Zu den Genres, die gemeinhin mit den Disney-Studios assoziiert werden, zählen Märchen, Familienkomödien und Musicals. Dank Megahits wie „Fluch der Karibik“ dürften viele Filmbegeisterte bei Disney auch an übernatürliche Blockbuster denken. Dass Disney zudem eine kleine, feine Riege an Survival-Abenteuern in die Kinos entlassen hat, gerät derweil in Vergessenheit. Dabei sind „Antarctica – Gefangen im Eis“ und „Wenn die Wölfe heulen“ wahre Juwelen im Disney-Filmschatz!
Ein weiterer Disney-Abenteuerfilm von verwandtem, wenngleich sanfterem Schlag ist „Iron Will – Der Wille zum Sieg“ aus dem Jahr 1994: Der Mix aus lockerem, familienfreundlichem Sportfilm und rührend-angekitschtem Survival-Abenteuer in widriger Eis- und Schneelandschaft mit „The Pitt“-Nebendarsteller Mackenzie Astin hält sich zwar nicht haarklein an die Begebenheiten, auf denen er basiert. Dennoch bietet er spannende Familienunterhaltung an verschneiten Originalschauplätzen. Wenn ihr neugierig seid: „Iron Will“ ist bei Disney+ abrufbar!
Darum geht es in "Iron Will"
South Dakota, 1917: Der 17-jährige Will Stoneman (Mackenzie Astin) liefert Post aus und wird von seinem Vater Jack (John Terry) in die Kunst des Schreinerns eingeweiht, träumt aber davon, zur Uni zu gehen. Als er eine Zusage erhält, ist Will von Zweifeln erfüllt. Könnte er wirklich seine Familie zurücklassen? Wie kommt das Geld für das Studium zusammen? Jack drängt seinen Sohn dazu, diese Sorgen zu vergessen, doch das Schicksal meint es schlecht mit den Stonemans:
Das Familienoberhaupt kommt bei einem Unfall ums Leben. Nun muss Will alleine dafür sorgen, dass seine Mutter Maggie (Penelope Windust) ihre schuldengeplagte Farm behalten kann. In dieser prekären Lage sieht er einen einzigen Ausweg: Er will ein strapaziöses Hundeschlittenrennen gewinnen, obwohl er zu jung für eine Teilnahme ist, seine Unterlagen zu spät eingereicht hat, mit dem Leithund seines Vaters, dem Husky Gus, auf dem Kriegsfuß steht und wenig Erfahrung hat.
Zum Glück ist der Farmarbeiter Ned Dodd (August Schellenberg) ein hervorragender Lehrer, während der abgebrühte Journalist Harry Kingsley (Kevin Spacey) händeringend nach einer Story sucht! Also sorgt Kingsley dafür, dass Will ins Teilnehmerfeld aufgenommen wird, und berichtet in reißerisch-rührseligen Artikeln von Wills eisernem Willen. Das regt zwei Sponsoren des Rennens (David Ogden Stiers & Brian Cox) zu einer Wette an – und mündet in gewissenlose Sabotage...
Geschrieben von einem Hitchcock-Autoren
Regisseur Charles Haid hinterließ im Kino nach diesem Debüt keine großen Spuren mehr, auch Djordje Milicevic („Runaway Train“) und Jeff Arch („Schlaflos in Seattle“), zwei der Autoren dieses sportlichen Survival-Abenteuers, haben keine lange Kino-Vita. Mit John Michael Hayes wirkte allerdings ein mehrmaliger Hitchcock-Kollaborateuer an „Iron Will“ mit, der Klassiker wie „Fenster zum Hof“ sowie „Über den Dächern von Nizza“ geschrieben hat.
Hayes verfasste bereits 1971 einen frühen „Iron Will“-Entwurf und kehrte Ende der 1980er aus dem Ruhestand zurück, um das Skript zu überarbeiten. Seinen Stil im Disney-Abenteuer wiederzuerkennen ist eine schwere Aufgabe – jedoch muss man dem Film zugutehalten, dass er trotz dreier Autoren, langer Entwicklung und mehrerer Genre-Versatzstücke wie aus einem Guss wirkt:
„Iron Will“ beginnt mit einem zügigen Erzähltempo und behält diesen Schmiss bei. Ganz gleich, ob sich das Rennen als Will wachsen lassendes Abenteuer, als fescher Wettbewerb mit fairen und cartoonesk-bösen Konkurrenten oder als frostige Auseinandersetzung mit der unwirtlichen Natur präsentiert.
90er-Jahre-Familienkino zum Jubeln, Schluchzen und Grinsen
Haid verleiht all dem den tonalen Anstrich eines Familienfilms, der wirklich für die ganze Familie ist. Vor Wills Aufbruch nach Kanada haben die Dialoge und Joel McNeelys Musik zwar eine Überdosis an quirlig-großäugiger 90er-Jahre-Mentalität. Doch geht das Abenteuer erst los, bekommen die Jüngeren Aufregung geboten, die ihrem Nervenkostüm etwas zutraut, und die Älteren eine unterhaltsam-dick aufgetragene Durchhalte- und Wettstreiterzählung.
Zu deren Pluspunkten zählen neben den eiskalt eingefangenen Landschaften Minnesotas und dem bockig inszenierten Leithund Gus ein die Tonalität des Films punktgenau treffender Spacey: Mit schelmischem Grinsen gibt er Kingsley als ausgebufften Schreiberling, der großkotzige Sätze druckreif aus dem Ärmel schüttelt und richtig empathisch und aufmunternd sein kann – bevorzugt, wenn es seinen Artikeln eine bessere Position in der Zeitung beschert.
Der Handlungsstrang über den Medienrummel um Wills Teilnahme am 522-Meilen-Rennen ist keinesfalls subtil, vermittelt seine Botschaft aber vergnüglich: Die Pressemaschine wird als zweischneidiges Schwert geschildert. Angetrieben von dünnen Egos, Neid und dem Drang, Grenzen zu überschreiten – aber fähig, auf der Suche nach dem nächsten Knüller ein wärmendes Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und zu helfen.
Die Sponsoren inszeniert Haid derweil als sich in luxuriösen Waggons an Zigarren, Whisky und Cognac labende Bonzen, für die diejenigen, die wirklich Leistung vollbringen, bloß Bauern in einem Schachspiel sind. So ganz ohne frostigen Biss sollte ein Survival-Sportabenteuer in Schnee und Eis halt nicht auskommen, ganz gleich, wie breit die Zielgruppe abgesteckt ist.
Und so sehr McNeely zum Filmauftakt übertreibt: Die letzte Etappe des Rennens untermalt er mit effektvoller Musik, die dieser Disney-Abenteuerparabel über Mitgefühl, Courage und Sportsgeist einen wunderschönen Abschluss bereitet. Es ist kitschig, aber die Art Kitsch, die ein vertrauensvolles Lächeln ins Gesicht zaubert. Und auch unser folgender Streaming-Tipp ist reich an Disney-Quintessenz und zugleich ziemlich harsch:
Dieser Disney-Film hat Generationen verstört, ist bei uns aber völlig unbekannt - ein Streaming-Tipp!*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.