Wer heute durchs Kinoprogramm blättert, der sieht vor allem eine Sache: Altbekanntes. Fortsetzungen, Remakes, Prequels und Spin-offs: Um die Gefahren eines finanziellen Misserfolgs zu minimieren, setzen viele Studios auf bekannte Marken, die bereits ein zahlungskräftiges Fanlager besitzt oder schon in der Vergangenheit finanzielle Potenz bewiesen haben. Auch wenn das per se nicht bedeuten muss, dass die Filme schlecht sind, unterstreicht es doch die aktuell fehlende Risikobereitschaft in Hollywood.
Was dabei jedoch oft vergessen wird, ist, wie aufregend es doch sein kann, unbekannte Welten auf der Leinwand zu entdecken und neue Figuren in sein Herz zu schließen. Ein ungezügelt-kreatives Abenteuer wie Jim Hensons fantastischer Puppenspaß „Die Reise ins Labyrinth“, das sichtbar von Lewis Carrolls Traumwelten beeinflusst ist, hätte im aktuellen Hollywood-Klima wahrscheinlich kein grünes Licht bekommen.
Wer sich selbst von der Qualität des kreativen Fantasy-Spektakels überzeugen will, der findet dieses im Angebot von Amazon Prime Video. Zwar gibt es den Film momentan nicht im Abo, für einen kleinen Obolus könnt ihr diesen jedoch leihen:
Und darum geht es in "Die Reise ins Labyrinth":
Die 15-jährige Sarah (Jennifer Connelly) fühlt sich von ihrem Vater und ihrer Stiefmutter ungerecht behandelt – und soll zu allem Überfluss auch noch Babysitterin für ihren kleinen Halbbruder Toby spielen (Toby Froud). Und Toby macht es ihr echt schwer, denn er quengelt und erweist sich als echter Quälgeist. Sarah kann nicht mehr und wünscht sich in einem impulsiven Anflug, dass das Baby von Kobolden entführt werden soll – nicht ahnend, dass ihr Wunsch schon bald Wirklichkeit werden wird, denn Koboldkönig Jareth (David Bowie) erhört ihre grausame Bitte.
Natürlich bereut Sarah ihr Handeln – und es bleibt noch eine letzte Gelegenheit, ihren Halbbruder aus den Klauen des fiesen Fürsten zu befreien. Dazu muss sie sich in die magische Welt der Kobolde wagen und den Weg durch ein verzaubertes Labyrinth finden. Der Weg erweist sich als mühsam, denn Gefahren lauern hinter jeder Ecke. Doch sie findet auch Freunde, die ihr auf dieser gefahrvollen Reise beistehen und gemeinsam wagen sie es, dem sinistren Monarchen und seinen Lakaien gegenüberzutreten.
Eine magische Welt voller liebenswerter Figuren
Der eigentliche Star von „Die Reise ins Labyrinth“ ist nicht die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade einmal 15-Jahre alte Jennifer Connelly. Pop-Superstar David Bowie muss sich trotz Weltruhm ebenfalls hinten anstellen – auch wenn seine Darstellung des fiesen Koboldkönigs mit unangenehm eng anliegender Hose schon legendär ist. Nein, die menschlichen Schauspieler*innen werden allesamt von Jim Hensons liebenswerten Muppet-Animatronics überstrahlt, die dem Film einen unvergleichlichen Charme verleihen.
Sprechende Schnecken, garstige Kobolde, schüchterne Monster, sprechende Steine – und ein adliger Fuchs namens Sir Didymus, der auf seinem Bobtail-Reittier unerschrocken in die Schlacht zieht. Fans handgemachter Spezialeffekte dürften sich Hals über Kopf in dieses schräge, aber durch und durch sympathische Figuren-Orchester verlieben. Insbesondere die Detailverliebtheit in der Gestaltung der Figuren ist bemerkenswert – gerade Jareths wilde Horde gleicht einem schaurigen Wimmelbild, bei der jeder Kobold ein kleines Kunstwerk ist.
Doch Obacht – auch wenn „Die Reise ins Labyrinth“ definitiv ein unterhaltsames Abenteuer für die ganze Familie ist, könnte das Design der Puppen für die jüngsten Zuschauer*innen noch etwas überfordernd sein. Dieses schwankt nämlich zwischen knuffig-liebenswert und erschreckend grotesk – wobei natürlich gerade der skurrile Charme der Figuren das Fantasy-Spektakel zu etwas ganz Besonderem macht. Doch spätestens, wenn Sir Didymus zum wilden Ritt durch den Furz-Sumpf ansetzt, dürften auch kleine Fantasy-Fans wieder voll an Bord sein – und sich vor Lachen auf dem Boden biegen.
Es wird übrigens gemunkelt, dass die „Die Reise ins Labyrinth“ nach fast 40 Jahren doch noch eine Fortsetzung erhalten könnte. Wer mehr darüber wissen möchte, klickt hier:
Doch kein Remake: "Nosferatu"-Regisseur macht Sequel zu fast 40 (!) Jahre altem Fantasy-Kultfilm*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.