffinesse umgesetzter, bitterer Film, der unter anderem das Dilemma offenlegt, wenn gegen ein Land verhängte Sanktionen am Ende bloß die Schwachen und Unschuldigen ins Elend treiben.“
Weiter heißt es in unserer Kritik zum Film: „Zugleich unterstreicht er, wie höhnisch es ist, wenn von Propaganda verblendete Menschen diejenigen hochleben lassen, die es sich auf ihren leidenden Rücken bequem machen und sich riesige Torten schenken lassen, während eine junge Schülerin für ein paar Gramm Mehl und Zucker wahnsinnige Strapazen auf sich nimmt.“
Und wenn ihr euch auch für Nervenkitzel der düsteren Art erwärmen könnt, wie sie in Horrorfilmen anzutreffen ist: Vielleicht spricht euch auch der folgende Titel an...
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