"Eine Schande": Dieser zweifache Oscar-Gewinner hasste "Der Soldat James Ryan" wie kaum einen anderen Film
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vielen gilt „Der Soldat James Ryan“ als absoluter Meilenstein des US-amerikanischen Kriegskinos. Ein zweifacher Oscar-Preisträger hasste den Film allerdings – so sehr, dass er seinem Ärger in einem langen Essay Luft machte.

Mit „Der Soldat James Ryan“ brachte Steven Spielberg vor 28 Jahren einen seiner erfolgreichsten Filme in die Kinos: Nur „Armageddon“ konnte das starbesetzte (u.a. Tom Hanks und Matt Damon) Weltkriegs-Epos davon abhalten, zum umsatzstärksten Film 1998 zu werden. Rund 481 Millionen US-Dollar spülte der Film in die weltweiten Kinokassen, in Deutschland strömten mehr als 3,7 Millionen Zuschauer*innen in die Lichtspielhäuser.

Der Soldat James Ryan
Der Soldat James Ryan
Starttermin 8. Oktober 1998 | 2 Std. 49 Min.
Von Steven Spielberg
Mit Tom Hanks, Edward Burns, Matt Damon
User-Wertung
4,5
Filmstarts
5,0
Auf Paramount+ streamen

Auch die Kritiken fielen euphorisch aus: Wir von FILMSTARTS zückten für „Der Soldat James Ryan“ die seltene Höchstwertung von fünf Sternen – gelobt wird dabei nicht vornehmlich die längst legendäre Eröfnungsszene, die so realistisch geriet, dass sogar eine Notfall-Hotline für Veteranen eingerichtet werden musste (mehr dazu hier), sondern vor allem der Umstand, dass sich Spielberg jeder Form von Patriotismus und Heldenverehrung verweigere. Bei den Oscars wurde die Produktion mit elf Nominierungen und fünf Auszeichnungen bedacht – u.a. für die Beste Regie sowie die immersive Kamera von Janusz Kaminski.

Alle lieben also „Der Soldat James Ryan“ – oder? Nicht ganz: Filmemacher und Vietnam-Vetran Oliver Stone, der mit „Platoon“ selbst einen prägenden Beitrag zum US-amerikanischen Kriegskino lieferte, konnte die Prämisse nicht nachvollziehen – dass eine ganze Truppe ihr Leben riskieren sollte, um einen einzigen Soldaten zu retten, war ihm fremd.

Schauspieler Richard Todd wiederum, der im Jahr 1950 für das Drama „Gezählte Stunden“ (in dem er übrigens an der Seite des späteren US-Präsidenten Ronald Reagan auftrat) auf einen Academy Award hoffen konnte, tat den Film als „sentimentales Geschwätz“ ab – wohlgemerkt, ohne ihn überhaupt gesehen zu haben.

Dieser Oscar-Preisträger ist der vielleicht größte Kritiker von "Der Soldat James Ryan"

Und dann ist da noch William Goldman, der für seine Drehbüchter zur Western-Komödie „Zwei Banditen“ (mit Robert Redford und Paul Newman) sowie zum Politthriller „Die Unbestechlichen“ (mit Robert Redford und Dustin Hoffman) jeweils einen Oscar gewann. In seinem Buch „The Big Picture: Who Killed Hollywood? And Other Essays*“ ließ sich der „Misery“-Autor gnadenlos über „Der Soldat James Ryan“ aus. Unter anderem schrieb er: „Sogar John Wayne wäre es peinlich gewesen, einen Film so zu beginnen. Herzen und Blumen, Gott segne Amerika, all dieser schreckliche Kram.“

Zwar gibt er zu, dass die ersten zwei Drittel des Films gelungen seien. Doch den Rest bezeichnete er als „Schande“: „Über 50 Minuten voller verlogener, manipulativer Scheiße.“ Matt Damons improvisierter Monolog zerreiße „einen Großteil des emotionalen Gefüges des Films“ und er habe keine Ahnung, wie Spielberg so etwas zulassen konnte (in diesem Artikel hätte er übrigens eine Antwort gefunden). Überhaupt, Spielberg: „Einst war er ein phänomenaler Geschichtenerzähler. Alles weg.“

Goldman bemängelte zudem logische Brüche und konstatierte, dass die im Stoff angelegten moralischen Fragen durch „pseudophilosophischen Sirup“ und „billige erzählerische Tricks“ ersetzt würden. Zusammenfassend kann man sagen: Goldman hasste „Der Soldat James Ryan“ trotz nicht bestreitbarer technischer Qualitäten wie kaum einen anderen Film.

Dass er mit dieser Meinung eher eine Außenseiter-Position bestreitet, dürfte ihm damals schon klar gewesen sein. Auch die FILMSTARTS-Community wählte „Der Soldat James Ryan“ so zum zweitbesten Kriegsfilm aller Zeiten. Welches Meisterwerk noch eine ganz kleine Ecke besser abschneidet, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

4,52 von 5 Sternen! Das ist der beste Kriegsfilm aller Zeiten – laut den deutschen Zuschauern

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