Mit einem großartigen Keanu Reeves, der mal NICHT in den "John Wick"-Modus schaltet: Wohlfühl-Geheimtipp neu im Streaming-Abo
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Hier löscht Keanu Reeves nicht reihenweise Leben aus, sondern stellt sie verdattert, lächelnd und Fast Food genießend auf den Kopf: Der gesellschaftskritische Wohlfühlspaß „Good Fortune“ ist jetzt neu im Streaming-Abo abrufbar!

Ein Jahrzehnt ist es her, seit Aziz Ansari ein Netflix-Serienjuwelen erschaffen hat: „Master Of None“ dreht sich um einen lose an sein reales Ich angelehnten Schauspieler, der sich für klassisches Kino und gutes Essen begeistert, aber hauptsächlich für Joghurt-To-Go-Werbung bekannt ist. Seit der bittersüß, nachdenklich und dennoch leichtfüßig angelegten Serie steht die Frage im Raum, wann Ansari einen Versuch als Filmregisseur wagt.

Doch erst 2025 kam sein Kino-Regiedebüt heraus: Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel , eine Wohlfühlkomödie mit gesellschaftskritischen Zwischentönen – und mit „John Wick“-Star Keanu Reeves als mühelos-gutherzigen Mittelpunkt. Im Kino spielte die 30-Millionen-Dollar-Produktion ihr Budget zwar nicht wieder ein, aber vielleicht findet sie nun ihr Publikum: Ab sofort ist „Good Fortune“ beim Sky-Streamingdienst WOW im Abo enthalten:

Außerdem ist der Film als VOD bei Amazon Pime Video* und Co. sowie auf DVD und Blu-ray* verfügbar!

Darum geht es in "Good Fortune"

Gabriel (Keanu Reeves) ist zwar ein gutmütiger, allerdings ungeschickter Schutzengel. Trotzdem fühlt er sich von seiner Aufgabe unterfordert: Er soll Leute davor bewahren, sich von ihrem Handy ablenken zu lassen, während sie sich im Auto am Steuer befinden. Als Gabriel dem vom Schicksal gebeutelten Tagelöhner Arj (Aziz Ansari) begegnet, beschließt er entgegen seiner Kompetenzen, ihm zu helfen: Er sorgt dafür, dass Arj und der stinkreiche Unternehmer Jeff (Seth Rogen) das Leben tauschen.

Dadurch soll Arj die Lektion lernen, dass Geld nicht alles im Leben ist. Doch abgesehen davon, dass er der von ihm angehimmelten Baumarkt-Mitarbeiterin und Gewerkschaftsrechtlerin Elena (Keke Palmer) nun fremd ist, kommt Arj super mit seinem Dasein als Bonzen klar. Jeff wiederum leidet trotz seiner früheren „Jeder kann es zu Geld bringen!“-Parolen unter den Arbeitsbedingungen im Turbokapitalismus. Und Gabriel? Der wird rüde degradiert...

Filmisches Komfortfutter mit einer Prise Tatsachen

Nicht alle Wohlfühlfilme werden aus denselben Zutaten zubereitet: Manches cineastisches Komfortprogramm setzt auf Kuschelinhalte pur. „Good Fortune“ gehört dagegen zu den Wohlfühlfilmen, die nicht verleugnen, welche weltlichen Ärgernisse es zu beklagen gibt. Sie ziehen ihre Komfortwirkung daraus, dass sie samtig auf Probleme hinweisen und durch freundlichen Witz sowie zwischenmenschliche Wärme dazu inspirieren, sich ihnen zu stellen.

Filme mit dieser Ausrichtung beweisen einerseits, dass angenehmes Unterhaltungskino keinen reinen Eskapismus darstellen muss, machen sich jedoch angreifbar für Unkenrufe, sie würden die harschen Aspekte des menschlichen Daseins verharmlosen. Der Fairness halber: Wer solch einen Hang zum Zynismus zu Tisch bringt, sollte besser nicht von „Good Fortune“ kosten.

Hat man aber Vertrauen, dass es weiten Teilen des Publikums möglich ist, einen wärmenden Film zu goutieren und anschließend über die eingestreuten, bitteren Impressionen nachzudenken – dann ist Ansaris Leinwand-Regiedebüt empfehlenswert. Denn „Good Fortune“ nutzt die altbekannte Prämisse eines Rollentauschs zwischen Arm und Reich (die 1980er-Kultkomödie „Die Glücksritter“ lässt grüßen), um mit irritiertem Kopfschütteln den Status Quo der sogenannten „Gig Economy“ zu beobachten:

Während die Einen privilegiert genug sind, um selbst banale Alltagsaufgaben outzusourcen, sind die Anderen so arm, dass sie es sich nicht einmal leisten können, diese Minijobs problemlos auszuführen. Und die Verachtung gegenüber allen, die sich in der wirtschaftlichen Hackordnung unterhalb der eigenen Position befinden, ist (nicht nur) in den USA derart im kollektiven Weltbild verankert, dass es für zügigen Wandel eine nahezu göttliche Fügung bräuchte.

Fast Food liebender Filmkomfort, von Jarmusch angehaucht

Den Kopf hängen lassen, ist jedoch auch keine Lösung: Während andere Filme berechtigten Zorn entfachen, um aufzurütteln, nimmt „Good Fortune“ diejenigen an der Hand, die sich eher von einem Mutmachduktus antreiben lassen: Gabriel steigt (quasi) zum Menschen herab, kann aber endlich die fettigen Köstlichkeiten der Sterblichen genießen (was Reeves mit herzlichem Appetit macht), und schöpft so Mut, weiterzumachen.

Elena könnte über weite Strecken des Films mit einer Wand statt mit ihrem gewerkschaftsfeindlichem Kollegium diskutieren. Aber gut Ding will halt Weile haben. Und unter Ansaris Regieführung geraten nicht einmal die Szenen, in denen Jeff seine verdienten Lektionen lernt, in den Verdacht, von Schadenfreude erfüllt zu sein – sie sind viel mehr pfiffig-mahnende Sketcheinlagen über ein würdeloses System, in denen Rogen einmal mehr sein herausragendes, komödiantisches Gespür unter Beweis stellen darf.

Von FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen gab es dafür sogar starke vier Sterne! So lobt er den „gar nicht typisch hochglänzende[n], sondern erstaunlich raue[n] Look“, etwa „wenn Gabriel nach dem Verlust seiner Flügel als Tellerwäscher in einem Burgergrill arbeitet und in seiner Raucherpause wie eine Figur aus einem Neunzigerjahre-Indie-Film von Jim Jarmusch anmutet.“

Alle, denen ein Wohlfühlfilm mit sporadischem Jarmusch-Einschlag nicht poetisch und melancholisch genug ist, sollten sich indes auf folgenden, engelsgleichen Klassiker stürzen:

So magisch kann deutsches Kino sein: Berührendes Fantasy-Meisterwerk neu im Heimkino – endlich in 4K!

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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