Heute ohne Werbung im TV: Ewan McGregor in einem unterschätzten Filmjuwel eines Marvel- und "Star Wars"-Regisseurs
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Nachdem Ewan McGregor und Renée Zellweger mit „Moulin Rouge!“ respektive „Chicago“ eine Musical-Renaissance in die Wege leiteten, stürzten sie sich Hals über Kopf in ein liebevoll-parodistisches Liebeskomödien-Pastiche. Heute läuft es im Free-TV!

Er inszenierte die „Ant-Man“-Trilogie, zwei Episoden der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“ und hat eine der charmantesten Filmparodien des Jahrhunderts gedreht: Peyton Reed ist zwar kein namhafter Regisseur, dennoch hat seine Vita unterschätzte Kleinode zu bieten!

Denn der Mann, der seine Liebe für vergangene Filmepochen zum Ausdruck brachte, indem er Rückgriffe auf das Screwball-Meisterwerk „Is was', Doc?“ in ein Marvel-Spektakel packte, brachte uns „Down With Love – Zum Teufel mit der Liebe!“. Dabei handelt es sich um einen liebevollen, neckisch-ironischen Kniefall vor „sexlosen Sexkomödien“, allen voran den Doris-Day- & Rock-Hudson-Klassikern „Bettgeflüster“ und „Ein Pyjama für zwei“.

Mit den herrlich aufgelegten Ewan McGregor und Renée Zellweger in den Hauptrollen stellt „Down With Love“ eine passionierte Parodie dessen dar, wie Hollywood einst amouröse Leidenschaft und körperliche Sehnsucht dargestellt hat, ohne explizit zu werden – oder aber die Lust scheu runter zu schlucken. Das ist für Fans der Vorlagen ein feucht-fröhliches Vergnügen und für Uneingeweihte ein heiteres Vorspiel, das Bock auf weitere Tuchfühlung macht.

Heute, am 21. Februar 2026, läuft die nicht genügend gewürdigte Komödie „Down With Love“ ab 20.15 Uhr bei ZDFneo! Zudem könnt ihr die parodistische Liebeskomödie bei Disney+* abrufen oder bei Amazon Prime Video im Abo:

Darum geht es in "Down With Love"

New York City, 1962: Barbara Novak (Renée Zellweger) hat den Ratgeber „Down With Love“ verfasst, der Frauen erklärt, dass sie der Liebe (nicht aber dem Sex!) abschwören müssen, um unabhängig zu werden. Damit stößt sie auf Unverständnis bei den alten Herren im Verlagswesen, doch sie und Lektorin Vikki Hiller (Sarah Paulson) wollen den Kampf nicht aufgeben.

Das Buch bleibt zwar zunächst wie Blei in den Regalen liegen. Aber Vikki versucht, ihre Kontakte zum Herrenmagazin „Know“ spielen zu lassen, indem sie Barbara ein Interview mit Starjournalist und Lebemann Catcher Block (Ewan McGregor) verschafft. Der lässt sie ständig sitzen – nicht nur zu Vikkis und Barbaras Frust, sondern auch zum Ärger von Peter McMannus (David Hyde Pierce), Catchers bestem Freund und Chef, der heimlich in Vikki verknallt ist.

Als „Down With Love“ ohne Catchers Hilfe zum globalen Bestseller wird, hat der von den nunmehr emanzipierten Frauen genervte Journalist bloß das Eine im Sinn: Rache!

Ein Day-Hudson-Rücksturz in einer Post-"American Pie"-Welt

Das Vorfeld und die frühe Phase der sexuellen Revolution waren Brutstätte für ein Komödien-Subgenre, das in seiner damaligen Form wohl nie mehr aufblühen wird: In den späten 1950ern und frühen 1960ern brillierten Hollywood-Studios mit Romantikkomödien, bei denen sich Biederkeit und Lust sowie alteingesessenes Spießertum und allmähliches, feministisches Aufbegehren derart rhythmisch reiben, dass die Funken fliegen!

Diese „sexlosen Sexkomödien“, in denen sich die Figuren wenig berühren und, wenn überhaupt, bloß in vorsichtigen Tönen vom Geschlechtsverkehr reden, punkteten dafür mit spritzigen Doppeldeutigkeiten und liebenswert-sturköpfigen Figuren, die zwar eine verklemmte Fassade aufrecht erhalten, es aber faustdick hinter den Ohren haben.

Wie könnte man solche Filme nach der Enttabuisierung der Anti-Baby-Pille bloß jemals wieder drehen? Anfang der 2000er, also in einer Welt nach „American Pie“ und einem Boom an definitiv nicht „sexlosen Sexkomödien“, wagten sich Regisseur Peyton Reed, Drehbuchautorin Eve Ahlert und Drehbuchautor Dennis Drake an folgender Antwort: Man haut einen augenzwinkernden Tribut heraus!

Die Übertreibung einer Übertreibung

„Down With Love“ ist die bild- und klangästhetische sowie erzählerische Überspitzung dessen, wie „Bettgeflüster“ und Co. in den Erinnerungen ihrer Fans ablaufen – und die Filme waren bereits eine massive Überspitzung dessen, wie die damalige Zeit wirklich war. Das geschieht zu weiten Teilen mit spürbarer, ehrfürchtiger Hingabe:

Komiker Tony Randall, der mit Day und Hudson arbeitete, legitimiert diese Farce, die den Duktus seiner alten Erfolge überdehnt, mit einem Gastauftritt. Die Bildsprache sticht aus dem US-Komödienlook der frühen 2000er-Jahre mit schimmerndem Marmor, funkelnden Glasflächen, freimütigem Farbeinsatz und ein über das gesamte CinemaScope-Format verteiltes, kinetisches Ensemble heraus. Die Kostüme springen tolldreist von geschmackvoll-schmeichelnd hin zu absurder Statementmode. Und die Musik von Marc Shaiman ist mitreißend-beschwingt!

Doch so detailverliebt sich „Down With Love“ vor seinen Vorbildern verneigt: Diese Komödie scheut nicht davor zurück, sie durch den Kakao zu ziehen. Es wird hemmungslos in geschlossenen Räumen geraucht, es kann nie genug Alkohol fließen, Catcher zieht sich in Windeseile aus, duscht, trocknet sich ab und zieht sich wieder an (und all das in seinem Büro!) und was Barbara noch als gepfefferten, feministischen Befreiungsschlag erachtet, ist Jahrzehnte später nicht einmal zuckende Wimpern wert.

Und dann sind da noch Feuerwerke aus scheu-unschuldig gehaspelten Doppeldeutigkeiten, aufgescheut-freudig ausgeteilten sowie hochkreativen Beschimpfungen und eine derart irre Verkettung an Missverständnissen und Flunkereien, dass es mehrere Passagen unverfrorener Romantik benötigt (wie eine schmachtende Tanzeinlage), um den Lachmuskeln eine dringend verdiente Ruhepause und dem Herzen was zum Dahinschmelzen zu geben. Wäre das Leben eine sexlose Sexkomödie, „Down With Love“ würde eine Zigarette danach verlangen!

Eine aktuellere Romantikkomödie erobert derweil im Moment die Streaming-Charts. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:

In 89 (!) Ländern auf Platz 1: Nur 2 Monate nach Kinostart startet diese Romanze mit Top-Besetzung im Streaming richtig durch

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